Berlin verstärkt den Kampf gegen überhöhte Mieten und sucht dafür speziell ausgebildete Mitarbeiter, die als sogenannte Miethai-Jäger gegen Mietwucher vorgehen sollen. Die Hauptstadt hat ein massives Problem mit überteuerten Mietangeboten: Laut einer Untersuchung des Deutschen Mieterbundes (DMB) verstoßen 46 Prozent der Bestandsangebote gegen die gesetzliche Mietpreisbremse. Rund ein Drittel aller Inserate überschreitet sogar die Grenze zum Mietwucher, also eine Überschreitung von mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete.
Hintergrund: Anzeigenflut und offene Verfahren
Mieter können überhöhte Mieten bei den Bezirksämtern anzeigen. Seit April 2024 werden diese Anzeigen digital erfasst. Bis Ende März 2026 sind insgesamt 4336 Anzeigen bei den Berliner Wohnungsämtern eingegangen. Davon mussten 2400 Verfahren eingestellt werden, häufig weil Mieter auf Nachfragen nicht reagierten. Noch 1936 Verfahren sind nicht abschließend bearbeitet – genau hier kommen die neuen Miethai-Jäger ins Spiel. Sie sollen die offenen Anzeigen prüfen, die reguläre Miethöhe berechnen und Bußgeldbescheide erlassen.
Die Aufgaben der Miethai-Jäger
Die neuen Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung haben vielfältige Aufgaben. Sie müssen nicht nur Akten wälzen, sondern auch Zeugen befragen und Außendiensteinsätze durchführen. Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung, erklärt: „Außendienste sind nötig, um die Wohnfläche zu ermitteln oder Wohnwertmerkmale zu prüfen.“ Die Arbeit ähnelt teilweise polizeilichen Ermittlungen, denn es geht darum, Beweise für überhöhte Mieten zu sammeln.
Anforderungen an die Bewerber
Gesucht werden Personen mit einem abgeschlossenen Studium in Verwaltung oder Recht. Sie sollten konsequent gegen Vermieter vorgehen wollen, die unzulässig hohe Mieten verlangen. Gute Kenntnisse im Mietrecht, Wirtschaftsrecht und Ordnungswidrigkeitenrecht sind unerlässlich. Zudem müssen die Bewerber belastbar, kommunikativ und in der Lage sein, auch unter schwierigen Bedingungen engagiert und strukturiert zu arbeiten. Seit dem Jahreswechsel 2025/2026 sind bereits 12 Personen auf Probe im Einsatz, die die Arbeit in den Bezirken unterstützen. Seit Januar 2026 schreibt die Senatsverwaltung weitere 19 Stellen aus, zuletzt am 16. April 2026. Allerdings gingen in den ersten fünf Tagen nur zwölf Bewerbungen auf die aktuell ausgeschriebene Stelle ein, so Pallgen.
Erste Erfolge gegen Mietwucher
Trotz der schwierigen Personalsituation gibt es bereits erste Erfolge: Bisher wurden vier Bußgeldbescheide erlassen, alle durch den Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Zudem gibt es in dem Bezirk ein erfolgreiches Urteil. Ein weiterer Fall liegt noch beim Amtsgericht. Da die Bußgelder noch nicht gezahlt wurden, gelten die Fälle in der Statistik noch nicht als abgeschlossen. Die Stadt hofft, mit den neuen Miethai-Jägern den Kampf gegen Mietwucher weiter zu intensivieren und mehr Vermieter zur Rechenschaft zu ziehen.



