Unicredit verschärft Kritik an Commerzbank-Modell
Die italienische Großbank Unicredit hat ihre Kritik am Geschäftsmodell der Commerzbank deutlich verschärft. Seit September 2024 wirbt Unicredit-Chef Andrea Orcel aktiv für eine Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns und hält den Übernahmekampf mit grundsätzlichen Vorwürfen am Leben.
Strukturelle Schwächen und kurzfristige Ausrichtung
In einer aktuellen Präsentation mit dem Titel „Commerzbank. Ein neues Kapitel“ wirft Unicredit der Commerzbank vor, eine „Geschichte operativer Underperformance“ zu schreiben. Das Institut sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen überbewertet und weise strukturelle Schwächen auf. „Unicredit ist als bedeutender Aktionär der Ansicht, dass die Commerzbank auf zukünftige Herausforderungen unzureichend vorbereitet ist und sich zu sehr auf kurzfristigen Erfolg konzentriert“, teilt das italienische Geldhaus mit.
Forderungen für strategische Neuausrichtung
Die Unicredit fordert eine umfassende Repositionierung der Commerzbank, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Konkret schlägt das italienische Institut vor:
- Beschleunigung des Wachstums durch Fokus auf Investitionen und Transformation
- Verstärkung der Aktivitäten in Deutschland und Polen
- Rückführung der internationalen Geschäfte, die als überdimensioniert, fragmentiert, risikoreicher und ineffizient bewertet werden
Übernahmebemühungen und Widerstand
Unicredit, die mit einem direkten Anteil von 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank ist und nach jüngsten Angaben insgesamt Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Anteile hat, hatte Mitte März ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien angekündigt. In einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai will sich die Unicredit die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einholen.
Die Commerzbank sieht hingegen keinen Mehrwert in einem Zusammenschluss der beiden Großbanken und weist das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen Orcels zurück. Anfang Mai will die Commerzbank neue Finanzziele verkünden, um ihre Unabhängigkeit zu unterstreichen.
Europäischer Kontext der Bankenübernahme
Hinter den Übernahmebemühungen steht die Überzeugung von Unicredit-Chef Andrea Orcel, dass Europa im Wettlauf mit starken US-Geldhäusern größere Banken benötigt. Die geplante Fusion soll daher nicht nur die Position beider Institute stärken, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Bankensektors insgesamt verbessern.



