Urlaubsalbtraum in Nahost: Tausende deutsche Touristen nach Raketenangriffen gestrandet
Geplant war Erholung und Entspannung, doch die Realität sieht für Tausende Reisende in der Golfregion derzeit dramatisch anders aus. Nach den jüngsten Raketenangriffen im Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran sitzen zahlreiche deutsche Urlauber im Nahen Osten und anderen Weltregionen fest. Flüge fallen aus, Kreuzfahrten werden gestoppt und die Unsicherheit wächst von Stunde zu Stunde.
Chaos an Flughäfen: Keine Ausreise möglich
Besonders betroffen sind die Vereinigten Arabischen Emirate. An den beiden großen Flughäfen von Dubai – dem internationalen Flughafen DXB und dem Al Maktoum Airport (DWC) – wurde der Flugverkehr bis auf weiteres komplett eingestellt. Die Stimmung unter den Reisenden ist angespannt bis verzweifelt. „Am Dubai International Airport herrscht das blanke Chaos“, berichtet ein deutscher Urlauber gegenüber der „Bild“-Zeitung. „Tausende Menschen versuchen, das Terminal zu verlassen. Es gibt keine Ausgänge, die Züge zwischen den Terminals sind defekt. Es gibt keine Ansagen, kein Personal.“
Nach Angaben der Flugverfolgungsplattform Flightradar24 wurden an sieben großen Flughäfen der Nahost-Region mehr als 3.400 Flüge gestrichen. Neben Dubai sind auch Abu Dhabi und Doha betroffen. Die Lufthansa hat ihre Flüge von und nach Dubai gestrichen, die Verbindungen nach Oman, Beirut und Tel Aviv fallen bis mindestens zum 7. März aus.
Kreuzfahrtschiffe liegen fest: Sicherheit hat Priorität
Nicht nur der Luftverkehr ist betroffen, auch auf dem Wasser geht nichts mehr. Die „MSC Euribia“ der Schweizer Reederei MSC Cruises mit Kapazität für über 6.000 Passagiere liegt in Dubai fest. Eine geplante Orient-Kreuzfahrt, die eigentlich am Sonntag starten sollte, wurde kurzfristig abgesagt.
Vom deutschen Anbieter TUI Cruises liegen die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ mit insgesamt gut 5.000 Reisenden an Bord fest. „Die Sicherheit unserer Gäste und der Crew hat für uns jederzeit oberste Priorität“, erklärt der Anbieter auf seiner Website. Eine planmäßige Durchführung der Reisen sei unter den aktuellen Umständen nicht verantwortbar.
Hotels beschädigt: Rauchsäulen über der Stadt
Die Gefahr ist auch am Boden spürbar. Möglicherweise bei Angriffen wurde das Luxushotel Fairmont The Palm Dubai getroffen, bei dem folgenden Feuer wurden nach Behördenangaben vier Menschen verletzt. Auf Social Media verbreitete Videos zeigen, wie ein Geschoss nahe dem Hotel vom Himmel fällt und der Eingangsbereich in Flammen steht.
Eine Reisende aus Hamburg, die mit ihrem Mann auf dem Rückflug von Malaysia in Dubai strandete, berichtet: „Von unserem Hotel aus sehen wir Rauchsäulen über der Stadt. Mehrere Menschen haben uns erzählt, es habe am Flughafen Trümmer gegeben.“ Die einzige Information, die sie bisher erhalten habe, sei, dass es auch in den nächsten 24 Stunden nicht weitergehe.
Auswirkungen weltweit: Auch in Sydney Flüge gestrichen
Die Auswirkungen des Konflikts sind global spürbar. In Sydney wurden Flüge der Fluggesellschaft Etihad Airways über Abu Dhabi gestrichen. „Am Flughafen gab es erstmal lange Schlangen und keine Informationen“, berichtet ein deutscher Reisender. „Dann wurden die Flüge gestrichen. Es ist unklar, wann Etihad wieder fliegen kann.“ Hotelgutscheine gab es zunächst nicht, die meisten Passagiere seien eher resigniert als wütend gewesen.
Reisewarnung des Auswärtigen Amts
Das Auswärtige Amt hat am Samstag eine Reisewarnung für mehr als ein Dutzend Länder der Region zwischen Libanon und Oman veröffentlicht. Alle Menschen in der Region werden aufgefordert:
- Sich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND einzutragen
- Sich bei Reiseveranstaltern oder Fluggesellschaften über Ausreisemöglichkeiten zu informieren
- Ruhig zu bleiben und Anweisungen der lokalen Behörden zu folgen
Die in Dubai lebende Influencerin Fiona Erdmann schrieb auf Instagram: „Uns geht es gut. Wir sind zu Hause. Die Kinder schlafen.“ Eine solche Situation habe sie in ihren neun Jahren in Dubai noch nicht erlebt. Wie lange die Krise anhält und wann die gestrandeten Touristen wieder nach Hause können, ist derzeit völlig unklar.



