Brandenburgs Bildungsminister warnt vor historischem Lehrermangel
Brandenburgs neuer Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) hat in seiner ersten Sitzung vor dem Bildungsausschuss des Landtags schwere Warnungen ausgesprochen. Dem Bundesland droht im kommenden Schuljahr der größte Lehrermangel seiner Geschichte, verbunden mit den höchsten Schülerzahlen aller Zeiten.
Heimkehr in den Bildungsausschuss
Nach nur einer Woche im Amt kehrte Hoffmann an einen vertrauten Ort zurück: den Bildungsausschuss, dem er von 2009 bis 2024 als bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion angehört hatte. Diesmal nahm der Prignitzer Christdemokrat jedoch den Platz des Ministers ein – direkt vor der Videoleinwand und neben der Ausschussvorsitzenden Annemarie Wolff (SPD).
„Ich kenne den Ausschuss aus 15 Jahren Mitgliedschaft als Abgeordneter“, betonte Hoffmann. „Mir ist es ein wichtiges und ernsthaftes Anliegen, die Parlamentarier eng einzubeziehen.“ Aus diesem Grund zog der Minister die Ausschusssitzung sogar der zeitgleich tagenden Konferenz der Bildungsminister der Länder vor.
Dramatische Prognosen für das Schulsystem
Die Zahlen, die Hoffmann präsentierte, sind alarmierend: „In diesem und in den nächsten Jahren scheiden besonders viele Lehrkräfte aus dem Dienst aus“, erklärte der Minister. „Wir werden im nächsten Schuljahr die höchsten Schülerzahlen und den größten Lehrermangel erleben.“
Besonders problematisch ist die unterschiedliche Situation zwischen ländlichen Regionen und dem Berlin-nahen Raum. Durch Stellenkürzungen der Vorgängerregierung konnten im vergangenen Jahr zahlreiche Seiteneinsteiger nicht eingestellt werden, die normalerweise weiterqualifiziert und später als ausgebildete Lehrer übernommen werden könnten.
„Man sieht deswegen schon jetzt, dass es wahnsinnig schwer werden wird, alle benötigten Lehrer einzustellen, um die Stundentafel einzusetzen“, so Hoffmann. „Es wird in vielen Bereichen sehr, sehr schwierig werden, und ich kann nicht garantieren, dass wir die Absicherung der Stundentafel so hinbekommen, wie wir es bisher geschafft haben.“
Inhaltliche Schwerpunkte trotz Personalmangels
Trotz der personellen Herausforderungen möchte Hoffmann inhaltliche Akzente setzen. „Was ich mir persönlich auf die Fahnen geschrieben habe, ist die Förderung der Basiskompetenzen“, erklärte der Bildungsminister. „Wir wollen eine Lesen-Schreiben-Rechnen-Offensive starten.“
Geplant sind Lese- und Rechenbänder in Grundschulen sowie eine Erweiterung der Stundentafel für die ersten vier Schuljahre um eine zusätzliche Deutschstunde – ohne dass andere Fächer gestrichen werden. Damit absolvieren Schüler bis zum Ende der vierten Klasse insgesamt 94 statt bisher 93 Wochenstunden Unterricht.
Zum 31. Juli will Brandenburg zudem die Vereinbarung über gemeinsame Rahmenlehrpläne mit Berlin kündigen. Die bestehenden Lehrpläne sollen zunächst weiter genutzt, dann aber sukzessive durch neue, brandenburgische Lehrpläne ersetzt werden, die Klassenstufe für Klassenstufe eingeführt werden.
Überprüfung des Entlastungssystems für Lehrer
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Evaluierung des Systems der Anrechnungs- und Entlastungsstunden für Lehrer. „Wenn wir alles zusammenzählen, kommen wir auf 2.400 VZE pro Schuljahr, die wir für Entlastungsstunden ausgeben“, rechnete Hoffmann vor. „Das ist eine riesige Ressource.“
Eine Arbeitsgruppe soll nun das bestehende System überprüfen und dabei Schulleitungen, Lehrer, Eltern und Schüler anhören. „Wir wollen die knappen Ressourcen optimal für die Schulqualität einsetzen, damit sie den Schülern zu Gute kommen“, betonte der Minister.
Weitere Zuständigkeiten: Jugend und Sport
Gordon Hoffmann ist nicht nur Bildungsminister, sondern auch für die Bereiche Jugend und Sport zuständig. Bereits in dieser Woche setzte er hier ein erstes Signal: In einem Beitrag in sozialen Netzwerken forderte er eine fairere Aufstiegsregelung von der Fußball-Regionalliga Nordost in die dritte Bundesliga.
„Unser Nordostdeutscher Fußballverband hat in der seit 2017 bestehenden Aufstiegsregelung das Nachsehen“, kritisierte Hoffmann. „Eine starke Saisonleistung hilft nicht, wenn man gegen einen anderen Regionalmeister erst in die Relegation muss.“ Denn für fünf Meister gebe es nur vier Aufstiegsplätze in die 3. Liga – hier müsse der DFB dringend eine Lösung mit dem NOFV finden.



