Berlin hält an Lehrerverbeamtung fest: Keine Kehrtwende trotz Kostendebatte
Berlin hält an Lehrerverbeamtung fest: Keine Kehrtwende

Berlin verteidigt Lehrerverbeamtung gegen sächsische Kritik

Die Diskussion um die Verbeamtung von Lehrkräften erhält neuen Schwung, doch Berlin signalisiert Beständigkeit. Trotz kritischer Stimmen aus Sachsen und angespannter Haushaltslagen in vielen Bundesländern sieht die Berliner Bildungsverwaltung unter Senatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) keinen Grund für eine erneute Kehrtwende. Nach fast zwei Jahrzehnten Unterbrechung kehrte die Hauptstadt 2023 zur Verbeamtung von Lehrkräften zurück – eine Entscheidung, die sich nach Angaben der Verwaltung bewährt hat.

Positive Bilanz trotz finanzieller Bedenken

„Aktuell sind keine Änderungen an der bestehenden Regelung zur Verbeamtung von Lehrkräften vorgesehen“, betonte Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung. Die Erfahrungen seit der Wiedereinführung seien durchweg positiv: Es gebe weniger unbesetzte Stellen, und mehr Referendare blieben nach ihrem Vorbereitungsdienst in Berlin, anstatt für eine Verbeamtung in andere Bundesländer abzuwandern. Diese Entwicklung wertet die Verwaltung als klaren Beleg für den Erfolg der Maßnahme.

Dennoch steht das Thema bei der Bildungsministerkonferenz in Berlin zumindest am Rande auf der Agenda. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) hatte die Lehrerverbeamtung bereits im Januar als „aus der Zeit gefallen“ kritisiert und sich für eine Abschaffung nach 2030 ausgesprochen. Sein Hauptargument: Die hohen Kosten für Lehrerpensionen belasten die Länderhaushalte erheblich – eine Sorge, die angesichts der schwierigen finanziellen Lage vieler Bundesländer durchaus geteilt wird.

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Finanzsenator warnt vor „Weiter-so“

Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) blickt mit berufsbedingter Skepsis auf die Verbeamtungspraxis. „Derzeit befinden sich die Länder in einem intensiven Austausch über ihre künftige Verbeamtungspraxis“, teilte er mit und machte deutlich: „Es kann nicht weitergehen wie bisher.“ Seine Äußerung unterstreicht die Spannung zwischen bildungspolitischen Zielen und haushalterischen Realitäten.

Der Bildungsexperte der Berliner SPD-Fraktion, Marcel Hopp, teilt zwar „ganz viel von der Kritik an der Verbeamtung“, hält eine Abschaffung aber für unrealistisch. Bundesweit sei der Finanzdruck groß, und die Diskussion über die Verbeamtung sei eine direkte Folge davon. Eine gemeinsame Position aller Landesminister für eine Abschaffung könne er sich jedoch nicht vorstellen.

Verbeamtung als Standortfaktor im Lehrermangel

Hopp betont die praktischen Vorteile der Verbeamtung im Kampf gegen den Lehrermangel: „Lehrkräfte werden weiterhin gesucht.“ Die Verbeamtung gelte als starkes Argument, sich für den Schuldienst zu entscheiden und im Beruf zu bleiben. Die Berliner SPD, die lange gegen die Verbeamtung war, sei nicht zuletzt aus diesem Grund umgeschwenkt.

Ein Rückfall in einen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen dürfe es nicht wieder geben, warnt Hopp. In der Vergangenheit hätten sich Bundesländer mit und ohne Verbeamtung gegenseitig Konkurrenz um den Lehrernachwuchs gemacht. Berlin, das als letztes Bundesland zur Verbeamtung zurückgekehrt sei, werde nun nicht als erstes wieder aussteigen: „Deswegen ist jetzt nicht von Berlin zu erwarten, dass wir die Ersten sind, die sagen: Wir gehen da wieder raus.“

Bei der Bildungsministerkonferenz steht das Thema allerdings nicht im Zentrum. „Das Thema wird unter dem Tagesordnungspunkt 'Verschiedenes' behandelt“, so Klesmann. Damit bleibt die Lehrerverbeamtung vorerst ein steter Begleiter der Bildungspolitik – gelobt von einigen, beargwöhnt von anderen, aber in Berlin weiterhin auf festem Grund.

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