TEAG: Gas-Neuverträge verdoppeln sich durch Iran-Krieg - Kommunen profitieren weiter
Gas-Neuverträge bei TEAG verdoppeln sich durch Iran-Krieg

Gaspreise in Thüringen steigen deutlich: TEAG warnt vor Verdopplung bei Neuverträgen

Der Iran-Krieg hat nicht nur Auswirkungen auf die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen. Auch Haushalte mit Gasheizungen müssen sich auf erhebliche Mehrkosten einstellen, wie der größte Thüringer Energieversorger TEAG mitteilt. Allerdings betrifft diese Entwicklung nicht alle Kunden gleichermaßen.

Marktpreise zwingen zu drastischen Anpassungen

Neu abgeschlossene Lieferverträge für Erdgas werden in den kommenden Wochen deutlich teurer, erklärt TEAG-Vorstandschef Stefan Reindl in Erfurt. „In der ersten Phase nach Kriegsbeginn konnten wir noch von unseren Vorräten zehren“, so Reindl. „Jetzt müssen wir Gas schrittweise zu den aktuellen Marktpreisen einkaufen, was zu einer Verdopplung der Preise bei Neuverträgen führen kann.“

Kunden mit langfristigen Verträgen bleiben von diesen Preissprüngen verschont. Sie zahlen weiterhin die vereinbarten Konditionen, während Neukunden die vollen Auswirkungen der globalen Marktentwicklung zu spüren bekommen.

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Strommarkt zeigt sich robuster

Anders sieht die Situation im Strombereich aus. „Der Strommarkt hat sich gut vom Gasmarkt entkoppelt – den erneuerbaren Energien sei Dank“, betont Reindl. Derzeit gebe es keinen Trend zu deutlich steigenden Strompreisen. Allerdings warnt der Vorstandsvorsitzende: Sollten der Iran-Konflikt und die Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus länger andauern, könnte auch Strom im Preis nachziehen.

Kommunale Eigentümer profitieren weiter

Die TEAG, die rund 600 Kommunen im Freistaat Thüringen gehört, erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn von 79,6 Millionen Euro nach Steuern. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 76,1 Millionen Euro. Die kommunalen Eigentümer erhalten mindestens 23 Euro pro Aktie als Dividende.

Ein bemerkenswerter Erfolg: Die Städte und Gemeinden haben die Kredite für die Übernahme der TEAG fast vollständig getilgt. „Der Kaufpreis von mehr als einer halben Milliarde Euro wird trotz hoher Investitionen in diesem Herbst abgezahlt sein“, erklärt Vorstandschef Reindl.

Sicherheitsinvestitionen als Reaktion auf Bedrohungslage

Das Unternehmen plant weitere Investitionen in die Sicherheit seiner Systeme. „Die Bedrohungslage hat sich verschärft – auch bei uns“, sagt Vorstand Andreas Roß. Der Anschlag in Berlin mit tagelangem Stromausfall zu Jahresbeginn habe das Krisenbewusstsein nachhaltig verändert.

Die TEAG verzeichnet in den vergangenen Jahren eine Zunahme von:

  • Drohnenüberflügen
  • Einbrüchen in Anlagen
  • Cyberangriffen
  • Kabeldiebstählen

Am Konzernsitz in Erfurt mit mehreren Leitwarten wird daher die Sicherheitsstufe erhöht. Geplante Maßnahmen umfassen:

  1. Anschaffung zusätzlicher Notstromaggregate
  2. Verlegung weiterer Leitungen an neuralgischen Punkten
  3. Reduzierung öffentlich zugänglicher Daten zur kritischen Infrastruktur
  4. Fortführung der Diskussion mit der Landesregierung über Reservekraftwerke

Wirtschaftliche Entwicklung und Investitionspläne

Die TEAG erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro – ein Rückgang von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der auf gesunkene Marktpreise zurückzuführen ist. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit ähnlichen Werten bei Umsatz, Ertrag und Dividende wie 2025.

Das Unternehmen plant erneut Investitionen in Höhe von rund 300 Millionen Euro. „In der Vergangenheit waren es vielfach nur ein Drittel dieses Betrags“, betont die Unternehmensführung. Diese Mittel fließen insbesondere in die Modernisierung der Infrastruktur und die Erhöhung der Versorgungssicherheit.

Thüringen bleibt trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien stark auf Energieimporte angewiesen. Die TEAG versorgt ihre rund 500.000 Kunden nicht nur mit Strom und Gas, sondern auch mit Wärme und Glasfaseranschlüssen. Mit knapp 2.400 Mitarbeitern ist das Unternehmen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region.

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