Vom DDR-Betrieb zum Weltmarktführer: Holger Loclair ist reichster Ostdeutscher
Holger Loclair: Vom DDR-Betrieb zum reichsten Ostdeutschen (08.04.2026)

Vom volkseigenen Betrieb zum globalen Konzernführer

Die außergewöhnliche Karriere von Holger Loclair zeigt eindrucksvoll, wie aus einem ehemaligen DDR-Betrieb ein international agierendes Unternehmen von Weltrang entstehen konnte. Der promovierte Chemiker begann seine berufliche Laufbahn im Jahr 1977 im VEB Spezialfarben Oranienburg, einem volkseigenen Betrieb der Deutschen Demokratischen Republik. Fast fünf Jahrzehnte später steht Loclair an der Spitze der Orafol-Gruppe und wird vom renommierten US-Wirtschaftsmagazin Forbes als reichster Mann Ostdeutschlands geführt.

Die Transformation eines Unternehmens

Der berufliche Weg Loclairs ist untrennbar mit dem Standort Oranienburg verbunden. Bereits zu DDR-Zeiten stellte der VEB Spezialfarben selbstklebende und reflektierende Folien her. Nach der politischen Wende erfolgte 1990 die Umbenennung in Orafol, und ein Jahr später wurde das Unternehmen durch die Treuhandanstalt privatisiert. Holger Loclair blieb als Geschäftsführer an Bord und führte das Unternehmen zunächst gemeinsam mit einem westdeutschen Investor weiter.

Forbes beschreibt in seinem aktuellen Profil, dass der frühere Mehrheitseigner Klaus Schmidbaur seine Anteile zwischen 2013 und 2016 schrittweise an Loclair übertrug. Heute hält der Unternehmer nach diesen Angaben 99 Prozent des Unternehmens. Orafol hat sich inzwischen zum Weltmarktführer für selbstklebende reflektierende Folien und industrielle Klebebänder entwickelt.

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Oranienburg als Herzstück der globalen Expansion

Die heutige Orafol-Gruppe produziert hochspezialisierte Materialien für Verkehrsschilder und Autokennzeichen, anspruchsvolle Fahrzeug- und Werbebeklebungen sowie Spezialklebebänder für industrielle Anwendungen. Nach Unternehmens- und Behördenangaben arbeiten weltweit rund 3.000 Menschen für den Konzern. Am Stammsitz in Oranienburg sind etwa 1.200 Beschäftigte tätig, was die Bedeutung des brandenburgischen Standorts unterstreicht.

Der Standort in Brandenburg wächst kontinuierlich weiter. Orafol investiert von 2025 bis 2027 insgesamt 150 Millionen Euro in den Ausbau des Werks. Geplant sind neue, hochautomatisierte Produktionsanlagen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens weiter stärken sollen. Staatliche Fördergelder nimmt das Unternehmen dabei nach eigenen Angaben bewusst nicht in Anspruch.

Politische Anerkennung und wirtschaftliche Bedeutung

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte das Engagement des Unternehmens bei einem Besuch im Januar 2026 ausdrücklich. Orafol stehe exemplarisch für die industrielle Leistungsfähigkeit des Landes, betonte Woidke. Die umfangreichen Investitionen trügen maßgeblich dazu bei, wertvolle Arbeitsplätze zu sichern und die industrielle Basis Brandenburgs nachhaltig zu stärken.

Das Vermögen des Unternehmers

Wie hoch das private Vermögen Holger Loclairs tatsächlich ist, lässt sich nicht amtlich beziffern. Alle Angaben beruhen auf Schätzungen verschiedener Wirtschaftsmagazine. Forbes führt Loclair aktuell mit einem sogenannten Real Time Net Worth von 1,8 Milliarden US-Dollar, was etwa 1,5 Milliarden Euro entspricht, und bezeichnet ihn als einzigen Milliardär aus dem Gebiet der ehemaligen DDR.

Zuvor hatten andere Medien niedrigere Schätzungen veröffentlicht. Das Manager Magazin bezifferte Loclairs Vermögen 2023 auf rund 600 Millionen Euro. Business Insider nannte 2025 unter Berufung auf verschiedene Reichenlisten eine Größenordnung von etwa 700 Millionen Euro. Eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung kam bereits 2023 zu dem Schluss, dass das Vermögen die Milliardenmarke erreichen dürfte, sofern sich das beeindruckende Unternehmenswachstum fortsetzt.

Verankerung in der Region

Trotz der internationalen Ausrichtung und weltweiten Geschäftsaktivitäten ist Orafol seinem Ursprungsstandort in Brandenburg treu geblieben. Die Region profitiert in vielfältiger Weise von den Arbeitsplätzen, den Gewerbesteuereinnahmen und den kontinuierlichen Investitionen des Unternehmens. Holger Loclair selbst hält sich mit öffentlichen Auftritten eher zurück. In seltenen Interviews betonte er wiederholt, dass ein großer Teil seines Vermögens im Unternehmen gebunden sei – vor allem in modernen Produktionsanlagen, innovativer Technologie und internationalen Tochtergesellschaften.

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Die Erfolgsgeschichte von Holger Loclair und Orafol zeigt eindrucksvoll, wie aus den Strukturen der ehemaligen DDR ein global agierendes Unternehmen entstehen konnte, das nicht nur wirtschaftlichen Erfolg generiert, sondern auch die Region Brandenburg nachhaltig stärkt und prägt.