Postschalter schließt früher in Rostock: Ältere Kundin verzweifelt an Personalmangel
Ein Aprilnachmittag in Rostock, 16.31 Uhr. Im K-Kiosk im Südstadt-Center spielen sich erschütternde Szenen ab. Eine ältere Frau auf Krücken steht in der Schlange vor dem Post-Schalter des Zeitschriften-Kiosks. Als sie endlich dran kommt, teilt ihr der junge Mann am Schalter mit, dass sie zu spät sei: „Wir sind unterbesetzt.“ Der Postservice sei deshalb schon ab 16.30 Uhr geschlossen, obwohl auf dem Eingangsschild 17 Uhr als Schließzeit angegeben ist. Schwer atmend und enttäuscht zieht die Frau mit jüngerer Begleiterin wieder ab.
Kunden sind irritiert und enttäuscht
„Das geht hier täglich so“, sagt die gehbehinderte Dame. Und: „Wenn man pünktlich kommt, steht man mindestens eine halbe Stunde in der Schlange.“ Zwei Pakete wollte sie abgeben. Retourenware innerhalb Deutschlands. Früher kommen konnte sie nicht, weil sie berufstätig sei. Die Straßenbahn-Entfernung zu ihrer Wohnung beträgt vier Stationen.
Kein Einzelfall. Auch andere Post-Kunden an diesem Nachmittag ziehen enttäuscht wieder ab, während der Zeitschriften- und Zigaretten-Bereich des Kiosks völlig leer bleibt. Alles tummelt sich vor dem Schalter des jungen Mannes, der sichtlich überfordert ist. „Ein Scheißladen, ein Scheißladen ist das“, ruft ein älterer Mann in Jeans, der ebenfalls unverrichteter Dinge vom Mann am Schalter abgewiesen wurde.
Der Leiter kennt das Problem
Der Leiter des Kiosks, Matthias Fahr, ist sich des Problems bewusst. „Wir haben einfach zu wenig Personal. Manche Leute, die wir anstellen, sagen nach einem Tag ‚Das ist doch nichts für mich'. Dann hat man natürlich ein Problem.“ Tatsächlich steht am Eingang des K-Kiosk, der zum Schweizer Valora Konzern gehört, ein Schild mit der Aufschrift: „Komm in unser Team! Wir suchen Verkäufer und Filialleiter (m/w/d) in Vollzeit, Teilzeit oder als Aushilfe.“
Geschlossen oder geöffnet? Bei den Partnerfilialen der Post in Rostock ähnelt der Service einem Roulette-Spiel. Vielleicht kommt man dran, vielleicht auch nicht.
Klassische Postfilialen gehören nicht zur Strategie
Doch der Erhalt klassischer Postfilialen gehört schon lange nicht mehr zur Strategie der Deutschen Post. „Sie rentieren sich nicht“, macht Post-Sprecher Jens-Uwe Hogardt klar. Anfang des Jahres erst schloss die zentrale Poststelle am Neuen Markt. Hogardt ist stolz darauf, dass in Mecklenburg-Vorpommern wie auch bundesweit das Partnerfilial- und Automatennetz ausgebaut wird. Mit den rund 12.700 Partnerfilialen, die es nach 30 Jahren mittlerweile gibt, sind Filialen wie der K-Kiosk im Südstadt-Center gemeint. Oder Blumenläden, Tierarztpraxen und Tankstellen.
Natürlich gebe es für Partnerfilialen gute und schlechte Beispiele, räumt Hogardt ein. Was die Kompetenz der Mitarbeiter dieser Partnerfilialen betrifft, verweist er auf ein Computersystem, das Mitarbeiter bei Abläufen unterstütze, etwa bei seltenen Vorgängen wie Auslands-Paketen mit Zollerklärung. Außerdem erhielten Partnerfilialen mehrtägige Schulungen und Zugang zu Online-Lehrgängen.
Der Postsprecher gibt aber zu, dass der Fokus dieser Partner im jeweiligen Hauptgeschäft liege, das den Post- und Paket-Service überhaupt erst möglich macht. In Rostock gibt es laut Post 45 Filialen unterschiedlicher Formate.
Automatisierung und Barrieren
Heißt dies, dass das System der Partnerfilialen nur eine Übergangslösung ist? Bis zur schönen neuen Automatenwelt? „Stationäre Angebote bleiben trotz Automatisierung nötig“, betont Hogardt – auch wegen der Bevölkerungsstruktur und Kundenerwartungen. Was nicht ausschließe, dass das „Automatennetz“ weiter ausgebaut wird. Es soll in den kommenden fünf Jahren auf 30.000 verdoppelt werden. Grenzen setze jedoch das Baurecht: „In Innenstädten können Automaten in der Regel nicht im öffentlichen Raum aufgestellt werden, sondern nur auf Privatflächen wie bei Supermärkten oder Tankstellen.“
Für die ältere, gehbehinderte Dame und andere Zick-Zack-Kunden der Post in Rostock ist das keine so gute Nachricht. Die Situation zeigt, wie schwierig der Übergang von klassischen Postfilialen zu modernen Dienstleistungsmodellen für bestimmte Bevölkerungsgruppen sein kann.



