Deutsche Brauer im Cola-Mix-Kampf: Wie regionale Brauereien Coca-Cola herausfordern
Deutsche Brauer fordern Coca-Cola mit Cola-Mix-Getränken heraus

Deutsche Brauer im Cola-Mix-Kampf: Wie regionale Brauereien Coca-Cola herausfordern

Während Coca-Cola als weltweit agierender Getränkegigant gilt, zeigen sich deutsche Brauereien trotz ihrer vergleichsweise geringen Größe erstaunlich wehrhaft. Immer mehr regionale Brauereien wagen sich auf das Terrain des US-Konzerns und stellen mit eigenen Cola-Mix-Getränken eine ernstzunehmende Konkurrenz dar.

Ein beachtlicher Markt mit wachsendem Potenzial

Cola-Mix-Getränke wie das berühmte Paulaner Spezi haben sich zu einem echten Trend in der Braubranche entwickelt. Brauereien wie Gold Ochsen aus Ulm, die Darmstädter Privatbrauerei, Stauder aus Essen, Veltins aus dem Sauerland und die Flensburger Brauerei nutzen diese Entwicklung, um in schwierigen Zeiten neue Absatzwege zu erschließen. Mit gezielten Aktionsangeboten im Handel versuchen sie, Verbraucher für ihre Produkte zu gewinnen.

Das Marktsegment der Cola-Mix-Getränke hat sich im Lebensmittelhandel und in Getränkemärkten als deutlich größer erwiesen als der Bereich der alkoholfreien Biere. Diese Erkenntnis stammt aus Absatzzahlen von Marktforschern, die beispielsweise Veltins vorliegen. Für Brauereien bietet die Produktion von Cola-Mix-Getränken einen weiteren Vorteil: Sie können ihre Abfüllanlagen besser auslasten, ohne größere technische Umrüstungen vornehmen zu müssen.

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Retro-Designs und gezielte Marketingstrategien

Der Erfolg der Cola-Mix-Getränke basiert nicht nur auf der Geschmackskombination aus Cola und Orange, sondern auch auf auffälligen Verpackungen. Retro lautet hier das entscheidende Schlagwort. Platzhirsch Paulaner ging bereits zweimal vor Gericht, um das charakteristische Design der Farbenwelle auf seinen Etiketten zu schützen. Neueinsteiger Veltins setzt mit einem Schallplatten-Design auf seinen Remix-Dosen bewusst auf Nostalgie.

Diese Strategie zielt insbesondere auf junge Konsumenten ab, die nachweislich weniger Alkohol trinken als frühere Generationen. Durch ansprechende Designs und moderne Marketingansätze wollen die Brauereien diese Zielgruppe gezielt ansprechen und für ihre Produkte begeistern.

Historische Parallelen und aktuelle Entwicklungen

Der Einstieg in den Cola-Mix-Markt ist für deutsche Brauereien kein völlig neues Phänomen. Wie Niklas Other, Herausgeber des Branchenfachmagazins Inside, erklärt, nutzen die Brauer ein Erfolgsrezept aus den Nachkriegsjahrzehnten. Damals füllten Brauereien und andere Hersteller in Deutschland Getränke für Coca-Cola und Pepsi ab und fungierten so als Ausbauhelfer. Später zogen die US-Getränkeriesen die Abfüllung an sich. Damit war das weg vom Biergeschäft und jetzt kommen die Brauereien wieder zurück, so Other.

Eine besondere Rolle spielt dabei Paulaner Spezi, das in den letzten Jahren große Marktanteile erobern konnte. Der große Spezi-Erfolg geht allein auf Paulaner zurück, betont Other. Paulaner Spezi habe Schwip Schwap von Pepsi und Mezzo Mix von Coca-Cola überholt und sich zum Marktführer in diesem Segment entwickelt. Wenn weitere Brauereien diesem Beispiel folgen und ihre Produkte bis in die Gastronomie ausweiten, könnte dies auch einem Getränkegiganten wie Coca-Cola spürbar wehtun: Viele Bienen stechen.

Hintergrund: Der anhaltende Rückgang des Bierkonsums

Die Expansion der Brauereien in den Cola-Mix-Markt ist vor dem Hintergrund des anhaltenden Rückgangs des alkoholhaltigen Bierkonsums in Deutschland zu sehen. Nach einem historischen Einbruch um 5,8 Prozent im Jahr 2025 setzte sich die Talfahrt in den ersten Monaten des laufenden Jahres fort. 2026 wird für uns ein sehr hartes Jahr werden, eine Entspannung ist nicht in Sicht, erklärt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Die schwache Konsumstimmung belastet Handel, Gastronomie und Brauer gleichermaßen.

Ein Lichtblick stellt der Bereich der alkoholfreien Biere dar. Deren Absatz stieg nach Angaben des Verbandes im Jahr 2025 um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Alkoholfreie Biere und alkoholfreie Biermischgetränke erreichen inzwischen einen Anteil von rund 11 Prozent am gesamten Bierkonsum. Allerdings weist Veltins darauf hin, dass das Wachstum bei alkoholfreien Bieren nur etwa ein Drittel des Verlustes bei alkoholhaltigen Bieren ausgleichen konnte.

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Strukturelle Veränderungen in der Braubranche

Die Zahl der Brauereien in Deutschland geht nach einem Höchststand von 1.552 Betrieben im Jahr 2019 kontinuierlich zurück. Seitdem haben laut Brauer-Bund 137 Betriebe aufgegeben, darunter zahlreiche jahrhundertealte Brauereien. Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 27.400 jedoch nahezu unverändert. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, startet die Brauwirtschaft eine bundesweite Ausbildungskampagne, um junge Menschen für Berufe in Brauereien und Mälzereien zu gewinnen.

Nach einer Umfrage des Verbandes Private Brauereien planen 80 Prozent der Betriebe für das Jahr 2026 Investitionen – vor allem im Energiebereich. Zum anderen beschäftigen sich mittlerweile auch kleine Brauereien mit der nötigen Anlagentechnik zur Herstellung von alkoholfreien Bieren, erklärt Präsident Georg Rittmayer. Das Sortiment werde immer vielfältiger, und alkoholfreie Getränke wie Limonaden gehören für viele Brauereien seit Jahren fest zum Angebot.

Reaktionen und Ausblick

Paulaner geht sogar noch einen Schritt weiter und dringt mit einer reinen Cola in das angestammte Terrain von Coca-Cola vor. Da ist der Ausgang offen, ob das gelingt, meint Other. Nach Angaben eines Brauerei-Sprechers verlief der Start im März jedoch sehr vielversprechend.

Auf die Frage, inwieweit der Erfolg von Spezi und anderen neuen Anbietern das eigene Geschäft belaste, zeigte sich John Galvin, Deutschland-Chef von Coca-Cola, in einem Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung gelassen: Diese neuen Anbieter bringen Wachstum für die Kategorie durch neue Konsumenten. Das ist an sich keine schlechte Sache.

Für Verbraucher bedeutet die Entwicklung eine größere Auswahl an Cola-Mix-Produkten. Laut den Marktforschern von NIQ kommen viele neue Produkte auf den Markt. Der Absatz von Cola-Mix-Getränken stieg durch Aktionsangebote in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 3 Prozent. Der Durchschnittspreis lag mit 1,16 Euro je Liter um 5,6 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums.

Auch Bier ist im Handel teurer geworden: Der durchschnittliche Preis pro Liter erhöhte sich im ersten Quartal 2026 auf 1,62 Euro nach 1,57 Euro im Vorjahreszeitraum. Aktionen mit rund 10 Euro je Kasten für nationale Pilsmarken sind kaum noch zu finden, und selbst alkoholfreies Pils ist teurer geworden.