Ein dramatischer Wendepunkt im Leben von Sabrina Wenzel
Sabrina Wenzel war gerade 13 Jahre alt, als ihre ältere Schwester Franziska zum ersten Mal an Krebs erkrankte. Die damals 19-Jährige kämpfte fortan immer wieder gegen die heimtückische Krankheit. Die heute 41-Jährige erinnert sich unter Tränen: „Immer wieder kehrten die Tumore zurück. Das war eine große Tragödie für unsere ganze Familie. Meine Mama ist daran fast zerbrochen.“ Diese Erfahrung prägte Sabrina Wenzel so sehr, dass sie eine Ausbildung zur Krankenschwester begann – mit dem Ziel, ihrer Schwester helfen zu können.
Schon früh übernahm sie nach dem Examen Führungsverantwortung. „Ich wurde mit 20 Jahren quasi ins kalte Wasser geworfen und habe mich durchgebissen“, erzählt sie lachend. Als Pflegedienstleitung leitete sie viele Jahre einen ambulanten Pflegedienst und meisterte die Herausforderungen der Branche. Die Arbeit bereitete ihr Freude, und sie scheute sich nicht vor Verantwortung für Mitarbeiter und Klienten.
Der erneute Krebsausbruch und der letzte Kampf
Doch nach zwei Jahrzehnten kehrte der Krebs bei ihrer Schwester mit voller Wucht zurück. In den letzten Monaten wich Sabrina kaum vom Bett ihrer Schwester. „Ich musste Franzi förmlich beim Sterben zusehen. Das hat was mit mir gemacht.“ Als Franziska 2019 verstarb, fiel Sabrina Wenzel in ein tiefes Loch. In dieser schweren Zeit erkannte sie: „Du musst etwas verändern.“ Sie wusste, dass sie ihren alten Job aufgeben musste. Das Ende ihrer Karriere in der Pflege war besiegelt.
Eine neue berufliche Richtung
Die Mutter von zwei Kindern, damals 16 und 17 Jahre alt, ging in sich und prüfte ihre Stärken und Schwächen. Schließlich bewarb sie sich bei einem großen kommunalen Unternehmen, das eine Fachkraft für Organisationsentwicklung suchte. Zu ihrer eigenen Überraschung wurde sie sofort eingestellt. „Ich habe da gefühlt alles gemacht“, resümiert sie zufrieden. Ihr Aufgabenfeld reichte von der Einführung einer Personalsoftware für über 500 Mitarbeiter über die Entwicklung einer Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge bis hin zu Prozessanalysen. Die gelernte Krankenschwester entwickelte Leitbilder, leitete Baubesprechungen und überwachte als Vertreterin des Generalunternehmers Projekte. Sogar Qualitätsmanagement für den öffentlichen Nahverkehr gehörte zu ihren Aufgaben.
Die zweite Leidenschaft: Fantasy-Romane
Rückblickend ist sie selbst erstaunt, wie sie all diese Aufgaben bewältigte. „Aber diese Resilienz, also die Fähigkeit, schwere Belastungen auszuhalten und dennoch leistungsfähig zu bleiben, gehört zweifellos zu meinen Kompetenzen.“ Allerdings harmonierten der Angestelltenjob und ihre zweite Leidenschaft, das Schreiben von Fantasy-Romanen, immer schlechter mit dem Familienleben. Das Schreiben sei zunehmend vernachlässigt worden, was ein Grund für den nächsten Schritt war.
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Im Jahr 2026 gab Sabrina Wenzel ihr Angestelltenverhältnis auf und gründete gemeinsam mit ihrem Kollegen Markus Meyer die „WandelMut-Akademie“. Diese kleine Akademie versteht sich als Dienstleister für Unternehmen, die sich im Wandel befinden oder wandeln wollen und müssen – auch in der Pflege. Mit Workshops und Direktbetreuung unterstützen die Existenzgründer Betriebe nicht nur bei strukturellen Fragen, sondern auch bei der Mitarbeiterführung.
Empathie und Fingerspitzengefühl als Schlüssel
„Wenn ich etwas gut kann, dann ist es der Umgang mit Menschen“, sagt Sabrina Wenzel lachend. „Ich glaube, ich habe neben breitem Wissen und einer schnellen Auffassungsgabe jede Menge Empathie und Fingerspitzengefühl, was mir bei diesen Beratungen zugutekommt.“ Auf die Frage, warum sie diesen erneuten Bruch in ihrem Lebenslauf gewagt hat, antwortet die 41-Jährige nüchtern: „Weil ich irgendwann auf dem Sterbebett nicht Dinge bereuen will, die ich nicht getan habe. Das Sterben meiner Schwester hat mir damals vor Augen geführt, wie schnell alles vorbei sein kann. Wir haben nur dieses eine Leben. Also, worauf warten? Man muss losgehen, manche Wege zeigen sich erst, wenn man schon unterwegs ist.“



