Ausbildungsabbruch führt zu massiven Einkommenseinbußen bei sozial Benachteiligten
Eine aktuelle Studie belegt, dass der Abbruch einer beruflichen Ausbildung besonders für junge Menschen aus sozial schwächeren Verhältnissen langfristig teuer wird. Die gemeinsame Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Universitäten Bamberg und Bielefeld sowie des schwedischen Instituts für Sozialforschung zeigt deutliche Einkommensunterschiede zwischen Ausbildungsabbrechern und -absolventen.
Bis zu 45 Prozent weniger Einkommen über zehn Jahre
Die Forschungsergebnisse sind alarmierend: Sozial benachteiligte Jugendliche, die ihre Ausbildung vorzeitig beenden, erzielen in den ersten zehn Jahren nach dem Abbruch durchschnittlich nur etwa die Hälfte des Einkommens vergleichbarer Absolventen. Konkret bedeutet dies einen Einkommensverlust von durchschnittlich 45 Prozent.
Während Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien mit abgeschlossener Ausbildung im Untersuchungszeitraum von zehn Jahren durchschnittlich 153.000 Euro verdienten, belief sich das Einkommen der Abbrecher auf lediglich 82.000 Euro. Diese Zahlen verdeutlichen die gravierenden finanziellen Konsequenzen eines vorzeitigen Ausbildungsendes.
Soziale Herkunft entscheidet über langfristige Folgen
Interessant ist der deutliche Kontrast zu Jugendlichen aus sozial besser gestellten Familien. Bei dieser Gruppe zeigen sich den Forschungsergebnissen zufolge keine signifikanten Einkommensnachteile durch einen Ausbildungsabbruch. Trotz des vorzeitigen Endes ihrer ersten Ausbildung erreichen sie langfristig vergleichbare Einkommensniveaus wie ihre Altersgenossen mit regulärem Abschluss.
„Die Folgen eines Ausbildungsabbruchs hängen auch mit den verfügbaren sozialen Ressourcen zusammen“, betonte IAB-Forscherin Kerstin Ostermann. Jugendliche aus nicht benachteiligten Haushalten nehmen nach einem Abbruch deutlich häufiger erneut eine Ausbildung auf oder nutzen sogenannte Zweite-Chance-Wege.
Unterschiedliche Bewältigungsstrategien
Die Studie zeigt, dass die soziale Herkunft nicht nur den Bildungserfolg beeinflusst, sondern auch die Möglichkeiten, mit Rückschlägen umzugehen. Während sozial besser gestellte Jugendliche oft über Netzwerke und finanzielle Ressourcen verfügen, um alternative Bildungswege zu beschreiten, haben benachteiligte Jugendliche deutlich weniger Optionen.
Die Untersuchung macht deutlich, dass der Ausbildungsabbruch an sich nicht zwangsläufig zu dauerhaften Nachteilen führen muss. Entscheidend ist vielmehr, welche Unterstützungssysteme und Alternativen den Jugendlichen nach dem Abbruch zur Verfügung stehen. Hier zeigt sich eine deutliche soziale Schieflage im deutschen Bildungssystem.



