Internationale Energieagentur warnt vor dramatischer Ölknappheit in Europa
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat eine ernste Warnung vor einer weiteren Verschärfung der Ölknappheit in Europa ausgesprochen. Grund dafür ist die faktische Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus infolge des anhaltenden Krieges im Nahen Osten. IEA-Chef Fatih Birol betonte in einem aktuellen Podcast, dass der Ölverlust im April voraussichtlich doppelt so hoch ausfallen wird wie im März.
Engpässe bei Kerosin und Diesel drohen
Laut Birol stellt der Mangel an Kerosin und Diesel das größte Problem dar. Zusätzlich komme es zu Ausfällen bei Flüssigerdgas (LNG), die bereits in Asien spürbar sind und Europa voraussichtlich im April oder Mai erreichen werden. Diese Entwicklung hat bereits zu steigenden Weltmarktpreisen geführt, da über die Straße von Hormus zuvor rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert wurde.
Birol brachte als mögliche Gegenmaßnahme die Freigabe weiterer Ölreserven ins Spiel. "Wenn wir der Meinung sind, dass ein Bedarf an Rohöl oder Produkten besteht, können wir eingreifen", erklärte er. Die IEA-Mitglieder, darunter auch Deutschland, hatten bereits am 11. März die Freigabe von 426 Millionen Barrel Öl beschlossen, um den Folgen des Irankriegs entgegenzuwirken.
Auswirkungen auf Luftverkehr und Verbraucher
Die internationale Luftfahrt ist von den Engpässen bereits stark betroffen. Ryanair-Chef Michael O'Leary warnte vor Störungen in der Kerosinversorgung ab Mai, sollte der Konflikt andauern. Bis zu 25 Prozent der Lieferungen für die Fluggesellschaft könnten in Gefahr sein, was zu deutlich höheren Ticketpreisen im April, Mai und Juni führen könnte.
Auch für Verbraucher in Deutschland sind die Folgen spürbar: Diesel und Benzin haben sich drastisch verteuert. Eine Studie zeigt, dass die Überschussgewinne der Mineralölkonzerne hierzulande im EU-Vergleich besonders hoch ausfallen. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen bestätigte nach einer Videokonferenz der EU-Energieminister eine Verknappung auf bestimmten Produktmärkten, insbesondere bei Diesel und Kerosin.
Insgesamt sind durch den Krieg im Nahen Osten bislang rund 40 wichtige Energieanlagen beschädigt worden, was die globale Energiesicherheit weiter unter Druck setzt.



