Neuruppin: Fontanestadt mit literarischem Erbe und klassizistischer Architektur
Neuruppin: Fontanestadt mit literarischem Erbe

Neuruppin: Eine Stadt voller Geschichte und Poesie

Im brandenburgischen Neuruppin, offiziell seit 1998 als Fontanestadt bekannt, haben bedeutende Persönlichkeiten das Licht der Welt erblickt. Diese Kreisstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin mit rund 32.000 Einwohnern vereint literarisches Erbe, architektonische Meisterwerke und malerische Landschaften am längsten See Brandenburgs.

Literarische Größen: Von Fontane bis Strittmatter

Theodor Fontane, der große märkische Dichter, wurde 1819 als Sohn des Apothekers in Neuruppin geboren. Seine Beziehung zur Geburtsstadt war von ambivalenten Gefühlen geprägt, doch besuchte er regelmäßig Familie und Bekannte, wobei er Recherchen für seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ durchführte.

Eva Strittmatter, geboren 1930 als Eva Braun, entwickelte sich zur bedeutendsten Lyrikerin der DDR und wurde vom damaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck als „derzeit meistgelesene Lyrikerin deutscher Sprache“ geehrt. Ihre Gedichte, die Natur, Menschen und Liebe thematisieren, wurden in 15 Sprachen übersetzt. Ab 1954 lebte sie mit ihrem Ehemann Erwin Strittmatter in Schulzenhof bei Gransee. Ihr Geburtshaus in Neuruppin ist heute mit einer Gedenktafel versehen, und der Rosengarten trägt den Namen „Eva-Strittmatter-Platz“.

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Architektonisches Vermächtnis: Karl Friedrich Schinkel

Karl Friedrich Schinkel, der bedeutendste Architekt des deutschen Klassizismus, wurde am 13. März 1781 in Neuruppin geboren. Seine Kindheit fiel in die Zeit des Wiederaufbaus nach dem verheerenden Stadtbrand von 1787. Als Baurat prägte Schinkel maßgeblich die Architektur Preußens, insbesondere in Berlin und Potsdam. Seine Entwürfe führten zwischen 1836 und 1841 zur umfangreichen Restaurierung der Klosterkirche St. Trinitatis, die später durch zwei 63 Meter hohe Türme zum Wahrzeichen Neuruppins wurde.

Stadtbild und Sehenswürdigkeiten

Neuruppin, 1256 mit Stadtrecht versehen, liegt idyllisch am 14 Kilometer langen Ruppiner See. Die Stadt präsentiert sich als städtebauliches Gesamtdenkmal des Frühklassizismus, besonders rund um den Paradeplatz, der die preußische Garnisonsvergangenheit widerspiegelt. Nach dem Stadtbrand von 1787 finanzierte König Friedrich Wilhelm II. den Wiederaufbau, wodurch breite Straßen, zweietagige Häuser und drei große Plätze entstanden.

Klosterkirche St. Trinitatis: Das dominierende Bauwerk mit ihren Türmen bietet von einem besteigbaren Turm aus einen beeindruckenden Blick über Stadt und See.

Altes Gymnasium: Dieses 1790 errichtete Gebäude im Stil einer barocken Schlossanlage diente als Schule für Schinkel, Fontane und Strittmatter und beherbergt heute kulturelle Einrichtungen wie Stadtbibliothek und Medizinische Hochschule Brandenburg.

Skulptur „Parzival am See“: Die 17 Meter hohe Stahlskulptur von Matthias Zágon Hohl-Stein, 1998 enthüllt, symbolisiert als „Antiritter“ einen Aufbruch in ein neues Neuruppin.

Anreise und Besuch

Neuruppin ist gut mit der Bahn von Berlin-Gesundbrunnen und Löwenberg aus erreichbar. Mit dem Auto gelangt man über die Abfahrt Neuruppin der A19 schnell in die Stadt. Ein Rundgang von der Seepromenade aus ermöglicht die Erkundung der Fachwerkhäuser, die vom Stadtbrand verschont blieben, und der historischen Stadtmauer.

Die Stadt verbindet somit literarische Tradition, architektonische Eleganz und natürliche Schönheit zu einem einzigartigen Reiseziel in Brandenburg.

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