Lieferdienste in Rostock: Ostergeschäft boomt - Fahrer berichten von Unterschieden
Kurz nach acht Uhr am Universitätsplatz in Rostock herrscht an diesem Ostersonntag eine besondere Stimmung. Während der Ostermarkt geschlossen ist und die Freisitze leer stehen, treffen sich fünf Lieferando-Fahrer vor dem Spielmann-Denkmal. Sie steigen von ihren Rädern, setzen die charakteristischen orangefarbenen Kühlrucksäcke ab und nutzen die Gelegenheit für eine gemeinsame Pause. Unter ihnen sind Alonzo und Hamza, die von ihrem Ostergeschäft berichten und dabei interessante Einblicke in die Welt der Essenslieferungen geben.
Elf Fahrten an einem Abend: Ausnahme oder neue Regel?
Alonzo, ein gebürtiger Portugiese, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt und in Rostock studiert, hat allein an diesem Ostersonntagabend bereits elf Fahrten innerhalb weniger Stunden absolviert. „Das ist aber nicht die Regel“, betont der Minijobber bei Lieferando. Über die App werden er und seine Kollegen über neue Bestellungen informiert, bestätigen die Annahme und holen das Essen anschließend im jeweiligen Restaurant ab. In Echtzeit können die Kunden dann die Position des Fahrers verfolgen – ein System, das laut Alonzo fast überall gleich funktioniert, selbst in Portugal mit anderen Plattformen.
Vergleich mit Frankfurt: Kleinere Radien, mehr Wind
Hamza, der Vollzeit bei Lieferando angestellt ist und zuvor in Frankfurt gearbeitet hat, berichtet von deutlichen Unterschieden zwischen den Städten. „Das System ist genau gleich, nur da ist mehr zu tun“, erklärt er. Während Fahrer in Rostock normalerweise etwa 5 bis 12 Touren pro voller Schicht absolvieren, waren es in Frankfurt teilweise über dreißig – was natürlich auch mehr Trinkgeld bedeutete. Der Radius, also der maximale Bereich, für den ein Fahrer zuständig ist, sei in Frankfurt mit manchmal nur zwei Kilometern deutlich kleiner gewesen als in Rostock mit fünf Kilometern. „Hier gibt es auch mehr Wind“, fügt Hamza lachend hinzu, während die Gesichter der Umstehenden signalisieren, dass dieser Punkt durchaus ernst zu nehmen ist.
Zunehmende Präsenz der Lieferplattformen
Dem Rostocker Gewerbeamt liegen zwar zu wenige Daten vor, um einen eindeutigen Trend zu belegen, dennoch ist eine „erhöhte Präsenz und Wahrnehmbarkeit der großen Lieferplattformen sowie deren Fahrer“ festzustellen. Innerhalb der vergangenen Jahre nutzen zunehmend ansässige Gewerbetreibende diese Plattformen zur Bewerbung ihrer Produkte. Die digitale Infrastruktur und die damit verbundene Präsenz stellen dabei den entscheidenden Vorteil dar. Als Nachteile werden jedoch die wiederholt kritisierten Arbeitsbedingungen für die Fahrer und die teure Vermittler-Provision für die Restaurants genannt, die je nach Plattform, Ort und Tag bis zu 30 Prozent betragen kann. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat dies wiederholt als Eingriff in die Preispolitik der Restaurants kritisiert.
Statistische Einordnung der Rostocker Gastronomie
Aktuell sind dem Amt 648 gastronomische Einrichtungen in Rostock gemeldet, die von Cafés über Mensen bis hin zu Imbissbuden reichen. Individuelle Lieferservices müssen dabei gewerberechtlich separat angemeldet werden, wobei genaue Zahlen aktuell nicht vorliegen. Nach Angaben des Stadtamtes sind in Rostock drei große Lieferservice-Plattformen aktiv:
- Lieferando
- Uber Eats
- Wolt
Nach derzeitigem Stand bewerben dort 134 Betriebe die Lieferung von zubereiteten Speisen. „Davon abzugrenzen sind reine Lieferdienste und Schnellrestaurants wie Burger King, McDonalds oder Jim Block“, stellt das Amt klar. Von den 134 Betrieben seien nur etwa 25 tatsächlich Restaurants. Unklar bleibt, welche Restaurants eigene Fahrer beschäftigen.
Internationales Team und steigende Nachfrage
Am Doberaner Platz machen auch am Ostermontag drei Fahrer, diesmal von Wolt, gemeinsam Pause. Ali und Abdul berichten, dass sie kaum deutsche Lieferdienstfahrer kennen. „Aber das ist in jeder Stadt so“, erklären sie. Das Liefern biete auch ohne Deutschkenntnisse eine gute Möglichkeit, in die Arbeitswelt einzusteigen. Auch sie hatten am Abend des Ostersonntags ordentlich zu tun und bestätigen den Eindruck, dass immer mehr Menschen Essen online bestellen als noch vor ein paar Jahren. Ihre Erklärung dafür ist ebenso einfach wie einleuchtend: „Die Leute wollen nicht zweimal am Tag selbst kochen.“



