Brandenburgs Eltern dringen auf mehr Geld für Schulen angesichts drohender Unterrichtskrise
Potsdam • Der Landeselternrat Brandenburg reagiert mit deutlicher Besorgnis auf die jüngste Ankündigung von Bildungsminister Gordon Hoffmann, der für das kommende Schuljahr den bisher größten Mangel an Lehrkräften prognostiziert. Die Elternvertretung appelliert eindringlich an die SPD/CDU-Koalition, bei der Aufstellung des künftigen Haushalts ausreichend finanzielle Mittel für den Bildungsbereich zu veranschlagen.
Minister erwartet historischen Lehrermangel
Der neue Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) hatte im Bildungsausschuss des Landtags klargestellt, dass Brandenburg vor einer beispiellosen Herausforderung steht. „Wir werden im nächsten Schuljahr den absoluten Höhepunkt erleben mit den höchsten Schülerzahlen in Brandenburg und dem größten Lehrermangel“, erklärte Hoffmann am Donnerstag. Er könne nicht garantieren, die Absicherung der Stundentafel im bisherigen Umfang aufrechterhalten zu können.
Elternrat warnt vor gravierenden Konsequenzen
Matthias Knoll, Sprecher des Landeselternrats, betonte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur die Dringlichkeit der Situation. „Das Wichtigste ist, dass der Haushalt so sein muss, dass in die Bildung investiert wird“, so Knoll. Er äußerte die Hoffnung, dass fehlende Lehrer durch alternative Lösungen abgefedert werden könnten, etwa durch die Gewinnung von Seiteneinsteigern.
In einem internen Schreiben des Landeselternrats heißt es weiter: „Zwar sieht der Koalitionsvertrag die Schaffung von 250 zusätzlichen Stellen vor, mit dem Ziel, die Schüler-Lehrer-Relation stabil zu halten. Doch Stabilisierung allein reicht nicht aus – notwendig ist eine spürbare Verbesserung.“
Unterrichtsausfälle erreichen alarmierende Dimensionen
Die aktuelle Situation ist bereits jetzt prekär. Laut Angaben des Elternrats fallen derzeit rund zwei Millionen Unterrichtsstunden pro Jahr aus oder können nicht planmäßig stattfinden. „Wir sehen daher die Sicherung der Stundentafel in ernster Gefahr“, warnt der Landeselternrat. Vor diesem Hintergrund werben die Eltern für die Volksinitiative „Unterricht statt Ausfall“.
Hintergrund: Stellenkürzungen und Mehrbelastungen
Die Probleme haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich verschärft:
- Die Zahl der Lehrerstellen im Haushalt 2025 wurde um 345 Vollzeitstellen reduziert.
- Seit dem zweiten Schulhalbjahr müssen die meisten Lehrkräfte eine Stunde pro Woche mehr unterrichten, was zu Protesten führte.
- Wegen der Stellenkürzungen konnten im vergangenen Schuljahr laut Minister Hoffmann zahlreiche Seiteneinsteiger nicht eingestellt werden.
Der Landeselternrat betont, dass die angekündigte Stabilisierung der Schüler-Lehrer-Relation durch 250 zusätzliche Stellen bei weitem nicht ausreicht, um die Qualität des Unterrichts zu gewährleisten. Angesichts steigender Schülerzahlen und eines sich verschärfenden Lehrermangels fordern die Elternvertreter eine nachhaltige und ausreichende Finanzierung des Bildungssystems, um eine weitere Verschlechterung der Unterrichtssituation zu verhindern.



