Bremer Forscher entwickeln Flügel für die klimaverträgliche Luftfahrt
In Bremen arbeiten Wissenschaftler intensiv an der Zukunft des Fliegens. Mit einem neuartigen Prüfstand testen sie spezielle Flügelkonstruktionen, die den Treibstoffverbrauch deutlich reduzieren und so zu klimaverträglicheren Flugzeugen beitragen sollen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat diesen innovativen Versuchsstand nun in Betrieb genommen, um die Entwicklung emissionsarmer Flugzeuge voranzutreiben.
Das Projekt WISDOM: Mehr als zehn Millionen Euro Förderung
Das Forschungsvorhaben mit dem Namen „WISDOM“ wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit einer Summe von mehr als zehn Millionen Euro finanziert. Seit bereits vier Jahren tüfteln Experten verschiedener DLR-Institute an diesem komplexen System. Der jetzt in Betrieb genommene Prüfstand ermöglicht es den Forschern, bis zu drei Steuerflächen gleichzeitig zu untersuchen und so die Reaktionen der Tragflächen unter verschiedenen Bedingungen präzise zu analysieren.
Innovative Flügeldesigns: Schlank, hochgestreckt und elastisch
Die von den DLR-Entwicklern konzipierten Flügel unterscheiden sich grundlegend von herkömmlichen Konstruktionen. Sie sind hochgestreckt und schlanker als bei aktuellen Flugzeugmodellen, was den Luftwiderstand verringert und dadurch Treibstoff einspart. Kristof Risse von der DLR-Programmdirektion Luftfahrt erklärt: „Diese Form reduziert den Widerstand erheblich, bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich.“ Die Flügel sind elastischer als üblich, weshalb intelligente Steuerflächen benötigt werden, um die Belastungen durch Manöver und Böen abzufangen.
Der Prüfstand: Sieben Meter Technologie für sichere Tests
Mitten in einer großen Werkshalle steht der sieben Meter lange Prüfstand, vor dem die Forscher an vier Monitoren arbeiten. René Hollmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DLR-Institut für Flugsystemtechnik, beschreibt den Ablauf: „Mit einem einfachen Mausklick starten wir die Simulation des gesamten Flugzeugs im Flug.“ Auf den Bildschirmen werden Flugzustände visualisiert, während gleichzeitig zahlreiche Messdaten eingehen. Die Wissenschaftler simulieren dabei gezielt Situationen wie Böen oder das Flattern der Flügelspitzen.
Die Besonderheit des Prüfstands liegt in seiner Fähigkeit, Lasten auf den Flügeln zu platzieren und deren Verformung millimetergenau zu messen. Ein spezieller Rechner berechnet die optimale Position dieser Lasten und kann sie innerhalb von Millisekunden neu ausrichten. Andreas Bierig vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik in Braunschweig betont: „Niemand wird akzeptieren, dass emissionsarmes Fliegen unsicherer wird. Dieser Prüfstand ist essenziell, um die neuen Stellsysteme intensiv zu erforschen und weiterzuentwickeln.“
Ziel: Bis zu 50 Prozent weniger Emissionen
Wann die neuen Flügel mit ihren intelligenten Steuerflächen tatsächlich in der kommerziellen Luftfahrt zum Einsatz kommen, ist noch nicht abschließend geklärt. Die DLR-Forscher hoffen jedoch, dass erste Elemente bereits bei der nächsten Generation der Airbus A320-Familie integriert werden könnten. Markus Fischer, Bereichsvorstand Luftfahrt des DLR, sieht großes Potenzial: „Die neuen Flügel sind eine wichtige Komponente für klimaverträgliches Fliegen – neben anderen Maßnahmen wie Wasserstoff als Treibstoff und der Weiterentwicklung von Triebwerken.“ Bis zur übernächsten Flugzeuggeneration könnten so bis zu 50 Prozent der Emissionen eingespart werden.
Die Bremer Forschung leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Transformation der Luftfahrtindustrie. Durch die Kombination aus innovativen Flügeldesigns, intelligenten Steuerungssystemen und umfassenden Tests entstehen die Grundlagen für eine nachhaltigere Zukunft des Fliegens.



