Die PCK-Raffinerie in Schwedt steht vor neuen Herausforderungen. Russland hat die Durchleitung von kasachischem Rohöl durch die Druschba-Pipeline gestoppt. Dies gefährdet die Versorgung des Standorts, der bereits seit dem Importstopp für russisches Öl im Jahr 2022 umstrukturiert wurde.
Hintergrund der Öl-Lieferungen
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine verhängte die Bundesregierung ein Embargo auf Ölimporte aus Russland. Die PCK-Raffinerie musste daraufhin alternative Quellen erschließen. Kasachstan wurde zum wichtigen Lieferanten: Rund 200.000 Tonnen Öl pro Monat flossen über die Druschba-Pipeline nach Schwedt. Diese Pipeline verläuft jedoch durch russisches Territorium, was Moskau nun zum Hebel nutzt.
Mitteilung von Rosneft Deutschland
Am Mittwochmorgen informierte Rosneft Deutschland die Bundesnetzagentur als Treuhänderin. Laut einer Mitteilung an das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche hat das russische Energieministerium angeordnet, dass ab dem 1. Mai 2026 kein kasachisches Rohöl mehr durch die Druschba-Pipeline nach Schwedt geleitet werden darf. Rosneft Deutschland hält 54 Prozent der Anteile an der Raffinerie.
Eine Sprecherin des Ministeriums betonte jedoch, dass die russische Regierung diese Anordnung bisher nicht offiziell gegenüber der Bundesregierung bestätigt habe. Rosneft Deutschland prüfe derzeit die Auswirkungen und werde sich anpassen. „Rosneft Deutschland ist sich seiner Verantwortung für den Standort bewusst und wird seine Verpflichtungen einhalten. Gleichzeitig werden vorhandene Spielräume genutzt, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten“, so die Sprecherin.
Auswirkungen auf die Versorgung
Das Ausbleiben der kasachischen Lieferungen führe nicht zu einer Gefährdung der bundesweiten Versorgung mit Mineralölprodukten, erklärte das Ministerium. Allerdings müsse die PCK-Raffinerie mit einer geringeren Kapazitätsauslastung rechnen. Dies könnte zu Engpässen in der Region führen, insbesondere bei Treibstoffen und Heizöl.
Die Bundesnetzagentur behält die Lage im Blick. Bereits in der Vergangenheit hatte die Raffinerie mit Lieferausfällen zu kämpfen, etwa als Polen die Pipelinenutzung einschränkte. Damals halfen zusätzliche Lieferungen aus Kasachstan und anderen Ländern. Nun bleibt abzuwarten, ob neue Lieferverträge oder alternative Transportwege gefunden werden können.
Zukunft der PCK Schwedt
Die Raffinerie in Schwedt ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Sie versorgt weite Teile Ostdeutschlands mit Kraftstoffen und Heizöl. Die erneute Unsicherheit belastet die Mitarbeiter und die lokale Wirtschaft. Die Landesregierung von Brandenburg hat bereits Unterstützung zugesagt. Ob die Raffinerie langfristig auf kasachisches Öl verzichten kann, ist fraglich. Experten sehen die Notwendigkeit, die Unabhängigkeit von russischen Transitwegen zu erhöhen.



