Burg Schlitz: Erneuter Direktionswechsel und interne Konflikte erschüttern Schlosshotel
Burg Schlitz: Neuer Direktionswechsel und interne Konflikte

Burg Schlitz: Erneuter Führungswechsel und interne Konflikte erschüttern traditionsreiches Schlosshotel

Die lateinische Inschrift an den Begrüßungs-Obelisken der Burg Schlitz fordert Gäste auf, ihre Sorgen abzugeben. Doch im hoch über der Mecklenburgischen Schweiz thronenden Schlosshotel, das einst Dichter Achim von Arnim und sogar Ex-Kanzlerin Angela Merkel beherbergte, sind es derzeit die Sorgen selbst, die das Sagen haben. Gerade einmal vor gut einem Jahr trat eine neue Direktionsspitze an, um das geschichtsträchtige Hotel mit frischen Ideen zu beleben. Jetzt sind René Henze und Patrick Martin bereits wieder verschwunden – und mit ihnen ihre ambitionierten Pläne.

Ein radikaler Konzeptwechsel nach nur einem Jahr

Die Quereinsteiger Henze und Martin hatten visionäre Projekte angestoßen. Kooperationen mit Luxusmarken wie Bentley und Meißner Porzellan waren geplant, der verwilderte englische Landschaftspark – ein Denkmal von nationaler Bedeutung – sollte wiederhergestellt werden. Vor allem aber sollte das Schlosshotel unter der Ägide von Partnerin und Gynäkologin Julia Semmelhaack-Tackeh zu einem Mekka für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) werden. Heute ist von diesen Plänen nichts mehr zu spüren.

Eigentümer Theodor Semmelhaack bestätigt lediglich die Kündigung der Direktoren, verweist für Details jedoch an den neuen Hoteldirektor Jan König. Der Wandel ist bereits an der Speisekarte sichtbar: Die Fünf-Sterne-Gourmetküche bleibt kalt, stattdessen wird jetzt klassisches Kalbsfilet mit Kartoffelstampf serviert. Auch der langjährige Küchenchef Maik Albrecht hat das Haus verlassen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Gegensätzliche Darstellungen und schwere Vorwürfe

Während Jan König den Wechsel als strategische Neuausrichtung beschreibt – „Gourmet stirbt aus – wir wollen wieder in das klassische Segment“ – und eine hervorragende Stimmung im Haus betont, zeichnen ehemalige Mitarbeiter ein düsteres Bild. Sie sprechen von einer toxischen Atmosphäre unter der neuen Leitung, was König entschieden als „absoluten Bullshit“ zurückweist.

René Henze, der ehemalige Direktor, widerspricht Königs Darstellung fundamental. Er betont, stets die Entscheidungen der Eigentümer mitgetragen, Buchungszahlen gesteigert und bereits 17 Hochzeiten für 2026 arrangiert zu haben. Die Aufgabe der TCM-Pläne führt er auf private Probleme der Eigentümerfamilie Semmelhaack zurück. Seine Entlassung erklärt Henze mit „intrigantem Verhalten“ Königs, der als sein Assistent in alle Prozesse eingebunden gewesen sei.

Rechtliche Auseinandersetzungen und unklare Zukunft

Die Konflikte eskalieren nun auf juristischer Ebene. René Henze hat Kündigungsschutzklage erhoben, da er um seinen Ruf fürchtet. Gemeinsam mit seinem Partner plant er einen Neuanfang im Gutshaus Groß Upahl bei Güstrow als touristische Destination und Hochzeitslocation. Doch Henze ist nicht der Einzige, der rechtliche Schritte einleitet.

Dem Nordkurier liegt Korrespondenz vor, wonach ein ehemaliger Arbeitgeber Jan Königs eine strafbewehrte Unterlassungserklärung gegen ihn erwirkt hat. Ihm werden unter anderem Verleumdungen vorgeworfen. Die neue Hoteldirektion hat auf schriftliche Nachfrage zu diesen Vorwürfen bislang keine Stellung bezogen.

Für das einst als „Hotel des Jahres 2012“ ausgezeichnete Schlosshotel Burg Schlitz bleibt die Zukunft ungewiss. Während Jan König einen erfolgreichen Neustart im klassischen Segment propagiert, brodeln die Gerüchteküche und die juristischen Konflikte weiter. Die Sorgen, die Gäste eigentlich am Eingang abgeben sollten, scheinen derzeit tief im Herzen des historischen Anwesens verwurzelt zu sein.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration