Logistikbranche schlägt Alarm: 100.000 Trucker-Jobs durch Spritpreise in Gefahr
Die anhaltende Ölkrise und die explodierenden Spritpreise infolge des Irankonflikts bedrohen massiv die deutsche Logistikbranche. Dirk Engelhardt (53), Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), warnt vor einem dramatischen Kahlschlag: Bis zu 100.000 Arbeitsplätze von Lkw-Fahrern könnten in Deutschland verloren gehen. Das entspricht knapp 15 Prozent aller rund 650.000 Trucker im Land.
Existenzbedrohung für Familienbetriebe durch Dieselkosten
Engelhardt schildert eine dramatische Situation: „Bei uns stapeln sich die Hilferufe der Transportunternehmer, weil zahllosen dieser Familienbetriebe durch die irre hohen Dieselkosten zusehends die Liquidität ausgeht.“ Das zentrale Problem liegt laut dem Verbandschef in der doppelten Belastung deutscher Transportunternehmen: Sie müssen sowohl auf die Lkw-Maut als auch auf den Sprit CO₂-Abgaben zahlen, was sich auf zusätzliche 17 bis 20 Cent pro Liter Diesel summiert.
Internationaler Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen
Während deutsche Transportunternehmen unter der Kostenlast ächzen, profitieren ausländische Konkurrenten von deutlich günstigeren Rahmenbedingungen. So liegt der Netto-Dieselpreis in Polen aktuell 29 Cent pro Liter unter dem deutschen Niveau. Für eine Flotte von 50 Fahrzeugen ergibt sich daraus ein Kostenvorteil von bis zu 522.000 Euro pro Jahr.
Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem: Ausländische Lkw können Deutschland mit einer Reichweite von etwa 3.000 Kilometern durchqueren, ohne im „Teuerland“ tanken zu müssen. Sie füllen ihre Tanks stattdessen in Heimatländern oder Drittstaaten mit günstigerem Diesel auf.
Forderungen nach politischen Sofortmaßnahmen
Der BGL-Chef fordert die Bundesregierung zu entschlossenem Handeln auf: „Polen, Spanien und andere Länder zeigen doch, wie man handeln kann, wenn einer Regierung das Wohl ihrer Bürger und Betriebe wirklich am Herzen liegt.“ Polen hat unter anderem die Spritsteuer gesenkt und Preisdeckel eingeführt, was zu einem klaren Wettbewerbsvorteil führt.
Die Konsequenzen eines Jobabbaus in dieser Größenordnung wären verheerend: Leere Supermarktregale, Produktionsstillstände in Fabriken und eine weitere Verschärfung der Wirtschaftsflaute drohen, wenn die Transportkapazitäten in Deutschland massiv reduziert werden.



