Hannover Messe: IG-Metall-Chefin mahnt zu mehr Optimismus und Zusammenarbeit
Auf der Hannover Messe hat die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner eindringlich dazu aufgerufen, sich stärker auf Deutschlands Stärken zu konzentrieren anstatt ständig über Schwächen zu klagen. In einer Podiumsdiskussion ihrer Gewerkschaft betonte sie, dass Jammern den Beschäftigten nicht weiterhelfe. "Was unsere Beschäftigten nicht gebrauchen können, ist ein Jammern", sagte Benner. "Weil ich finde schon, dass wir hier an diesem Standort eine Menge Stärken haben." Sie räumte zwar ein, dass viele Unternehmen derzeit in einer schwierigen Lage seien, forderte aber von Politik und Wirtschaft, Führung zu übernehmen und Wege aufzuzeigen, wie es wieder vorwärtsgehen könne.
Politiker und Experten unterstützen den Appell
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) pflichtete Benner bei und unterstrich, dass Investitionen in Deutschland nur aus Überzeugung für den Standort erfolgen würden, nicht aus Mitleid. "Deutschland sei weiter gut in Wissenschaft und Forschung, da müssen wir uns auch gar nicht verstecken", sagte Lies. Allerdings gebe es Nachholbedarf bei der praktischen Anwendung dieser Stärken. Er forderte, aufzuhören, immer nur zu betonen, was nicht funktioniere, und sich stattdessen darauf zu besinnen, was möglich sei. "Wir sind ein erfolgreiches Industrieland, wir waren ein erfolgreiches Industrieland" – und das solle auch so bleiben, so Lies.
Kritik an rückwärtsgewandter Haltung
Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), kritisierte, Deutschland sei "Weltmeister im Zurückgucken und uns beschweren, wie schön das bundesrepublikanische Industrie- und Sozialmodell war". Statt sich der Vergangenheit zuzuwenden, müsse man nach vorne schauen und Wachstumschancen in Europa nutzen, die derzeit oft vernachlässigt würden. Arndt Kirchhoff, Vizepräsident von Gesamtmetall, betonte, dass Deutschland in vielen Branchen nach wie vor führend sei und die Infrastruktur besser sei als oft beklagt. "Das Fundament ist da", sagte Kirchhoff. "Wir müssen wirklich ins Machen kommen."
Die Diskussion auf der Hannover Messe verdeutlichte somit einen breiten Konsens unter Gewerkschaften, Politik und Wirtschaft: Statt in Defätismus zu verfallen, sollten Deutschlands Stärken aktiv genutzt und durch gemeinsame Anstrengungen der Standort nach vorne gebracht werden. Dies erfordere eine konstruktive Zusammenarbeit und den Mut, innovative Wege zu beschreiten.



