Radreisen in Mitteldeutschland: Boomender Tourismus mit Ausbaubedarf
Mit steigenden Temperaturen wächst die Lust auf Radfahren, nicht nur für kurze Ausflüge, sondern auch für mehrtägige Reisen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bieten sich vielfältige Möglichkeiten für Radtouristen, die auf eine gute Infrastruktur angewiesen sind. Doch wie steht es um den Radtourismus in diesen Bundesländern, und welche Strecken lohnen sich besonders?
Radtourismus im Bundesländervergleich
Laut dem Fahrradclub ADFC unternahmen im Jahr 2025 bundesweit etwa 3,3 Millionen Menschen längere Radreisen mit mindestens drei Übernachtungen. Weitere 4,2 Millionen waren auf Kurztrips mit ein bis zwei Übernachtungen unterwegs, und 34 Millionen Radler genossen Tagesausflüge. In der Gunst der Reisenden rangieren Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Mittelfeld: Bei längeren Radreisen belegten sie die Plätze zehn, elf und zwölf, bei Kurztrips lag Sachsen-Anhalt auf Rang neun vor Sachsen (zehn) und Thüringen (zwölf). Besonders beliebt sind Bayern und Niedersachsen.
Ausbaupläne für die Radinfrastruktur
Die Tourismusorganisationen in den drei Ländern setzen verstärkt auf den Ausbau des Radtourismus. In Sachsen generieren Radler jährlich über 560 Millionen Euro Umsatz und sichern etwa 10.800 Arbeitsplätze. Der Landestourismusverband betont, dass die Qualität der Radangebote, wie Beschilderung und Service, kontinuierlich verbessert werden soll. Zudem wird an einer Marketingstrategie gearbeitet.
In Thüringen plant die Tourismus GmbH für das kommende Jahr eine Kampagne mit Fokus auf Radtourismus. In Mittelgebirgsregionen sollen Mountainbike-Möglichkeiten ausgebaut werden, und Barrierefreiheit für Handbiker ist ein großes Thema.
Sachsen-Anhalt kooperiert mit dem ADAC, um mehr Service-Stationen an den 18 touristischen Radwegen einzurichten, wo Reisende Luft aufpumpen oder Werkzeug finden können. Der Landestourismusverband fördert Betriebe, die sichere Abstellanlagen oder Ladesäulen für E-Bikes einrichten.
Beliebte Radstrecken in der Region
In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen können Radtouristen viele Tausend Kilometer auf touristischen Wegen zurücklegen. Bei der Planung helfen Webseiten der Radwege, die Etappen, Unterkünfte und Routendaten anbieten. Die Wahl reicht von Flussradwegen über thematische Touren bis zu regionalen Angeboten. Sechs Beispiele:
- Elberadweg: Der bekannteste Radweg der Region, eröffnet 1995, führt über 1.300 Kilometer vom Riesengebirge bis zur Nordsee durch Nationalparks und Städte wie Dresden und Magdeburg.
- Flussradwege: Ideal für Anfänger, da sie flach und ohne große Steigungen sind. Beispiele sind der Mulderadweg in Sachsen, der Unstrutradweg in Thüringen und Sachsen-Anhalt, sowie Wege entlang von Ilm, Bode oder Werra.
- Thüringer Städtekette: Über 230 Kilometer von Eisenach bis Altenburg, mit Gütesiegel des ADFC als Qualitätsradroute, eingebunden in das Radnetz Deutschland.
- Radweg Deutsche Einheit: Rund 1.100 Kilometer von Bonn nach Berlin, mit Abschnitten in Sachsen-Anhalt vorbei an Städten wie Wernigerode und Dessau-Roßlau, inklusive Gedenkstätten zur deutschen Teilung.
- Wolfsradweg: In der Lausitz auf etwa 43 Kilometern durch Wolfsgebiet, mit Ausstellung in Rietschen zur geschützten Tierart.
- Ferkeltaxenradweg: Auf ehemaliger Bahntrasse in der Magdeburger Börde geplant, bisher erst drei von sechs Abschnitten fertiggestellt, mit kuriosem Namen nach einem Triebwagen der Deutschen Reichsbahn.
Insgesamt zeigt sich, dass der Radtourismus in Mitteldeutschland Potenzial hat, aber weiterer Ausbau der Infrastruktur nötig ist, um mit Spitzenreitern wie Bayern mithalten zu können.



