Langsam, aber sicher kehrt das Leben in die Residenzstadt Neustrelitz zurück. Nachdem in Waren an der Müritz bereits seit Wochen wieder Erholungssuchende flanieren, treffen nun auch in der beliebten Ausflugsstadt Neustrelitz wieder Touristen ein. Allerdings sind es noch nicht viele, wie Stadtführerin Manuela Werner und das Ehepaar Christel und Heinz Heller aus Krefeld feststellten, als sie sich Ende April vor der Touristinformation trafen. Gemeinsam begaben sie sich auf einen Stadtrundgang – einen der ersten in diesem Jahr.
Exklusive Führung in Kleinstgruppe
„Ist das hier immer so leer?“, erkundigte sich Christel Heller aus der Großstadt in Nordrhein-Westfalen und zeigte sich angetan von der Exklusiv-Führung in Kleinstgruppe. Am Vorabend seien sie die einzigen Gäste in einem Restaurant gewesen. So einsam werde Neustrelitz gewiss nicht bleiben, versicherte Manuela Werner. Mit steigenden Temperaturen nähmen auch die Gästezahlen zu, weiß die pensionierte Lehrerin aus vierjähriger Erfahrung als Fremdenführerin. Schon im Mai sei mit wesentlich mehr Zulauf zu rechnen. Sie habe bereits mehr als 60 Leute auf einmal durch Neustrelitz gelotst und sei dabei stimmlich fast an ihre Grenzen geraten. „Für diese Saison habe ich mir einen Sprachverstärker bestellt“, sagt sie in weiser Voraussicht.
Begeisterung für den Schlossgarten
Umso mehr wussten Christel und Heinz Heller, die ihren Sohn in Potsdam besuchten und bei dieser Gelegenheit einen dreitägigen Abstecher nach Neustrelitz unternahmen, die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Stadtbegleiterin zu schätzen. Schlossgarten, Schlosskirche, Orangerie, Kulturquartier und Hafen – Neustrelitz sei „ganz toll“, befand Heinz Heller nach dem zweistündigen Spaziergang. „Ich bin beeindruckt, wie viel Geld hier für manches bereitgestellt wird.“ Ein für ihr Empfinden sauberes Stadtbild lobte Christel Heller. „Bei uns wäre so was schon längst beschmiert und alles voller Müll“, sagte sie mit Blick auf den Luisentempel mit Rasenfläche. Dass das Schloss zumindest bisher nicht wieder aufgebaut wurde, dafür zeigte das Ehepaar Verständnis. „Das wäre wahnsinnig teuer und hätte wenig Nutzen. Neustrelitz kann das Geld bestimmt für andere Dinge besser gebrauchen“, schätzte Christel Heller ein.
Kritik am Marktplatz
Beide bewunderten für ihre Verhältnisse unglaublich viel Platz und Freifläche. „Bei uns wird jedes Fleckchen bebaut.“ Sogar der Marktplatz kam der 70- und dem 74-Jährigen überaus groß vor. Gefallen fanden sie an dem Rondell allerdings nicht so richtig. „Warum ist das denn so zugepflastert?“, fragte Christel Heller. „Erschreckend, so groß und so wenig Grün.“ Ihr fehle es an Pflanzen und Schatten, an Wohlfühlatmosphäre. „Das sehen viele Neustrelitzer so“, verriet Manuela Werner. „Früher waren hier große Bäume und Rasen.“ Die Gestaltung des Marktplatzes sei ein ewiges Diskussionsthema. Der Markt war jedoch der einzige Wermutstropfen, den die Krefelder in Neustrelitz fanden. Beide würden nach eigenem Bekunden wiederkommen, vielleicht zu den Schlossgartenfestspielen, die ihnen ihre Stadtführerin wärmstens empfahl.
Stadtführungen: Zahlen und Entwicklung
Zusammen mit ihren Kollegen führt die 65-Jährige jährlich weit mehr als 1000 Gäste durch die Stadt. Eines der besucherstärksten Jahre der jüngeren Zeit war 2024 mit 2130 Teilnehmern und 186 Führungen. Einen deutlichen Rückgang zeigt die Statistik dagegen im Jahr 2025. Da hatten immerhin noch 1352 Besucher an insgesamt 155 Stadtrundgängen teilgenommen. Im Jahr 2023 ließen sich 1181 Gäste Neustrelitz von den Stadtführern zeigen, 1435 waren es im Jahr 2022. Woher kam der hohe Andrang im Jahr 2024? „Da gab es mit Einführung der Kurabgabe regelmäßige Führungen von Mai bis September am Mittwoch und am Samstag“, heißt es. In den Jahren zuvor seien nur am Sonnabend planmäßige Führungen angeboten worden. Zwar wurde das Angebot im Jahr 2025 mit Montagsführungen um einen dritten Tag erweitert, dennoch ließ sich das Rekordhoch aus dem Jahr 2024 nicht wieder erreichen. Zusammenhängen dürfte dies mit den in ganz Mecklenburg-Vorpommern rückläufigen Urlauberzahlen.
Ehrenamt Stadtführer wird beliebter
Das Ehrenamt Stadtführer erfreut sich in Neustrelitz unterdessen zunehmender Beliebtheit. Aktuell seien neun ortskundige Frauen und Männer bei der Stadt unter Vertrag, weitere seien in Ausbildung, erklärte Rathaussprecher Jan Ole Kiel. „Die Inhalte werden in einem Stadtführerlehrgang vermittelt, der seit Oktober 2025 an der Volkshochschule stattfindet.“ Darin gehe es um Stadtgeschichte, Baukultur, Stadtverwaltung, Tourismus und Marketing, Kultur, Umwelt und Nachhaltigkeit sowie ums Arbeiten und Leben in Neustrelitz. Bevor jemand als Stadtführer tätig werden kann, müsse er eine praktische Prüfung in Form eines Stadtrundgangs absolvieren. Diese Prüfungsgänge laufen derzeit. Mehr als die Hälfte der aktuell 20 Teilnehmer des Volkshochschulkurses hätten bereits ihr Interesse bekundet, in der ehemaligen Residenzstadt als Stadtführer tätig zu werden.
Manuela Werner: Aus Leidenschaft Stadtführerin
Manuela Werner liebt ihr Ehrenamt. „Im Juni 2022 bin ich in Rente gegangen. Seitdem mache ich das. Ich brauche Leute um mich herum. Mir macht das Freude, einfach Spaß.“ Sie sei stolz auf die Stadt, in der sie geboren wurde, aufgewachsen ist und bis heute lebt. Angesetzt seien für ihre Führungen eineinhalb Stunden, aber sie nehme es mit der Zeit nicht so genau. Fast alle Gäste erlebe sie als wissbegierig und aufgeschlossen. Da komme es ihr nicht auf die Minute an. „Ich bin auch schon mit Leuten von 10.30 bis 16 Uhr durch die Stadt gelaufen.“
Informationen zu Stadtführungen
Stadtführungen in Neustrelitz finden von Mai bis September montags, mittwochs und samstags um 10.30 Uhr statt, von April bis Oktober montags und mittwochs um 10.30 Uhr. Treffpunkt ist immer an der Touristinformation in der Strelitzer Straße 1. Mit der Kurkarte ist die Teilnahme kostenlos.



