Bayerns Brauerbund-Chef hört auf: Neuer Job ist eine Zäsur
Bayerns Brauerbund-Chef hört auf – Hotel statt Bier

Georg Schneider (60) von Schneider Weisse aus Kelheim war zehn Jahre lang Präsident des Bayerischen Brauerbunds. Im Mai gibt er das Ehrenamt ab. Die AZ traf ihn zum Gespräch – bei einem alkoholfreien Bier.

Abschied nach zehn Jahren

Schneider übergab 2025 sein Familienunternehmen an seinen Sohn und beendet nun auch sein Amt im Brauerbund. Eigentlich sollte die Wahl schon 2025 stattfinden, doch sein designierter Nachfolger Christoph Kämpf verstarb. Daher verlängerte Schneider um ein Jahr. „Nun findet eine Zäsur in meinem Brauer-Leben statt, etwas Neues beginnt“, so Schneider.

Neue Aufgabe im Allgäu

Schneider wird mit seiner Frau das Hotel Post in Nesselwang im Allgäu führen. Das kleine Hotel mit 20 Zimmern stammt aus ihrer Familie. „Ich bin der Hausl“, sagt Schneider lachend. „Ich mache alles und gehe gern mit Menschen um.“

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Rückblick auf eine krisenreiche Amtszeit

Schneider blickt auf eine emotionale Achterbahnfahrt zurück. Gleich zu Beginn prägte das Attentat am Olympia-Einkaufszentrum 2016 die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reinheitsgebot. Später folgten Corona, der Ukraine-Krieg mit Energiekrise und der Verlust des Russland-Geschäfts. „Ich kam als Brauerbund-Präsident nicht aus dem Krisenmodus heraus“, so Schneider. Dennoch glaubt er nicht an eine finale Krise der Brauwirtschaft.

Bier als fröhliches Produkt

In der Pandemie riet er den Kollegen zum Durchhalten. „Bier ist ein fröhliches Produkt, das die Menschen zusammenbringt.“ Die Krise nutzte der Verband zur Digitalisierung. „Bis dahin wussten wir nicht, was Teams ist.“

Bierabsätze sinken trotz Erholung

Die Bierabsätze sind derzeit schlechter als während Corona. Gründe sind verändertes Konsumverhalten, mehr Gesundheitsbewusstsein und der demografische Wandel. „Früher war man nach drei, vier Maß auf dem Volksfest am nächsten Tag einigermaßen fit. Heute wird es nach der zweiten Maß schwierig“, sagt Schneider. Auch er selbst trinkt weniger.

Energiekrise und Bierpreise

Die Energiekrise belastet die Brauereien stark. Schneider fordert höhere Bierpreise: „Bei einem mittelständischen Unternehmen müsste die Kiste Bier mindestens 25 Euro kosten.“ Doch der Wettbewerb in Bayern mit knapp 600 Brauereien verhindere dies. Es gebe Billiganbieter mit Kisten für fünf Euro.

Zukunft der Brauereien

Schneider erwartet, dass die Zahl der Braustätten in zehn Jahren schrumpfen wird. „Zusammenarbeit wird ein großes Thema“, sagt er. Es ergebe keinen Sinn, dass jeder eine eigene Abfüllanlage oder einen Fuhrpark unterhalte.

Dry January und Oktoberfest

Zum Dry January, den Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach bewarb, sagt Schneider: „Wir haben in Bayern eine Fastenzeit. Wir brauchen keinen amerikanischen Begriff.“ Die WHO-Aussage, dass es keinen unbedenklichen Alkoholkonsum gebe, hält er für pauschal. „Es gibt Menschen, die genetisch bedingt sehr empfindlich reagieren, und andere, die besser damit umgehen können.“

Seine Forderung nach einem Eintrittspreis für das Oktoberfest verteidigt er: „Viele Kosten bei Festen werden übers Bier kalkuliert. Wenn das Bier zurückgeht, muss man überlegen, wie man steigende Kosten finanziert.“

Übernahmen von Weltenburger und Bischofshof

Schneider Weisse übernahm die Markenrechte von Weltenburger und Bischofshof. „Wir wollten keine ausländische Großkonzernlösung, sondern eine bayerische lokale Lösung“, erklärt Schneider. Weltenburger werde kaum verändert, der Braumeister bleibe. Bischofshof bleibe eine lokale Marke für Regensburg.

Weitere Expansionspläne habe sein Unternehmen nicht. „Wir hatten das ehrlich gesagt nicht vor“, so Schneider.

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