Parkgebühren an der Ostsee schocken Urlauber: Paar zahlt Wucher-Betrag in Zingst
Birgit und Michael Schall aus Eisenach lieben die Ostseeregion und verbringen regelmäßig ihren Urlaub an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Doch ihr jüngster Aufenthalt in Zingst entwickelte sich zu einem finanziellen Albtraum, der durch überraschend hohe Parkgebühren ausgelöst wurde. Das Ehepaar, das sonst oft Ferienwohnungen bucht, entschied sich diesmal für das Hotel IX. Jahreszeiten in Zingst – angezogen von einem vermeintlich fairen Angebot.
Hotelparkplatz wird zur teuren Überraschung
„138 Euro für die Nacht inklusive Frühstück und Spa-Bereich, das lohnt sich“, erzählt Michael Schall, der als Verkaufsberater in einem Autohaus arbeitet. Der 63-Jährige hatte jedoch einen entscheidenden Hinweis überlesen: Das Hotel verlangt pro Nacht zusätzlich 18 Euro Parkgebühr. „Erst beim Einchecken erfuhren wir davon. Wir mussten den Parkplatz nehmen, es gab keine Alternative“, berichtet der verärgerte Urlauber.
Preisexplosion an der gesamten Ostseeküste
Michael Schall, der regelmäßig nach Usedom reist, beobachtet seit längerem eine deutliche Preisexplosion an der Ostsee. „Im vergangenen Jahr fielen mir die enorm gestiegenen Preise für Unterkünfte, Speisen, Strandkörbe und Dienstleistungen auf. In diesem Jahr kommen überteuerte Parkplätze hinzu“, erklärt er. Besonders kritisiert er, dass die Hauptsaison bereits am 1. April beginnt – zu einem Zeitpunkt, den er noch als Vorsaison empfindet.
„Für mich ist noch Vorsaison. Es gibt kaum Urlauber, die Badesaison hat noch nicht begonnen, und man kann nur am Strand spazieren gehen“, argumentiert Schall. Er hält die aktuellen Tagesticket-Preise von zwölf Euro für öffentliche Parkplätze für überzogen und schlägt stattdessen sechs bis sieben Euro als angemessenen Betrag vor.
Peinliche Verzögerung führt zu saftiger Strafe
Doch die Parkplatzproblematik eskalierte für das Ehepaar Schall noch weiter. Auf einem Ausflug parkten sie ihr Fahrzeug am Parkplatz am Bernsteinweg West und bezahlten vier Euro für zwei Stunden. „Wir waren überzeugt, dass wir nicht länger unterwegs sein werden“, erinnert sich Michael Schall.
Doch dann kam alles anders: „Einmal unterwegs packte uns der Ehrgeiz und wir wollten den Leuchtturm erreichen.“ Auf dem Rückweg klagte seine Frau Birgit, die im Februar wegen eines gebrochenen Fußes operiert worden war, plötzlich über Schmerzen, sodass sie langsamer zum Parkplatz humpelte. „Zudem hatten wir uns auch noch verlaufen und standen vor einem Wassergraben.“
Diese unglückliche Verkettung von Umständen führte zu einer Verspätung von 40 Minuten – und das Ordnungsamt klemmte einen Verwarngeldbeleg über 25 Euro hinter den Scheibenwischer.
Frustrierende Erfahrung mit Behörden
Der verärgerte Urlauber fuhr spontan zum Ordnungsamt nach Born, stand jedoch vor verschlossener Tür. Ein telefonischer Versuch am Donnerstag brachte ebenfalls keine Lösung. „Die Mitarbeiterin zeigte Nulltoleranz, machte kein Zugeständnis und reagierte völlig emotionslos“, berichtet Schall enttäuscht.
Er bot sogar an, sofort einen Betrag zwischen zehn und 15 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu überweisen, wenn das Ordnungsamt im Gegenzug nicht auf die Zahlung der 25 Euro bestehen würde. Doch dieses Angebot wurde abgelehnt. „Ohne Frage, sie macht ihren Job und treibt erbarmungslos das Geld ein“, kommentiert Schall die Situation.
Warnung an Tourismusregion
In einem Brief an den Bürgermeister von Zingst betonte Michael Schall, dass die Kosten für Parkplätze Anfang April viel zu hoch seien. Er warnt eindringlich vor den Folgen für die Tourismusregion: „Urlauber können ihr Geld nur einmal ausgeben. Was sie für Parkgebühren zahlen, können sie nicht mehr im Einzelhandel oder beim Gastronomen lassen.“
Das Problem verschärft sich noch, wenn Urlauber spontan weitere Ausflüge unternehmen. „Wenn ich mich spontan entscheide, nach dem Zahlen eines Tagestickets noch einen Ausflug zu unternehmen, muss ich auch dort noch für einen Parkplatz bezahlen. Das macht dann locker mehr als 30 Euro an Parkgebühren für einen Tag“, rechnet Schall vor.
Zukunft des Ostseeurlaubs ungewiss
Für Birgit und Michael Schall endete am Sonnabend ihr Kurzurlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Ob sie noch einmal in die Region zurückkehren werden, ist ungewiss. „Wir überlegen, den nächsten Urlaub in Schleswig-Holstein zu verbringen“, gibt Michael Schall zu bedenken.
Die Erfahrung des Ehepaars wirft grundsätzliche Fragen zur Tourismusentwicklung an der Ostsee auf. Während die Region um Gäste wirbt, könnten überzogene Parkgebühren und rigide Kontrollen genau das Gegenteil bewirken – nämlich Urlauber vergraulen, die eigentlich willkommen sein sollten.



