Kernkraftwerk Stade: Finaler Akt des Rückbaus beginnt mit Abbruch des Reaktorgebäudes
Im niedersächsischen Stade hat der finale Akt des Rückbaus des stillgelegten Kernkraftwerks begonnen. Nach jahrelangen Vorbereitungen wird das Reaktorgebäude nun systematisch abgerissen, wobei der vollständige Rückbau bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein soll. Damit erreicht eines der wegweisenden Atomkraft-Rückbauprojekte Deutschlands seinen technischen Höhepunkt.
Spezialgeräte im Einsatz: Vom Seilbagger bis zur Hydraulikschere
Für den Abbruch kommen beeindruckende Spezialmaschinen zum Einsatz. Zunächst wird eine etwa vier Tonnen schwere Stahlkugel gegen die Fassade des Reaktorgebäudes geschlagen, um die Struktur zu schwächen. Anschließend übernehmen eine 16 Tonnen schwere Hydraulikschere und ein 180 Tonnen schwerer Seilbagger die weiteren Abbrucharbeiten. Das Gebäude soll kontrolliert und schrittweise zum Einsturz gebracht werden.
„Mit dem Start der Abbrucharbeiten am Reaktorgebäude erreichen wir den finalen technischen Meilenstein, an dem wir lange gearbeitet haben“, erklärt Anlagenleiter Marco Albers. „Das gesamte Team hat enorme Sorgfalt in die Erstellung der erforderlichen Unterlagen gesteckt, und ich bin sehr zufrieden, dass die Prüfung des unabhängigen Sachverständigen und die Zustimmung des Niedersächsischen Umweltministeriums jetzt erfolgt sind.“
Jahrelange Vorbereitung und richtungsweisende Bedeutung
Der Rückbau des Kernkraftwerks Stade läuft bereits seit 2005 nach einem mehrstufigen Konzept. Zur Vorbereitung des aktuellen Abbruchs stand seit Mai des vergangenen Jahres die Schadstoffsanierung im Fokus. Parallel wurde die Freigabefähigkeit des Sicherheitsbehälters – die im Reaktorgebäude befindliche Stahlkugel – und weiterer metallischer Strukturen nachgewiesen.
Hans Georg Willschütz, Fachbereichsleiter Rückbau in Stade, betont die überregionale Bedeutung: „Dies sei ein branchenweit anerkannter Meilenstein, der richtungsweisend für kommende Rückbauprojekte sein werde.“ Seit 2022 wurden dafür über 12.000 Quadratmeter Oberfläche untersucht, Hunderte Messreihen durchgeführt und mehr als 500 Proben ausgewertet.
Historischer Rückblick und zukünftige Perspektiven
Das Kernkraftwerk Stade hat eine bewegte Geschichte:
- Inbetriebnahme im Jahr 1972
- Abschaltung 2003 als eines der ersten deutschen Atomkraftwerke
- Rückbau seit 2005 nach mehrstufigem Konzept
- Verabschiedung mit Kunstprojekt in der Kuppel im vergangenen Jahr
- Geplante Entlassung aus atomrechtlicher Überwachung für Herbst 2027
Damit wird das Kernkraftwerk Stade der erste kommerziell genutzte Druckwasserreaktor Deutschlands sein, der vollständig zurückgebaut ist. Ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfallprodukte bleibt jedoch weiterhin bestehen.
Der erfolgreiche Abschluss dieses Projekts wird nicht nur für Stade, sondern für ganz Deutschland von symbolischer Bedeutung sein. Er zeigt, dass der Rückbau von Atomkraftwerken technisch machbar ist und könnte als Blaupause für weitere Stilllegungsprojekte dienen.



