Iran-Konflikt treibt Hypothekenzinsen und Baukosten in die Höhe - Doppelte Belastung für Bauherren
Iran-Konflikt treibt Hypothekenzinsen und Baukosten hoch

Iran-Konflikt treibt Hypothekenzinsen und Baukosten in die Höhe

Wer aktuell ein Haus bauen oder eine Immobilie kaufen möchte, steht vor einer doppelten finanziellen Herausforderung. Der anhaltende Iran-Konflikt wirkt sich nicht nur auf die Energiepreise aus, sondern treibt sowohl die Hypothekenzinsen als auch die Baukosten in beunruhigende Höhen. Diese Entwicklung stellt Bauherren vor eine schwierige Situation, da sich sowohl die Finanzierung als auch die eigentlichen Bauarbeiten deutlich verteuern.

Steigende Zinsen belasten Baufinanzierungen

Die Inflation in Deutschland ist im März bereits sprunghaft von 1,9 auf 2,7 Prozent angestiegen, was unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzmärkte hat. Bauzinsen, die sich an den zehnjährigen Bundesanleihen orientieren, sind in jüngster Zeit bereits leicht gestiegen. Falls die Europäische Zentralbank (EZB) im Frühsommer den Leitzins erhöht – wie von einigen Experten befürchtet – wird sich dieser Trend für Hypotheken weiter verschärfen.

Michael Gresens von der Kreissparkasse Ravensburg vergleicht die aktuelle Situation fatal mit dem Anfang des Ukraine-Kriegs 2022. Nach dem russischen Angriff sei der Leitzins der EZB nach über zehn Jahren Nullzinsphase auf vier Prozent hochgeschossen. Zwar orientieren sich Bauzinsen primär an langfristigen Kapitalmarktzinsen, doch Leitzinserhöhungen wirken sich dennoch auf Hypothekenzinsen aus, sofern die Zinskurve nicht invertiert ist.

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Für klassische Baufinanzierungen mit guter Bonität und zehn Jahren Laufzeit nennt Gresens aktuell Zinssätze von 3,7 bis 3,75 Prozent. Bei fünf Jahren Laufzeit liegen die Zinsen bei etwa 3,4 Prozent. Wenn die Immobilie nicht vollständig dinglich abgesichert ist, verlangt die Kreissparkasse Ravensburg aktuell eher 4,1 Prozent auf zehn Jahre.

Bundesweite Entwicklung und regionale Besonderheiten

Bundesweit passt diese Entwicklung ins Bild. Laut dem Internetportal „Dr. Klein“ liegen zehnjährige Bauzinsen derzeit bei mindestens 3,75 Prozent, in der Region Oberschwaben sogar höher. Auch die Volksbank Bodensee-Oberschwaben beobachtet bereits seit Anfang Februar einen weiteren Anstieg der Hypothekenzinsen um rund 0,2 Prozentpunkte.

Harald Moldt, Bereichsleiter für Immobilienfinanzierung, verweist auf starke Schwankungen infolge der internationalen Konflikte. Eine baldige Zinserhöhung der EZB hält er derzeit zwar nicht für ausgemacht. Sollte sich der Preisdruck jedoch verfestigen, seien auch mittelfristig weitere Belastungen nicht ausgeschlossen.

Problematische Anschlussfinanzierungen

Ein besonderes Problem betrifft Kunden, die nun aus der Niedrigzinsphase in die Anschlussfinanzierung kommen. „Wir haben eigentlich jetzt zum ersten Mal seit über zehn Jahren die Situation, dass Baufinanzierungskunden, die in einer extremen Niedrigzinsphase die Finanzierung abgeschlossen haben, in eine Prolongationsphase kommen, wo es teurer wird“, erklärt Gresens.

Die Kreissparkasse Ravensburg rät ihren Kunden deshalb, sich frühzeitig mit der Verlängerung ihrer Darlehen zu befassen. Das Institut spricht gezielt Kunden an, deren Zinsbindung in den nächsten zwei bis drei Jahren ausläuft. Der Rat ist klar: Wer nicht erst auf den letzten Drücker handeln wolle, könne sich das aktuelle Niveau über eine Forward-Vereinbarung sichern.

Steigende Baukosten belasten das Handwerk

Parallel zu den steigenden Zinsen verteuert sich auch das Bauen selbst. Franz Moosherr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ravensburg, berichtet, dass die erwartete Belebung im Frühjahr bislang ausgeblieben sei. Viele Betriebe hätten zwar zahlreiche Angebote erstellt, beobachteten aber eine große Zurückhaltung bei den Kunden.

Für die Betriebe ist diese Situation besonders unerquicklich, weil steigende Kosten bereits jetzt auflaufen. Vor allem höhere Energiepreise drücken auf die Erträge laufender Aufträge, da diese Mehrkosten in bestehenden Verträgen oft noch gar nicht berücksichtigt sind. Aus dem Schreinerhandwerk werde bereits mit Preissteigerungen von mindestens zehn Prozent gerechnet.

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Expertenrat: Schnell zum Abschluss kommen

Angesichts dieser doppelten Belastung raten Experten Bauwilligen zu schnellen Entscheidungen. „Unser Plädoyer ist, dort, wo eine gute Immobilie mit guter Substanz da ist, auch schnell zum Abschluss zu kommen“, empfiehlt Gresens. Auch Moosherr kommt zu einem ähnlichen Schluss: Bauwillige sollten besser zügig zum Vertragsabschluss kommen, denn es werde nicht billiger.

Die Kombination aus steigenden Finanzierungs- und Materialkosten stellt Bauherren vor erhebliche Herausforderungen. Sollte die EZB den Zins bis Jahresende wegen der stark steigenden Inflation dreimal um 0,25 Prozentpunkte erhöhen, sei die Fünf vor dem Komma bei den Bauzinsen nicht mehr weit, befürchtet Gresens. Entscheidend sei dabei, ob der aktuelle Energiepreisschock nur kurz anhalte oder sich festsetze.