Fahrgäste der Deutschen Bahn können sich in den nächsten zwölf Monaten auf stabile Preise im Fernverkehr freuen. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte in der „Bild am Sonntag“ an: „Vom 1. Mai an halten wir die Preise für ICE-Tickets ein Jahr lang stabil.“ Bereits im vergangenen Jahr war die übliche Fahrpreiserhöhung im Dezember ausgefallen. Damit bleiben die Ticketkosten bis mindestens 2027 unverändert.
Pro Bahn fordert Preissenkungen
Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht in der Ankündigung jedoch nur einen ersten Schritt. Der Ehrenvorsitzende Detlef Neuß sagte der „Rheinischen Post“: „Die Bahn muss die Preise senken. Zumindest für einen bestimmten Zeitraum.“ Angesichts häufiger Verspätungen und Zugausfälle sei die bloße Aussage, die Preise nicht zu erhöhen, unzureichend. Zudem würden die Tickets im Fernverkehr je nach Strecke und Auslastung teurer, betonte Neuß: „Wir haben da keine Fixpreise. Inwieweit sich darauf der Verzicht auf eine Preiserhöhung auswirken wird, bleibt offen.“
Politik begrüßt stabile Preise
Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, Tarek Al-Wazir (Grüne), zeigte sich dagegen erfreut. Gegenüber der „Rheinischen Post“ erklärte er: „Stabile Preise machen Bahnfahren gerade jetzt attraktiv, weil aufgrund der gestiegenen Sprit- und Kerosinpreise Autofahren und Fliegen teurer wird.“ Die Bahn bleibe so eine günstige und klimafreundliche Alternative für alle.
Bahn kämpft mit Verspätungen
Die Deutsche Bahn steht wegen zahlreicher Zugverspätungen immer wieder in der Kritik. Vor einem halben Jahr kündigte Palla einen Neustart bei dem Staatskonzern an. „Neustart bei der Deutschen Bahn heißt mehr Verantwortung übernehmen und neue Prioritäten setzen“, sagte die Vorstandschefin. „Oberste Priorität hat jetzt: Fahren, Fahren, Fahren und dafür sorgen, dass die Menschen in Deutschland sich das Reisen weiter leisten können.“
Letzte Preiserhöhung vor eineinhalb Jahren
In den vergangenen Jahren hatte die Bahn ihre Preise im Fernverkehr regelmäßig zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember angehoben. Als Grund nannte sie steigende Personal- und Energiekosten. Zuletzt wurden die sogenannten Flexpreise Ende 2024 um durchschnittlich 5,9 Prozent erhöht. Den Fernverkehr mit ICE, Intercity und Eurocity betreibt die Bahn auf eigene Rechnung. Die Preise für Fahrten in Regionalzügen werden dagegen meist von den Verkehrsverbünden festgelegt, die zum Jahreswechsel viele Tarife deutlich anhoben. Auch das bundesweit gültige Deutschlandticket für den Nah- und Regionalverkehr wurde teurer.



