Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat überraschend entschieden, seine Stahlsparte vorerst doch nicht an den indischen Wettbewerber Jindal Steel zu verkaufen. Die seit September 2025 laufenden Gespräche wurden nach einer gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen auf Eis gelegt. Stattdessen will Thyssenkrupp die Neuaufstellung des Stahlsegments aus eigener Kraft vorantreiben, um den Bereich erfolgreich und profitabel zu machen. Mittelfristig bleibt jedoch eine Trennung vom Stahlgeschäft das Ziel.
Gründe für den Abbruch der Verhandlungen
Als Hauptgründe für den Stopp der Gespräche nannte Thyssenkrupp die verbesserten Rahmenbedingungen für Stahlhersteller in Europa sowie die Fortschritte bei der Sanierung der eigenen Stahlsparte. In einer Mitteilung vom Samstag hieß es: „Die Europäische Union hat die große Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten erkannt und den Willen bekundet, die europäische Stahlindustrie besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping zu schützen.“ Zudem wolle die EU die Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion weiter stärken.
López: „Stahl ist Zukunft“
Thyssenkrupp-Chef Miguel López betonte in einem Statement: „Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft.“ Nach Einigungen mit dem Unternehmen, den Tarifpartnern und der Politik in Deutschland und Europa seien die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr. López hatte bereits in einem SPIEGEL-Gespräch klargestellt, dass er die Stahlsparte nicht „verramschen“ werde.
Weitere Pläne für die Stahlsparte
Mittelfristig strebt Thyssenkrupp eine Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe an, möglicherweise mit einer Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG. Jindal Steel sei während der gesamten Gespräche ein konstruktiver und engagierter Partner gewesen, doch habe man gemeinsam beschlossen, die Verhandlungen vorerst auszusetzen.
Die Gespräche zwischen Thyssenkrupp und Jindal Steel waren Mitte September 2025 bekannt geworden. Der familiengeführte indische Konzern hatte ein unverbindliches Angebot für die Stahlsparte abgegeben, das auf eine mehrheitliche Übernahme abzielte, wie Vorstandsmitglied Volkmar Dinstuhl bei der Vorlage der Jahreszahlen im Dezember erläuterte.



