Im Sommer wird es im kleinen Warnemünde eng – vor allem, wenn mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig festmachen. Darüber öffentlich zu schimpfen, verbietet sich für die ungefähr 1000 Einwohner. Das Rostocker Ostseebad lebt vom Tourismus. Hotels, Läden, Strandkorbbesitzer – die Schifferei nicht zu vergessen.
„Total mit Buden zugepflastert“
Doch im diskreten Gespräch mit Einheimischen wird deutlich, dass es auch ein Zuviel an Tourismus geben kann. „Übertourismus“ (Overtourism) heißt dafür der passende sozio-kulturelle Fachbegriff. Übertourismus in Warnemünde? Gut möglich.
„Wenn der Strom und die Promenade total mit Buden vollgepflastert ist und man da praktisch nicht mehr als normaler Mensch vorbeigehen kann, das finde ich schlimm“, sagt ein alter Warnemünder, der seit seiner Kindheit in den fünfziger Jahren hier lebt. „Es war immer viel los, aber jetzt gibt es zu viele Events.“ Auch der Lärm durch unterschiedliche Musikquellen wird kritisiert. In solchen Phasen bleibe einem nichts anderes übrig, als auf „Schleichwege“ auszuweichen. Kein schönes Gefühl, sagt der Mann.
Zu viele Anläufe von Kreuzfahrtschiffen
Eine ältere Warnemünderin stören die vielen Anläufe durch Kreuzfahrtschiffe: „Man muss sich genau drauf einrichten. Wenn man zum Bahnhof will, darf man nicht zu spät losgehen“, sagt sie. Das Gedränge sei dann einfach zu groß.
Gert Kühne, der zufrieden im eigenen Haus in Warnemünde lebt, drückt das Phänomen der Massen, die durch „162 Kreuzfahrtanläufe“ plötzlich über das Ostseebad strömen, noch drastischer aus. „Schoko- und Kosmetika-Tourismus bei Edeka“, nennt er das Problem – in Anspielung an den kleinen Supermarkt am Kirchenplatz und das dort vorhandene Süßwaren- und Hygiene-Sortiment.
Phasenweise zu wenig Einkaufsmöglichkeiten
Kühne kann nicht verstehen, dass die Rostocker Stadtverwaltung die Idee eines Containers bei der Anlegestelle zur direkten Versorgung abgelehnt hat. „Die scheinen sich nicht besonders für das Wohl von Warnemünde und den Touristen zu interessieren.“ Was ja auch am holprigen Zustand der Mühlenstraße erkennbar sei. „Am Alten Strom komme ich sowieso nicht durch, wenn zwei, drei Kreuzfahrtschiffe angelegt haben.“
Angela Frommke sieht das phasenweise vorhandene Problem von „Zu wenig“- Einkaufsmöglichkeiten in Warnemünde auch. „Wenn mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen liegen, sind Supermärkte wie Edeka, Rewe und Aldi überlastet“, so die Warnemünderin.



