Bankenwettbewerb eskaliert: Trade Republic unter Druck durch neue Apps und hohe Zinsen
Im deutschen Bankensektor ist ein intensiver Wettstreit um Sparer entbrannt. Neue Apps und attraktive Zinssätze von Digitalbanken sowie etablierten Finanzinstituten setzen selbst den bisherigen Marktführer Trade Republic zunehmend unter Druck. Für Verbraucher bedeutet dies eine breitere Palette an Optionen, aber auch die Notwendigkeit, Angebote genau zu prüfen.
Digitalisierung revolutioniert das Banking
Noch vor einem Jahrzehnt war der Gang zur Bankfiliale für Überweisungen, Sparbuchaktualisierungen oder Beratungsgespräche üblich. Heute hat sich der Kontakt zur Bank weitgehend digitalisiert. Laut einer Studie der Postbank nutzen die meisten Verbraucher eine Banking-App auf dem Smartphone (39 Prozent) oder Online-Banking am PC (33 Prozent). Der traditionelle Bankschalter ist damit in die Hosentasche gewandert.
Zu dieser Entwicklung haben sogenannte Neobanken beigetragen, die sich von Anfang an auf Smartphone-Banking spezialisiert haben. Dazu zählen Unternehmen wie N26, Scalable Capital, Trade Republic und die C24 Bank. Zudem gewinnt der britische Herausforderer Revolut zunehmend an Bedeutung in Deutschland. In jüngster Zeit hat jedoch insbesondere Trade Republic für Aufsehen gesorgt.
Trade Republic: Vom Jäger zum Gejagten
Der Berliner Online-Broker Trade Republic ist mit niedrigen Gebühren für Aktienhandel, hohen Tagesgeldzinsen und kostenfreien Sparplänen für Indexfonds (ETFs) zu einer ernsthaften Konkurrenz für etablierte Banken geworden. Ende 2025 stieg das Unternehmen mit einer Bewertung von 12,5 Milliarden Euro zum wertvollsten deutschen Start-up auf. Die Firma, die besonders bei jungen Menschen beliebt ist, wächst rasant: Innerhalb von 18 Monaten konnte die Kundenzahl auf über zehn Millionen verdoppelt werden, wie Mitgründer Christian Hecker im Dezember mitteilte.
Dieser Erfolg alarmiert andere Banken. Die Sparkassen reagieren, wenn auch verspätet, und ermöglichen ab Mitte des Jahres mit „S-Neo“ den Handel von mehr als 21.000 Wertpapieren direkt in ihrer App. Zunächst soll dieses digitale Wertpapierangebot den 19,8 Millionen Nutzern der Sparkassen-App zur Verfügung stehen.
Auch Comdirect wirbt mit einem neuen Trading-Angebot um junge Kunden. „Damit wir vom Wachstum im jungen Kundensegment stärker profitieren, haben wir ein preiswerteres und schlankeres Angebot entwickelt“, erklärte Comdirect-Chefin Sabine Schoon-Renné dem „Handelsblatt“. Im „Pure Depot“ kostet ein Trade einen Euro – genau wie bei Trade Republic.
Zinskampf und internationale Konkurrenz
Im umkämpften deutschen Bankenmarkt ringen Geldhäuser mit aggressiven Konditionen um Sparer, in der Hoffnung, diese als Basis für weitere lukrative Geschäfte zu gewinnen. So erhöhte die Münchner Finanzplattform Scalable Capital kürzlich die Tagesgeldzinsen für Bestands- und Neukunden auf 2,5 Prozent und überholte damit den Rivalen Trade Republic. Dieser wirbt damit, den Einlagenzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) stets an Kunden weiterzugeben – aktuell sind das 2,0 Prozent. „Zinsen sind das deutlichste Bekenntnis einer Bank an ihre Kunden“, betonte Erik Podzuweit, Gründer von Scalable Capital.
Zudem drängen ausländische Banken in den deutschen Markt. Die spanische BBVA lockt Sparer mit befristeten drei Prozent Zinsen aufs Girokonto, und die US-Großbank J.P. Morgan will mit ihrer Digitalbank „Chase“ Privatkunden in Deutschland gewinnen. Der Markteintritt des Wall-Street-Riesen von einem neuen Büro in Berlin aus wird in der hiesigen Bankenwelt gespannt beobachtet.
Steigende Zinsen und regulatorische Herausforderungen
Der Geldratgeber Finanztip beobachtet bei Tagesgeld steigende Aktionszinsen für Neukunden. „Banken nutzen die aktuelle Phase, um sich mit befristeten Angeboten neue Einlagen zu sichern.“ Grund hierfür sei, dass Banken angesichts der Inflationsgefahr durch den Iran-Krieg immer weniger an Zinssenkungen der EZB glauben.
Laut dem Vergleichsportal Verivox nimmt der Konkurrenzkampf der Banken weiter Fahrt auf. Zuletzt boten 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins von mindestens drei Prozent an – mehr, als Sparer bei Banken selbst für jahrelange Festgelder erhalten. Allerdings sind diese hohen Zinsen oft nur für wenige Monate gültig, bevor sie wieder deutlich sinken.
Europas führende Digitalbank Revolut hat es ebenfalls auf Deutschland abgesehen. 2025 verzeichnete Revolut mit über 800.000 neuen Kunden das stärkste Jahr seit dem Markteintritt und hat inzwischen rund drei Millionen Kunden. „Ziel ist es, mittelfristig die Größenordnung der führenden Direktbanken zu erreichen“, kündigte Revolut an. Damit wäre die ING mit etwa zehn Millionen Privatkunden gemeint.
EU-Verbot von PFOF als Wendepunkt
Welche Neobank langfristig die Nase vorn haben wird, hängt auch davon ab, wie gut sie mit dem bevorstehenden EU-weiten Verbot des Geschäftsmodells PFOF (Payment for Order Flow) zurechtkommt. Dabei leitet ein Broker Aktienbestellungen nicht an eine große öffentliche Börse, sondern an einen speziellen Partner wie Lang & Schwarz oder die Baader Bank, der eine kleine Provision zahlt. Für Endkunden kann dies zu leicht schlechteren Aktienkursen führen, während Gebühren minimal bleiben.
Die EU sieht in diesem Modell einen Interessenkonflikt, da Broker Orders möglicherweise nicht dorthin schicken, wo der beste Preis erzielt wird, sondern wo die höchste Provision winkt. Das Verbot von PFOF tritt nach einer Übergangsfrist ab 1. Juli in Deutschland in Kraft. Broker dürfen dann keine Provisionen mehr für die Weiterleitung von Kundenorders erhalten, was zu höheren Gebühren bei Aktienaufträgen führen könnte. Für Digitalbanken brechen damit neue Zeiten an, in denen sie sich auf erhebliche Umwälzungen einstellen müssen.



