Irankrieg treibt Nachfrage nach Solaranlagen und Elektroautos in Europa
Irankrieg treibt Nachfrage nach Solar und E-Autos

Energiekrise durch Nahost-Konflikt löst Boom bei grünen Technologien aus

Der aktuelle Krieg im Nahen Osten hat in mehreren europäischen Ländern zu einem dramatischen Anstieg der Nachfrage nach klimafreundlichen Technologien geführt. Hohe Preise für Erdgas und Kraftstoffe treiben Verbraucher vermehrt zu Solaranlagen und Elektrofahrzeugen, wie aktuelle Daten der Forschungsgruppe Zero Carbon Analytics belegen.

Solarboom erreicht historische Dimensionen

In Deutschland sind mittlerweile mehr als 1,2 Millionen sogenannter Balkonkraftwerke in Betrieb. Allein zwischen Anfang März und Mitte April wurden über 49.000 neue Kleinanlagen registriert, die auf Balkonen oder in Gärten installiert wurden. Der Verband Solar Power Europe geht davon aus, dass noch weit mehr dieser Mini-Solaranlagen ohne offizielle Registrierung betrieben werden.

Der Berliner Anbieter Enpal meldete etwa 30 Prozent mehr Anfragen nach Solarmodulen und Wärmepumpen. Der Hamburger Konkurrent 1Komma5° sprach sogar von einer ungefähren Verdopplung der Nachfrage im Monatsvergleich. Ähnliche Steigerungsraten verzeichneten auch Energieversorger in Großbritannien.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Staatliche Förderprogramme verstärken den Trend

Verschiedene europäische Regierungen haben mit gezielten Maßnahmen den Ansturm auf erneuerbare Energien zusätzlich befeuert. Spanien brachte Ende März Steuervergünstigungen für Haushalte auf den Weg, die Solarstrom erzeugen. Die britische Regierung kündigte erstmals die offizielle Zulassung von Balkonkraftwerken an, was zu einem deutlichen Anstieg der Suchanfragen nach "Plug-in-Solar" bei Google führte.

In Italien war der Andrang auf staatliche Förderungen so groß, dass das entsprechende Portal für Wärmepumpen und Solaranlagen Anfang März vorübergehend die Annahme von Anträgen einstellen musste.

Elektromobilität gewinnt massiv an Fahrt

Parallel zum Solarboom verzeichnet auch der Markt für Elektroautos bemerkenswerte Zuwächse. In Deutschland wurden im März gut 66 Prozent mehr batterieelektrische Neuwagen verkauft als im Vorjahresmonat. Frankreich und Italien meldeten ähnliche Steigerungsraten von rund 70 Prozent.

Das Onlineportal Mobile.de berichtete von einem Anstieg der Anfragen nach neuen oder gebrauchten E-Autos um mehr als 50 Prozent von Februar auf März, während die Nachfrage nach Benzin- und Dieselautos deutlich schrumpfte. Auch Autoscout24 verzeichnete in Deutschland, Österreich und Italien einen Nachfrageanstieg um 40 Prozent.

Preissteigerungen verändern Verbraucherverhalten

Hauptgrund für die aktuellen Entwicklungen ist die weitgehende Blockade der Straße von Hormus, einer wichtigen Schifffahrtsroute zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean. Durch diese Meerenge wurden bisher beträchtliche Mengen an Erdöl, Kraftstoffen und Flüssigerdgas transportiert, die nun dem Weltmarkt fehlen.

Der Preis für Erdöl der Nordseesorte Brent ist seit Kriegsbeginn um etwa 30 Prozent gestiegen, während der europäische Referenzpreis für Erdgas um mehr als 20 Prozent zulegte. Diese Entwicklung verändert die Kalkulation vieler Autofahrer grundlegend.

Ein Vergleich verdeutlicht die wirtschaftlichen Vorteile: Ein Benzinauto mit durchschnittlichem Verbrauch von sieben Litern je 100 Kilometer kommt bei aktuellen Preisen auf Kosten von gut 14 Euro. Ein typisches Elektroauto benötigt für die gleiche Strecke etwa 20 Kilowattstunden Strom, was an einer öffentlichen Ladesäule mit günstigem Tarif nur rund 9 Euro kostet. Noch günstiger wird die Bilanz bei Haushalten mit eigener Wallbox, Solaranlage und Batteriespeicher.

Historische Parallelen und zukünftige Entwicklungen

Die Autoren der Studie weisen auf historische Parallelen hin: Ähnliche Nachfragespitzen bei klimafreundlichen Technologien gab es bereits im Jahr 2022, kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine, der ebenfalls eine Energiekrise auslöste. Die aktuellen Daten zeigen, dass geopolitische Konflikte und Energiepreisschocks nachhaltige Veränderungen im Verbraucherverhalten bewirken können.

Die Forschungsgruppe Zero Carbon Analytics betont, dass in allen betrachteten Märkten deutliche Interessenspitzen zu beobachten seien, die zeitlich mit dem Irankrieg zusammenfallen. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung energieautarker Lösungen für private Haushalte in unsicheren geopolitischen Zeiten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration