Baywa-Krise: Fette Abfindung für Ex-Chef, Gehaltskürzungen für Mitarbeiter
Baywa: Fette Abfindung für Chef, Gehaltskürzungen für Mitarbeiter

Baywa in der Krise: Fette Abfindung für den Chef, Gehaltskürzungen bei den Beschäftigten

Der börsennotierte Handelskonzern Baywa aus München befindet sich in einer schweren Krise. Die Schulden türmen sich, und die Sanierung des Unternehmens kommt nur schleppend voran. Doch spiegelt sich dieser Krisenmodus auch in den Gehältern der Mitarbeiter wider? Ein genauer Blick auf die Zahlen offenbart deutliche Diskrepanzen zwischen Führungsebene und Belegschaft.

Die finanzielle Schieflage des Konzerns

Die größte Krise in der Geschichte des Münchner Landwirtschaftskonzerns hält unvermindert an. Laut dem vierten Quartalsbericht 2025 fehlen der Baywa AG für ihr Gesamtsanierungsziel von vier Milliarden Euro noch etwa 2,7 Milliarden Euro. Bereits im Jahr 2024 erlitt der Konzern einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Der Sanierungsplan sieht daher bis 2027 vor, 1300 Stellen beim Mutterkonzern zu streichen und 26 Niederlassungen zu schließen. Der Konzern ist gezwungen, einen strikten Sparkurs zu fahren und sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren.

Führungsebene: Turbulenzen und hohe Vergütungen

Die Turbulenzen bei dem Erntevermarkter zeigen sich besonders an der Führungsebene. Erst im Januar 2026 entließ die Baywa nach nicht einmal einem Jahr den Vorstandschef Frank Hiller aufgrund strategischer Differenzen. Seine Aufgaben übernimmt nun ein dreiköpfiges Team: Michael Baur als Chief Restructuring Officer, Matthias J. Rapp als Finanzvorstand und Marlen Wienert für die Bereiche Agrar und Wärme.

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Die jüngsten öffentlichen Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2024 offenbaren, dass alle aktiven Vorstandsmitglieder im Geschäftsjahr 2024 insgesamt neun Millionen Euro erhielten. Der Ex-CEO Marcus Pöllinger, der 2024 an der Spitze des Konzerns stand, bekam rund drei Millionen Euro, wovon 1,7 Millionen Euro auf eine Abfindung entfielen. Sein Jahresgrundgehalt betrug 816.000 Euro, während er als variable Vergütung nur 316.000 Euro aus den Vorjahren erhielt.

Marlen Wienert, das einzige Vorstandsmitglied aus 2024, das noch heute zur Konzernspitze gehört, verdiente insgesamt 711.000 Euro. CRO Michael Baur, dessen Vorstandstätigkeit Teil eines Vertrags mit der Firma AlixPartners ist, erhielt ein Fix- und Erfolgshonorar von 350.000 Euro für das Jahr 2024. Die Aufsichtsratsmitglieder kamen auf Vergütungen zwischen 56.000 Euro und rund 116.000 Euro.

Mitarbeiter: Gehaltskürzungen und fehlende Erhöhungen

Der Geschäftsbericht 2024 zeigt, dass die Baywa für die Löhne ihrer Mitarbeiter etwa 488 Millionen Euro ausgab. Konkrete Gehaltshöhen für verschiedene Stellen sind daraus jedoch nicht ersichtlich. Das Online-Portal Kununu liefert hier Aufschluss: Demnach zahlt die Baywa im deutschlandweiten Vergleich mit vielen Berufen nur leicht überdurchschnittliche Löhne, teilweise sogar weniger als den Durchschnitt.

Beispiele für Jahresgehälter bei Baywa im Vergleich zum Deutschland-Durchschnitt:

  • Sachbearbeiter: 38.200 Euro (Durchschnitt in Deutschland: 42.100 Euro)
  • Vertriebsleiter: 77.100 Euro (Durchschnitt in Deutschland: 82.300 Euro)
  • Teamleiter: 73.100 Euro (Durchschnitt in Deutschland: 63.300 Euro)
  • Projektmanager: 68.800 Euro (Durchschnitt in Deutschland: 62.200 Euro)

Mitarbeiter berichten auf Kununu von fehlenden Gehaltserhöhungen, Gehaltseinbußen und einem gekürzten Weihnachtsgeld. Die Gewerkschaft Verdi bestätigt dies auf Nachfrage. Der hauseigene Tarifvertrag der Baywa AG ist 2023 ausgelaufen und wurde bislang nicht erneuert. Trotz der Krise listet der Konzern auf seiner Webseite weiterhin finanzielle Vorteile wie betriebliche Altersversorgung, vergünstigte Job-Tickets und Rabatte auf Waren aus dem Baywa-Sortiment auf.

Die Situation bei der Baywa verdeutlicht eine klare Diskrepanz: Während die Führungsebene mit Millionensummen abgefunden wird, müssen die Beschäftigten Gehaltskürzungen und unsichere Arbeitsbedingungen hinnehmen. Die Sanierungsbemühungen des Konzerns bleiben somit nicht ohne soziale Folgen für die Belegschaft.

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