Kammerspiele frieren Eurydike ein: Oberflächlicher Orpheus-Mythos
Kammerspiele frieren Eurydike ein: Oberflächlicher Mythos

Die Münchner Kammerspiele wagen sich an den antiken Orpheus-Mythos – doch die Inszenierung von Anna Smolar hinterlässt einen kalten Eindruck. In ihrer Version „Eurydike und Orpheus“ wird die titelgebende Figur buchstäblich in flüssigen Stickstoff eingefroren. Was nach einem spektakulären Bühneneffekt klingt, entpuppt sich jedoch als leere Geste, die wenig zur Erkenntnis über Leben, Liebe und Tod beiträgt.

Eine eisige Inszenierung

Die eingefrorene Eurydike, gespielt von Annika Neugart, thront als zentrales Bildelement auf der Bühne. Um sie herum agieren Konstantin Schumann, Franziska Hartmann, Enes Sahin, André Benndorff und Anja Signitzer in einem Spiel, das die bekannte Geschichte von Orpheus‘ Abstieg in die Unterwelt neu interpretieren soll. Doch statt Tiefgang bietet Smolars Regie vor allem visuelle Effekte, die schnell verpuffen.

Fragen ohne Antworten

Der Mythos birgt eigentlich großes Potenzial: die Macht der Musik, die Grenzen des Todes, die Zerbrechlichkeit der Liebe. Doch die Inszenierung bleibt an der Oberfläche. Die Figuren wirken wie Statisten in einem gefrorenen Tableau, ihre Emotionen erstarrt. Der flüssige Stickstoff, der die Bühne in Nebel hüllt, symbolisiert zwar die Kälte des Verlusts, doch die existenziellen Fragen, die der Stoff aufwirft, werden nicht beantwortet.

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Stattdessen setzt Smolar auf repetitive Szenen und überladene Symbolik. Die Schauspieler leisten solide Arbeit, können aber das konzeptuelle Defizit nicht wettmachen. Franziska Hartmann als Orpheus ringt um die verlorene Liebe, doch ihr Schmerz bleibt abstrakt. Annika Neugart als Eurydike hat in ihrer eingefrorenen Rolle kaum Spielraum, was die emotionale Distanz zum Publikum noch vergrößert.

Ein kühler Abend im Theater

Die Kritik an den Kammerspielen ist nicht neu: Immer wieder wird dem Haus vorgeworfen, intellektuelle Konzepte über emotionale Zugänglichkeit zu stellen. Auch dieser Abend bestätigt diesen Eindruck. Die Inszenierung mag visuell beeindrucken – die Nebelschwaden aus flüssigem Stickstoff, die über die Bühne ziehen, sind ein Hingucker – doch sie ersetzen keine inhaltliche Auseinandersetzung.

Am Ende bleibt der Zuschauer ratlos zurück. Was wollte uns diese „Eurydike und Orpheus“ sagen? Dass Liebe kalt macht? Dass der Tod unüberwindbar ist? Smolar und ihr Team liefern keine klaren Antworten, sondern verlieren sich in ästhetischen Spielereien. Ein enttäuschender Abend für alle, die mehr als nur einen kühlen Effekt erwarten.

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