Kerosinmangel droht: Merz beruft Nationalen Sicherheitsrat ein
Kerosinmangel: Merz beruft Sicherheitsrat ein

Drohende Treibstoffknappheit: Merz beruft Nationalen Sicherheitsrat wegen Kerosinmangels ein

Der Irankrieg gefährdet auch die Treibstoffversorgung in Deutschland. Nun reagiert Bundeskanzler Friedrich Merz – der Nationale Sicherheitsrat soll sich rasch mit dem Thema beschäftigen. Aus Hannover berichtet Gerald Traufetter am 19. April 2026.

Bei der Eröffnung der Hannover Messe hat Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU eine Reaktion der Bundesregierung auf den drohenden Mangel von Kerosin angekündigt. »Wir werden sehr zeitnah einen Nationalen Sicherheitsrat zu dem Thema Versorgungssicherheit einberufen«, sagte er in seiner Eröffnungsrede am Sonntagabend im Kongresszentrum von Hannover. Momentan gelte die Versorgung mit Kerosin als angespannt, aber sicher. »Wir sind auf Maßnahmen vorbereitet«, betonte Merz.

Forderung von Vizekanzler Klingbeil

Er reagiert damit auf eine Forderung von Vizekanzler Lars Klingbeil von der SPD. »Wir müssen die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nehmen«, hatte der SPD-Chef dem SPIEGEL gesagt. »Für mich ist klar: Wir sollten nicht nur das Preisproblem angehen, sondern müssen jederzeit auch die Versorgungssicherheit im Blick haben.« Diese Einlassung richtete der Vizekanzler an die Adresse der für Energie verantwortlichen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU.

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Die hatte in der Vergangenheit stets betont, dass Deutschland in Sachen Energie nur ein Preisproblem habe. Doch vergangene Woche hatte sich der Chef der Internationalen Energiebehörde IEA, Fatih Birol, mit einer ziemlich konkreten Warnung gemeldet. Europa, so der IEA-Chef, könnte schon in sechs Wochen wegen des Irankriegs Probleme bei der Versorgung mit Flugzeugtreibstoff bekommen.

Warnungen und Reaktionen

Finanzminister Klingbeil nahm diese Warnung bei seinem Besuch der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington auf. »Wir sind in einer Situation, die ähnlich herausfordernd ist wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine«, sagte der Vizekanzler dem SPIEGEL auf dem Rückflug. »Die Beratungen haben mir noch mal gezeigt, dass diese Krise größer und hartnäckiger ist, als viele glauben.« Auch dies war ein indirekter Seitenhieb auf den Koalitionspartner und deren Wirtschaftsministerin.

Reiche erklärte daraufhin, dass sie sich an diesem Montag mit den Spitzen der deutschen Luftfahrtindustrie treffen werde, um die Lage zu besprechen. »Wir werden gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium und mit der Branche am Montag erneut über die derzeitige Lage reden«, sagte sie dem SPIEGEL. »Das BMWE bewertet auch an den Wochenenden die Lage ständig und informiert innerhalb der Bundesregierung.« Derzeit sei die Kerosinversorgung am Standort Deutschland gesichert.

EU in der Pflicht

»Aber natürlich beobachten wir nachdrücklich die weltweiten Marktentwicklungen und eventuelle künftige Auswirkungen auf Deutschland und Europa«, sagte die Unionspolitikerin. Sie sieht dabei auch die EU in der Pflicht. »Die Kommission erarbeitet einen Plan, der sicherstellen soll, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten alle Flughäfen und Strecken in der EU im Blick hat.«

Das Thema Energiesicherheit drängt wegen der geschlossenen Schifffahrtsstraße von Hormus in der kommenden Woche erneut hoch auf die Tagesordnung. Der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung könnte am Mittwoch im Rahmen der regulären Kabinettssitzung tagen. Ein Regierungssprecher bestätigte dem SPIEGEL das genaue Datum bislang nicht.

Reserven und Vorbereitungen

Eine Rolle bei den Beratungen könnte insgesamt die Energieversorgung spielen. Laut Wirtschaftsministerin Reiche liege »der überwiegende Teil an Rohöl und Ölprodukten weiter als Reserve vor«. Man sei deshalb in der Lage, bei eventuell auftretenden Problemen nachzusteuern, sagte Reiche. »Der Erdölbevorratungsverband hat aktuell rund eine Million Tonnen an Kerosin gelagert. Rechnerisch sind selbst bei eventuellen kommenden Knappheiten etwa fünf Monate überbrückbar. Unser Ziel ist es, eine Freigabe mit Augenmaß und tatsächlichem Bedarf.«

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