Sonntags-Ladenschluss in Ueckermünde: Tourismusbranche beklagt massive Einschränkungen
Sonntags-Ladenschluss trifft Ueckermünder Tourismus hart

Sonntags-Ladenschluss in Ueckermünde: Touristen müssen auf Einkäufe verzichten

Das Seebad Ueckermünde am Stettiner Haff steht vor einer massiven Einschränkung für seine Tourismusbranche. Ab diesem Jahr dürfen Lebensmittelmärkte an Sonntagen nicht mehr öffnen, obwohl die Stadt mit ihrem kilometerlangen Strand, zwei Hotels, einem Ferienpark und zahlreichen privaten Unterkünften im Sommer tausende Urlauber anzieht. Die neue Öffnungszeitenverordnung des Landes macht hier keine Ausnahme.

Ende einer Übergangsregelung

Im vergangenen Jahr profitierte Ueckermünde noch von einer Übergangsregelung. Der Lidl-Markt in Stadtnähe durfte sonntags seine Türen öffnen und wurde von unzähligen Touristen gestürmt, die teilweise leere Regale hinterließen. „Das war für viele Urlauber eine wichtige Versorgungsmöglichkeit“, erklärt Bürgermeister Jürgen Kliewe. Doch diese Ausnahmeregelung läuft nun aus, während auf der benachbarten Insel Usedom ab dem 15. März wieder Sonntagsöffnungen möglich sind.

Für den parteilosen Bürgermeister ist diese Situation nicht nachvollziehbar. Touristen, die am Wochenende anreisen, können sich nicht mehr mit Lebensmitteln eindecken, was er als großen Standortnachteil gegenüber Usedom bewertet. Selbst in der Vergangenheit, als auch Edeka, Aldi und Netto sonntags öffnen durften, war dieser Tag stets der umsatzstärkste.

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Strenges Kriteriensystem des Landes

Das Kernproblem liegt in den strengen Vorgaben der Öffnungszeitenverordnung. Diese erlaubt Sonntagsöffnungen nur in „anerkannten Orten mit einem besonders hohen Tourismusaufkommen“. Das Wirtschaftsministerium setzt dabei die Anzahl gewerblicher Übernachtungen in Relation zur Einwohnerzahl und fordert mindestens 175 Prozent des Landesdurchschnitts.

Ueckermünde erreichte 2024 zwar 102.131 Übernachtungen in Quartieren mit mehr als zehn Betten, bleibt damit aber unter der geforderten Marke. Selbst wenn man kleinere Unterkünfte einbezieht und auf insgesamt 153.400 Übernachtungen kommt, reicht dies nicht aus, um die für eine Einzelfallentscheidung notwendigen 350 Prozent des Durchschnitts zu erreichen.

Strand nicht als Freizeiteinrichtung anerkannt

Ein dritter Weg wäre der Nachweis einer Freizeiteinrichtung mit über 200.000 Jahresbesuchern. Der Ueckermünder Tierpark kommt auf 110.000 bis 120.000 Besucher, der Haff-Strand sogar auf 326.000 Gäste (Stand 2023). Doch das Wirtschaftsministerium erkennt den Strand nicht als offizielle Freizeiteinrichtung an – eine Entscheidung, die Bürgermeister Kliewe nicht versteht. „Dabei ist es eine“, betont er entschieden.

In zahlreichen Telefonaten mit Wirtschaftsminister Wolfgang Blank wurde die besondere Lage Ueckermündes erörtert. Der Minister signalisierte laut Kliewe, die Stadt möglicherweise in eine zweite Charge touristischer Hochburgen aufnehmen zu wollen, wenn sie sich mit umliegenden Gemeinden wie Mönkebude, Grambin oder Altwarp zu einer Tourismusregion zusammenschließt.

Ministerium verteidigt strenge Regelungen

Das Wirtschaftsministerium verteidigt unterdessen die bestehende Verordnung. Ein Sprecher verweist auf geltendes Verfassungsrecht und die entsprechende Rechtsprechung, nach der Geschäfte an Sonn- und Feiertagen im Regelfall geschlossen bleiben müssen. Abweichungen seien nur in eng begrenzten Ausnahmefällen möglich, die durch die Verordnung festgelegt würden.

„Wir behandeln alle Kommunen nach denselben Regeln“, erklärt der Ministeriumssprecher. Jede Gemeinde werde anhand ihres Tourismusaufkommens nach identischen Vorgaben geprüft. Das Ministerium rät Ueckermünde zu einer erneuten Prüfung der Touristenzahlen, da möglicherweise weitere Erhebungsmethoden in Betracht kämen.

Für die Lagunenstadt bleibt die Situation unbefriedigend. An heißen Sommertagen tummeln sich bis zu 6.500 Gäste am Ueckermünder Strand – ein Bild, das sich kaum von beliebten Usedom-Bädern wie Ahlbeck oder Zinnowitz unterscheidet. Doch während dort die Supermärkte sonntags öffnen dürfen, müssen Urlauber in Ueckermünde auf diese Versorgungsmöglichkeit verzichten.

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