Halle (Saale) – Während viele Tourismusregionen in Sachsen-Anhalt über rückläufige Besucherzahlen klagen, zeigt sich die Saalestadt Halle als erfreuliche Ausnahme. „Landesweit kamen zuletzt weniger Gäste, aber wir verzeichnen klare Zuwächse“, erklärt Mark Lange, Chef des Stadtmarketings, im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. Besonders auffällig ist der starke Zuspruch aus einem westdeutschen Bundesland, das offenbar eine besondere Vorliebe für Halle entwickelt hat.
Westdeutsche Gäste entdecken Halle
Die genauen Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen den positiven Trend: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Übernachtungszahlen in Halle um rund fünf Prozent. Damit setzt sich die Stadt deutlich von der landesweiten Entwicklung ab, die einen leichten Rückgang verzeichnete. Als Hauptgrund für den Anstieg nennt Lange die gezielte Marketingstrategie, die auf kulturelle Highlights und die historische Altstadt setzt. „Besonders Gäste aus Nordrhein-Westfalen und Hessen buchen immer häufiger Aufenthalte in Halle“, so Lange. Sie schätzen das authentische Stadtbild, die Nähe zu Leipzig und die vergleichsweise günstigen Preise.
Planetarium als Besuchermagnet
Einer der großen Gewinner bei den Tourismuszahlen ist das Planetarium in Halle. Mit seinen modernen Shows und der interaktiven Ausstellung lockt es nicht nur Einheimische, sondern auch viele auswärtige Besucher an. „Das Planetarium ist ein echtes Zugpferd für den Tourismus in der Stadt“, betont Lange. Die Einrichtung verzeichnete im vergangenen Jahr einen Besucherrekord und konnte die Zahlen noch einmal steigern. Auch die Händel-Festspiele und die zahlreichen Museen tragen zum positiven Bild bei.
Hotel-Legende zeigt sich unzufrieden
Trotz der erfreulichen Entwicklung gibt es auch kritische Stimmen. Eine bekannte Hotelier-Legende aus Halle zeigt sich nicht vollends zufrieden und bemängelt die fehlende überregionale Wahrnehmung der Stadt. „Wir haben tolle Angebote, aber viele potenzielle Gäste kennen Halle noch nicht als Reiseziel“, wird der Hotelier zitiert. Er fordert mehr Investitionen in die Vermarktung und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, um noch mehr Touristen aus dem Westen anzulocken. Das Stadtmarketing verspricht, die Werbemaßnahmen weiter zu intensivieren und neue Kooperationen mit Reiseveranstaltern einzugehen.
Insgesamt blickt Halle optimistisch in die Zukunft. Die Stadt profitiert von ihrem Mix aus Kultur, Geschichte und moderner Infrastruktur. Sollte der Trend anhalten, könnte Halle schon bald zu den beliebtesten Städtezielen in Sachsen-Anhalt aufsteigen – und das ausgerechnet mit Hilfe der „Wessis“, die die Saalestadt für sich entdeckt haben.



