Neue Führung an der Technischen Universität Berlin
An einer der größten Hochschulen Deutschlands steht ein Wechsel an der Spitze bevor: Ab dem 1. April übernimmt Fatma Deniz das Amt der Präsidentin der Technischen Universität (TU) Berlin. Die 43-jährige Informatikerin folgt auf ihre teils umstrittene Vorgängerin Geraldine Rauch, die bei der Wahl im Dezember abgewählt wurde. Deniz' Amtszeit ist auf vier Jahre festgelegt, und sie blickt mit einem Gefühl der Demut auf ihre neue Verantwortung, wie sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betont.
Akademische Karriere einer Überfliegerin
Bereits während ihrer Schulzeit in der Türkei zeichnete sich die in München geborene Deniz durch herausragende Leistungen aus. An einem Gymnasium in Bursa, im Nordwesten des Landes, war sie nach eigenen Angaben Jahrgangsbeste. Ihr Studium der Informatik absolvierte sie an der Technischen Universität München, gefolgt von Lehr- und Forschungsaufenthalten in Kalifornien. Im Jahr 2008 führte sie ihre Promotion erstmals nach Berlin, wo sie am Bernstein Center for Computational Neuroscience und der TU Berlin tätig war. Seit 2023 ist sie Professorin für Informatik an der TU, seit 2024 bekleidet sie das Amt der Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Interdisziplinärer Ansatz und kulturelle Verwurzelung
Als Informatikerin und Neurowissenschaftlerin arbeitet Deniz sehr interdisziplinär, wie sie erklärt. An der Schnittstelle dieser Bereiche beschäftigt sie sich mit Themen wie Künstlicher Intelligenz und Datenverarbeitung. Diese breite Perspektive sei besonders wertvoll für die Leitung einer großen Universität mit sieben Fakultäten und vielfältigen Fachrichtungen. „Ich glaube, dieser Blick hilft mir enorm“, sagt sie. Aus der Türkei erhält sie viel Resonanz und Interesse. „Viele Rückmeldungen, die ich bekommen habe, waren auch mit Stolz verbunden“, berichtet Deniz. „Diese Interkulturalität ist ein natürlicher Teil von mir. Es ist nicht etwas, was ich zusätzlich repräsentiere, sondern es ist Teil meiner Biografie und Teil meines Seins.“
Herausforderungen und Visionen für die TU Berlin
Ihre neue Rolle als Präsidentin reizt Deniz aus mehreren Gründen: Zum einen das Verantwortungsbewusstsein, eine Universität zu gestalten, zum anderen die Freude daran, anderen Forschenden exzellente Arbeit zu ermöglichen. „Als Präsidentin habe ich die Chance, vielen Forschenden zu ermöglichen, ihre exzellente Arbeit voranzutreiben – und das reizt mich sehr“, erklärt die 43-Jährige. Mit Demut blickt sie darauf, Repräsentantin von rund 34.000 Studierenden zu sein, die im Oktober vergangenen Jahres an der TU eingeschrieben waren. Besonders wichtig sind ihr exzellente Forschung und der Transfer in die Gesellschaft, ebenso wie die digitale Transformation. Allerdings stehen auch schwierige Aufgaben an: Budgetkürzungen von 65 Millionen Euro bis Ende 2028, was 15 Prozent des Haushalts entspricht, und ein Sanierungsstau von 2,4 Milliarden Euro für marode Gebäude. „Die finanzielle Haushaltslage und die Budgetkürzungen sind große Herausforderungen, auch unsere Bausubstanz. Was das anbelangt, ist die Stimmung insgesamt bedrückend“, sagt Deniz. Sie plant, auf die Expertise innerhalb der TU zurückzugreifen, um Prozesse zu beschleunigen.
Unterschiede zur Vorgängerin und nächste Schritte
Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Geraldine Rauch, die durch politische Äußerungen zum Gaza-Krieg Kritik erntete, will Deniz sich öffentlich zurückhaltender positionieren. „Ich sehe meine Rolle als Universitätspräsidentin bei hochschulpolitischen Angelegenheiten und natürlich darin, die Technische Universität Berlin bestmöglich nach außen mit ihren Themen und Anliegen zu vertreten. Aber darüber hinaus, nein, mein Fokus ist die Leitung und Gestaltung der Universität“, betont sie. Am 1. April bezieht sie ihr neues Büro, von wo aus sie auf die Baustelle des neu entstehenden Tuliums blickt, ein Transfer- und Ausstellungsgebäude der TU. Ihre Inauguration findet am 16. April statt, zeitgleich mit einem Festakt zum 80-jährigen Bestehen der Universität. Deniz und ihr neues Präsidium müssen zudem klären, ob sie den Änderungsvertrag zu den Hochschulverträgen unterzeichnen, der jährliche Mittelsteigerungen von 3 bis 3,5 Prozent vorsieht – eine Entscheidung, die gemeinsam getroffen wird.



