Schrobenhausener Spargel: Hohe Preise auf dem Viktualienmarkt trotz Saisonstart
Schrobenhausener Spargel: Hohe Preise auf Viktualienmarkt

Schrobenhausener Spargel: So teuer ist das weiße Königsgemüse auf dem Viktualienmarkt

Die Spargelsaison läuft seit zwei Wochen, doch der kalte Wind bremst die Ernte deutlich. Bauern und Händler auf dem Münchner Viktualienmarkt kämpfen mit erheblichen Preisschwankungen und hoffen dringend auf besseres Wetter nach den Osterfeiertagen. Die offizielle Eröffnung der Saison fand erst kürzlich mit einem symbolischen Akt statt.

Traditionelle Eröffnung mit politischer Prominenz

Mit geübtem Griff grub sich die Hand von Michaela Kaniber, der bayerischen Landwirtschaftsministerin von der CSU, durch die helle, sandige Erde. Ein kurzer, präziser Stich in die Tiefe – und der erste Spargel der Saison löste sich aus dem Boden. Die Ministerin ist Ehrengast bei dieser jährlichen Traditionsveranstaltung des Spargelerzeugerverbands Südbayern.

Für das feierliche Stechen wurde extra Erde aus Schrobenhausen vor den Pschorr am Viktualienmarkt geliefert. Dieser spezielle Flugsandboden mit seinem Schluff- und Lehmanteil verleiht dem Schrobenhausener Spargel seinen charakteristischen milden Geschmack und seine besondere Zartheit.

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Geschütztes Qualitätsprodukt mit historischer Tradition

Peter Strobl, Geschäftsführer des Spargelerzeugerverbands, erklärt: „Die Bezeichnung 'Schrobenhausener Spargel' ist durch eine EU-Herkunftskennzeichnung geschützt und darf nur verwendet werden, wenn das Gemüse tatsächlich auf diesen charakteristischen Böden wächst.“

Die Tradition reicht weit zurück: Bereits 1856 wurde Schrobenhausener Spargel an die königliche Küche in München geliefert. „Die wussten damals schon was guad is“, freut sich Strobl über diese historische Wertschätzung.

Herausfordernde Wetterbedingungen beeinflussen Ernte

Eigentlich sah es für den bayerischen Spargel in dieser Saison besonders gut aus. Durch zunächst milde Temperaturen wuchsen die Stangen früh – doch dann kam der Kälteeinbruch. „Wir haben durch die kältere Witterung weniger Spargel“, bedauert Strobl. Der kalte Wind und fehlender Sonnenschein der vergangenen Tage hätten dem empfindlichen Gemüse geschadet.

Trotzdem ist man zeitlich im Plan: Geerntet wird bereits seit zwei Wochen. Spargel bleibt beliebt, auch wenn sich die Zielgruppen unterscheiden: Während Menschen mittleren Alters traditionell den weißen Spargel bevorzugen, greifen jüngere Generationen häufiger zur grünen Variante.

Preisentwicklung unter Kostendruck

Das Königsgemüse hat freilich seinen Preis – und der ist in dieser Saison besonders hoch. Durch die Erhöhung des Mindestlohns stehen die Erzeuger unter zusätzlichem Kostendruck. „Der Preis müsste eigentlich noch höher sein“, erklärt Strobl. Ob Verbraucher dann noch zum Spargel greifen würden, sei allerdings fraglich.

Landwirtschaftsministerin Kaniber appelliert dennoch an die Münchner, zu regionalen Produkten zu greifen: „Jeden Cent wert“ sei der Schrobenhausener Spargel, der am besten mit bayerischen Kartoffeln und fränkischem Wein schmecke.

Marktsituation auf dem Viktualienmarkt

Ein Rundgang über den Viktualienmarkt zeigt die aktuelle Preislage deutlich. Trotz Osterferienstimmung – Kinder hüpfen vergnügt zwischen den Ständen – machen die wechselhaften Wetterbedingungen den Händlern zu schaffen.

Bajram Avdijaj von „Obst & Gemüse Tretter“ berichtet: „Die Nachfrage ist momentan lau. Von der Qualität her war die Ernte gut, aber wegen der niedrigen Temperaturen wächst der Spargel nicht so schnell.“

Die Preise spiegeln diese Situation wider:

  • Weißer Schrobenhausener Klasse-Eins-Spargel: 34,90 Euro pro Kilo
  • Italienischer Spargel: etwa 10 Euro günstiger
  • Bei anderen Standl: 29,80 Euro für höchste Güteklasse

Expertenempfehlungen der Marktverkäufer

Avdijaj empfiehlt trotz des Preisunterschieds das regionale Produkt: „Der Schrobenhausener Spargel ist viel saftiger und milder. Er ist nicht bitter, nicht holzig und nicht so fest wie der italienische.“

Agron Rexha von „Lenas Obststandl“ teilt diese Einschätzung: „Jetzt im Frühling steigt einfach die Lust auf Spargel und den besonderen Geschmack.“ Auch ihm machen die Temperaturen zu schaffen – der Verkauf läuft noch schleppend.

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Dennoch bleibt Rexha optimistisch: „Wenn jetzt nach Ostern das Wetter mitmacht, glaube ich auch, dass die Preise wieder sinken.“

Treue Stammkunden sichern Absatz

Bahtir Canolli vom „Obststand Canolli“ beobachtet, dass momentan vor allem absolute Spargelliebhaber zuschlagen: „Jetzt kaufen die Leute, die ihn wirklich wollen“, verrät er lachend. Sorgen wegen mangelnder Nachfrage macht er sich keine: „Wir haben unsere Stammkunden, die immer kommen.“

Bis die Preise möglicherweise sinken, bieten viele Standl auch günstigere Sorten an, damit dem Spargelgenuss nichts im Weg steht. Die Hoffnung der gesamten Branche ruht nun auf stabilerem Frühlingswetter nach den Osterfeiertagen.