Leere Büros in München: Zwei Unternehmer planen günstige Studenten-WGs
Leere Büros in München: Zwei planen günstige Studenten-WGs

In München stehen rund 1,8 Millionen Quadratmeter Büroflächen leer. Der Umbau zu Wohnungen ist oft teuer und aufwendig. Zwei Münchner haben einen Plan entwickelt, wie sie in leere Büros günstig Studenten-WGs einbauen können. Die AZ hat sich ihren Showroom angeschaut.

Die Idee der „Mega-WG“

Gregor Wöltje und Roman Diehl wollen mit ihrem Unternehmen „Bricks And Stories“ aus leeren Büros Studenten-WGs machen. In einem Plastikkorb trägt Gregor Wöltje eine Schüssel, ein Päckchen Reis, eine Dose Tomaten, Gläser und Besteck in die Küche. Dort nimmt er eine Elektro-Kochplatte aus einem Regal, in dem auch vier Mikrowellen stehen. Wöltje beginnt jetzt nicht, etwas zusammenzurühren. Er will nur zeigen, wie es theoretisch ablaufen könnte, wäre er kein Architekt Mitte 60, sondern Student mit einem Zimmer in einer „Mega-WG“.

Das ist der Arbeitstitel eines Projekts, das Wöltje mit seinem Geschäftspartner Roman Diehl vorantreiben will. Offiziell heißt es inzwischen „Take over“. Passend dazu, worum es geht: leer stehende Bürogebäude zu übernehmen und möglichst günstig in Wohngemeinschaften für Studenten umzuwandeln. Nicht mal 600 Euro soll ein Zimmer am Ende kosten. Das Potenzial ist groß: In München sind rund 1,87 Millionen Quadratmeter Bürofläche ungenutzt. Das ist eine Fläche 4,5 Mal so groß wie die Theresienwiese. Gleichzeitig kosten WGs in München rund 800 Euro pro Monat – so viel wie in keiner anderen deutschen Stadt.

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Showroom in ehemaligem Postgebäude

Um zu zeigen, wie die Umwandlung gehen kann, haben Wöltje und Diehl in einem ehemaligen Bürogebäude der Post an der Arnulfstraße einen Showroom eingerichtet – mit Zimmer, Waschraum, Küche. Auch einen Gemeinschaftsraum haben sie aufgebaut: Sitzsäcke, Tischtennisplatte, großer Tisch. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie hier Studenten miteinander essen, trinken, ratschen und feiern. Weil es nicht nur so aussieht wie in einem Studentenwohnheim. Es riecht auch so. Ein Stockwerk tiefer ist eine Firma für medizinisches Cannabis, erzählt Wöltje.

Warum Büros selten in Wohnungen umgebaut werden

Der Architekt weiß, warum Büros heute selten in Wohnungen umgebaut werden: Weil es aufwendig ist – zumindest normalerweise. Ein Büro hat in der Regel pro Stockwerk nur an einer Stelle Sanitäranlagen. Will man mehrere Wohnungen unterbringen, müsste man neue Wasseranschlüsse und Leitungen verlegen. Das macht das Ganze teuer. In einer „Mega-WG“ hingegen teilen sich die Studenten einen Waschbereich, der immer dort sein soll, wo auch schon das Büro seine Toiletten hatte. „Das spart enorm viel Geld“, sagt Wöltje.

Sein Ziel ist, die Zimmer so günstig wie möglich anzubieten. Er wirbt mit dem Preis von 595 Euro warm. Internet und das Reinigungspersonal für die Bäder und die Gemeinschaftsflächen sind da schon eingerechnet. Möbel müssen die Studenten keine mitbringen. In jedem Zimmer wird ein 1,20 Meter großes Bett stehen, ein Schreibtisch mit Stuhl, ein offener Schrank. Alle Möbel sind aus Holz. Es gibt einen Kühlschrank. „Damit es keinen Streit darum gibt, wer wessen Joghurt aufgegessen hat“, sagt Diehl. An einer Gitterwand können die Studenten Poster oder auch ihre Jacken aufhängen.

Industrieller Look als Stilmittel

„Dass es mal ein Büro war, wird man trotzdem merken“, sagt Wöltje. Denn er will gar nicht den perfekten Umbau. Auf alte Steckerleisten sind Platten geschraubt, Löcher sind nicht zugespachtelt, der Boden ist nicht geglättet. Das spart alles Kosten – und sieht gleichzeitig cool, industriell aus.

Gespräche mit Investoren und Behörden

Momentan führen Wöltje und Diehl Gespräche mit Investoren. Denkbar sei, dass diese leerstehende Büros kaufen, nach diesen Plänen umbauen und Wöltje und Diehl dann das Studentenwohnheim betreiben. „Wir reden aber auch mit Bestandshaltern“, sagt Diehl. Zum Beispiel mit den Eigentümern der verwaisten „Ten Towers“ am Ostbahnhof.

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10.000 Wohnungen können in leeren Büros entstehen

Dass ein Büro-Umbau am Ende an Auflagen der Münchner Behörden scheitert, damit rechnet Wöltje nicht. Denn auch der zukünftige OB Dominik Krause (Grüne) hat sich seinen Showroom schon angeschaut – und war begeistert. Krause hat angekündigt, gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Agentur beim Planungsreferat aufzubauen, die sich um die Umwandlung von Büros in Wohnungen kümmert. „In ihr sitzen Fachleute aus der Verwaltung, die Expertise aus Bauwirtschaft und Wissenschaft einholen“, sagt Krause. Das Potenzial liege bei rund 10.000 Wohnungen, die auf Büroflächen geschaffen werden könnten. Und wohl bei noch mehr WG-Zimmern.