Kreuzfahrtschiffe entkommen dem Persischen Golf durch kurze Öffnung der Straße von Hormus
Nach wochenlanger Blockade im Persischen Golf haben drei Kreuzfahrtschiffe am Samstag die strategisch wichtige Straße von Hormus durchquert. Die Schiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ von TUI sowie die „MSC Euribia“ der Schweizer Reederei MSC nutzten ein kurzes Zeitfenster, das Iran für die Passage gewährte. Die Kreuzfahrer waren aufgrund des anhaltenden Konflikts zwischen Iran und den USA seit Wochen in den Häfen von Dubai, Abu Dhabi und Doha festsitzen.
Evakuierte Passagiere und reduzierte Crews an Bord
Alle Passagiere der betroffenen Schiffe wurden bereits vor der riskanten Durchfahrt sicher evakuiert. An Bord befanden sich lediglich kleinere Besatzungen, die für den Betrieb der Schiffe notwendig waren. Ein Sprecher von MSC bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass die Durchfahrt „in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden“ erfolgte. Die Schiffe seien im Konvoi durch die enge Meerenge vor der Küste Irans gefahren.
Der genaue Zeitpunkt der Passage bleibt jedoch unklar. Weder MSC noch TUI wollten auf Nachfrage des SPIEGEL kommentieren, ob sich die Schiffe noch in der Meerenge befanden, als Iran die Öffnung rückgängig machte. „Wir haben unsere Pressemitteilung veröffentlicht, nachdem die Schiffe die Straße von Hormus passiert hatten“, erklärte ein TUI-Sprecher. Die offizielle Meldung erschien am Samstag um 17.45 Uhr auf der Unternehmenswebsite.
Iranische Kontrolle über die strategische Wasserstraße
Iran hatte die Öffnung der Straße von Hormus erst am Freitag verkündet, zog diese Entscheidung jedoch kurz darauf wieder zurück. Ein Sprecher des Hauptquartiers der iranischen Streitkräfte gab die Rücknahme bekannt. Am Samstag meldeten zwei indische Handelsschiffe, dass Iran sie gewaltsam an der Durchfahrt gehindert habe. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf betonte am Sonntag, sein Land kontrolliere den gesamten Schiffsverkehr in der Region.
Bereits am Freitag hatten die Schiffe „Celestyal Discovery“ und ein weiteres Schiff desselben Namens die Meerenge passiert, wie Medien berichteten. TUI äußerte sich gegenüber dem SPIEGEL nicht zu den Details der Durchfahrt und verwies auf die Sicherheit der Schiffe. „Man wolle nun nach vorn blicken und nicht zurück“, hieß es.
Weiterreise der Schiffe geplant
Die TUI-Schiffe sind laut Unternehmensangaben auf dem Weg Richtung Mittelmeer. Die „MSC Euribia“ steuert Nordeuropa an. Die geplante Kreuzfahrt der „Euribia“ ab Kiel am 16. Mai wird wie vorgesehen stattfinden. Die Reedereien atmen auf, nachdem die wochenlange Unsicherheit im Persischen Golf ein Ende gefunden hat.
Die Straße von Hormus bleibt jedoch ein Brennpunkt internationaler Spannungen. Während die Welt auf diese strategische Wasserstraße blickt, leiden die Menschen in Iran weiter unter den Auswirkungen des Regimes und des anhaltenden Konflikts. Die kurzfristige Öffnung der Meerenge bot den gestrandeten Kreuzfahrtschiffen eine seltene Gelegenheit zur Flucht, doch die langfristige Stabilität der Region bleibt ungewiss.



