Die bunte Bushaltestelle von Viehle: Ein kleines Wunder am Elbdeich
Im beschaulichen Elbdorf Viehle steht ein ungewöhnlicher Besuchermagnet: eine kunstvoll geschmückte Bushaltestelle, die Radfahrer und Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Sobald die ersten Frühlingssonnenstrahlen die Landschaft erwärmen, wird es rund um das bunte Wartehäuschen wieder lebendig. Für viele Besucher ist ein Halt an dieser besonderen Station längst zur liebgewonnenen Tradition geworden.
Ein Treffpunkt für Menschen aus aller Welt
Wernfried Meyer, der gemeinsam mit seiner Frau Adelheid die Haltestelle pflegt, hat schon zahlreiche internationale Gäste begrüßt. „Ich schaue immer aus dem Fenster, und wenn Besucher unser Bushäuschen bewundern, gehe ich gerne zu einem Schwätzchen nach draußen“, erzählt der Senior. Die Sprachbarrieren sind dabei kein Hindernis – einmal verständigte er sich sogar mit einem italienischen Gast trotz unterschiedlicher Muttersprachen.
Die Besucher hinterlassen oft kleine Zeichen ihrer Wertschätzung:
- Ein Stein mit einer persönlichen Botschaft in der Wartehalle
- Kleine Mitbringsel, die in die Dekoration integriert werden
- Fotos und Erinnerungen, die das Ehepaar Meyer sammelt
Tradition mit persönlichem Hintergrund
Für Brigitte Pasche und ihren Mann aus Hildesheim gehört der Besuch der bunten Haltestelle seit Jahren zum Osterurlaub an der Elbe dazu. „So etwas haben wir noch nie gesehen, und es beeindruckt uns, mit welcher Hingabe die Haltestelle immer wieder neu dekoriert wird“, berichtet die begeisterte Radfahrerin. Die regelmäßigen Besucher schätzen nicht nur die liebevolle Gestaltung, sondern auch die Möglichkeit, mehr über die Geschichte hinter diesem ungewöhnlichen Projekt zu erfahren.
Die Tradition des Schmückens begann mit dem 2018 verstorbenen Sohn Dirk Meyer. „Unser Dirk hat irgendwann mit dem Schmücken angefangen, und darum machen wir weiter, solange wir das irgendwie können“, erklärt Wernfried Meyer die emotionale Verbindung zu dem Projekt.
Herausforderungen und Unterstützung
Obwohl das Ehepaar Meyer nicht mehr so fit ist wie früher – Wernfried Meyer kann nach einem Unfall seinen Arm kaum noch bewegen – halten sie an der Tradition fest. Unterstützung erhalten sie dabei von:
- Familienmitgliedern, darunter Enkel und Urenkel
- Freunden aus dem Dorf
- Einem Pflegeteam aus Neuhaus
Diese Hilfe ermöglicht es den beiden, weiterhin in ihrem Haus am Elbdeich zu wohnen und die Haltestelle zu pflegen. „Das mache ich ja extra, weil man auf Platt viel frecher sein kann und es trotzdem netter klingt als auf Hochdeutsch“, verrät Wernfried Meyer mit einem Augenzwinkern über seine Vorliebe für die plattdeutsche Sprache.
Ein bleibendes Wahrzeichen
Für die vielen Freunde der bunten Bushaltestelle ist es eine Erleichterung zu wissen, dass die Tradition fortgesetzt wird. Die jahreszeitlich wechselnde Dekoration – von weihnachtlichen Motiven im Winter bis zur frühlingshaften Osterausstattung – bleibt damit erhalten. Die Haltestelle hat sich von einem einfachen Wartehäuschen zu einem Symbol für Gemeinschaft, Erinnerung und gastfreundliche Begegnungen entwickelt.
Radfahrer, die entlang der Elbe unterwegs sind, planen ihren Routen oft bewusst so, dass sie in Viehle Station machen können. Die bunte Bushaltestelle ist nicht nur ein fotogener Anlaufpunkt, sondern auch ein lebendiges Stück Regionalkultur, das Menschen verbindet und Geschichten weiterträgt.



