Partys, Saufgelage und Touren mit dem Bollerwagen: Am Vatertag, der auch als Herrentag bekannt ist, gehören Ausflüge mit Alkohol für viele Männer dazu. Zeitgleich zum Himmelfahrtstag ziehen Gruppen durch die Straßen, um ausgelassen zu feiern. Doch wie zeitgemäß ist dieser Brauch in einer Zeit, in der sich traditionelle Familienbilder wandeln?
Ursprünge und Wandel des Vatertags
Der Vatertag entstand um das Jahr 1900, zunächst vor allem im Berliner Raum, wie das Leibniz-Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam berichtet. In über 100 Jahren hat sich das Familienbild grundlegend verändert. Dennoch ist der Tag nach Ansicht des Forschers Christopher Neumaier, außerplanmäßiger Professor an der Universität Potsdam, absolut zeitgemäß. „Die Geschlechterrollen haben sich ein Stück weit gewandelt, aber dieser Ausflugstag, dieses Feiern und der Alkoholkonsum haben sich gehalten“, erklärt Neumaier. Mehr noch: Der Brauch habe sich sogar noch fester verankert. „Der Vatertag hat als traditionelles Element einen großen Boom erfahren.“
Traditionelle Rollenbilder in Paarbeziehungen
Im Durchschnitt zeige sich weiterhin ein traditionelles Rollenbild in deutschen Paarbeziehungen, was sich auch auf den Vatertag auswirke, so der Zeithistoriker. Eskapaden gehörten für viele Männer zu „ihrem“ Tag dazu. Die Polizei hat daher an Himmelfahrt oft besonders viel zu tun und muss wegen Prügeleien und Auseinandersetzungen unter Betrunkenen ausrücken. Die Wasserschutzpolizei im Westen Brandenburgs kündigte beispielsweise verstärkte Kontrollen auf Flüssen und Seen an.
Herrentag statt Vatertag: Wer feiert mit?
Warum der Tag vielerorts auch Herrentag oder Männertag genannt wird? „Es gehen Väter feiern, aber es gehen auch junge Männer oder Jungs feiern, die noch keine Väter sind“, erklärt Neumaier. „Aus deren Perspektive ist es irrelevant, ob sie auch Väter werden wollen. Das spielt an diesem Tag in ihrer Gruppe keine Rolle – und dann ist auch der Name Vatertag nicht so richtig passend.“ Während Bierbecher symbolisch für den Vatertag stehen, sind es beim Muttertag eher Blumensträuße. Der Vatertag wird oft mit dem Vorwurf begleitet, dass sich der Vater mit feuchtfröhlichen Ausflügen selbst feiert, während am Muttertag der Dank und die Leistung der Mutter im Vordergrund stehen.
Historischer Hintergrund und Kommerzialisierung
Geschichtlich habe dies seinen Hintergrund in der demografischen Entwicklung, sagt Neumaier, der auch ein Buch über die Rolle der Frau in Ost- und Westdeutschland verfasst hat. Es sei vor allem um Geburten und Kindererziehung gegangen. „Diese Rahmenbedingungen haben auch dazu geführt, dass der Tag im Nationalsozialismus für rassenideologische und bevölkerungspolitische Ziele des NS-Regimes genutzt wurde.“
Und wohin entwickelt sich der Vater-, Männer- oder Herrentag? Der Wissenschaftler Neumaier geht von einer weiteren Kommerzialisierung aus. „Was man untersuchen könnte: Gibt es mehr gezielte Angebote für die Väter, die lanciert werden?“ Er denkt dabei an Wirtshäuser, Biergärten und Brauereiunternehmen, die versuchen, die vorbeiziehenden Bollerwagen-Trupps abzugreifen. Die Zukunft des Vatertags scheint also gesichert – mit oder ohne traditionelle Rollenbilder.



