Kreisvolkshochschule Uckermark: Kann Bildung in jedes Dorf kommen?
Die Kreisvolkshochschule (KVHS) Uckermark verfügt über drei Regionalstellen, darunter die in Prenzlau. Doch wie steht es um die Bildungsmöglichkeiten in den entlegenen Dörfern der Region? Lern- und wissbegierige Bürger können ihre Wünsche äußern, aber ob die KVHS mit ihren Angeboten tatsächlich vor jede Haustür kommt, darüber sprach Michaela Kumkar mit Leiterin Jeannette Stockmann de Caro.
Bildungsangebote jenseits der Regionalstellen
Grundsätzlich ist die Kreisvolkshochschule bestrebt, im gesamten Landkreis Bildungsangebote zu unterbreiten – nicht nur in den Mittelzentren. Damit soll einer strukturellen Ungleichheit entgegengewirkt werden. Menschen, die nicht mobil sind oder aufgrund von Pflege- oder Betreuungsaufgaben zeitlich eingeschränkt sind, sollen dennoch nicht von Bildung ausgeschlossen sein.
Obwohl der Planungs- und Organisationsaufwand an Orten ohne vhs-Standorte höher ist, bieten diese Angebote auch Chancen. Ein positiver Effekt kann sein, dass die Hemmschwelle von Interessenten sinkt, Angebote vor Ort in vertrauter Umgebung mit vertrauten Personen wahrzunehmen. Von 2023 bis 2025 arbeitete die KVHS Uckermark im Rahmen der Qualitätsentwicklung konzeptionell an der Erweiterung der Angebote im ländlichen Raum unter dem Titel „vhs-vor Ort“.
Seit einem Jahr fasst die Volkshochschule Kurse „vor Ort“ in einer Liste zusammen, die sich auf den ersten Seiten des halbjährlich erscheinenden Programmheftes findet. Das Grundbildungszentrum der KVHS ist im Bereich der Alphabetisierung regelmäßig mit einem „Mobilen Lerncafé“ uckermarkweit im Einsatz.
Schwankendes Kursangebot in den Vorjahren
Angebotsbreite, Anzahl und durchgeführte Kurse sind in jedem Semester schwankend, da unterschiedliche Faktoren darauf Einfluss haben. Dazu gehören unter anderem verfügbare und engagierte Kursleitungen, preiswerte Raumnutzung im ländlichen Raum, Multiplikatoren wie Vereine, aktive Kommunen, engagierte Ortsvorstände, Kulturverbände, Künstler, Handwerker sowie offene Einwohner mit städtischem oder interkulturellem Hintergrund.
Ein Beispiel aus Lychen zeigt die Herausforderungen: Die Angebote der KVHS dort zurückzufahren ist nicht beabsichtigt. Doch durch Corona und fehlende Dozenten sind langjährige Angebote weggebrochen, wie zum Beispiel Englisch. Der Neustart wurde mehrfach versucht, ist aber nicht gelungen, weil es bislang zu wenige Anmeldungen gab. Mit passenden Dozenten und bei Nachfrage kann ein Angebot jederzeit neu installiert werden.
Die Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmenden dann auch fast ausschließlich aus den Orten kommen. Templiner fahren bis auf Ausnahmen eher nicht nach Warthe zur Gymnastik. Ein weiteres Beispiel: Pilates ist in Templin immer ausgebucht, meist gibt es eine Warteliste. Ein Alternativangebot in Storkow konnte mangels Teilnehmer nicht gestartet werden. Nach zwei Semestern wurde der Kurs dann aus dem Programm genommen.
Herausforderungen bei Räumen und Dozenten
Wie schwierig ist es, in Gemeinden geeignete Räume beziehungsweise Dozenten für solche Kurse zu finden? Gibt es Beispiele für eine gute Zusammenarbeit mit Gemeinden? Wenn aktive Menschen oder Initiativen im Ort sind, werden innovative und interessante Angebote stärker wahrgenommen.
Hier einige positive Beispiele:
- Sport in Ludwigsburg (Anfrage erfolgte durch Bürger aus dem Ort)
- Kultur, Sprache, Sport und Ausstellungen in Brüssow auf der Basis einer Kooperationsvereinbarung mit einem Verein vor Ort und aktive Mitarbeiter der KVHS im Kulturnetzwerk Brüssow und Amt Brüssow
- Yoga, Gymnastik, Meditation in Wolletz
Von 2023 bis 2025 gab es regelmäßig eintägige Kurse in Groß Dölln. Die Zusammenarbeit mit dem Ortsvorsteher/Ortsbeirat klappte hervorragend. Die KVHS kümmerte sich um das Angebot und Kursleiter. Vor Ort wurde der Raum organisiert und vorbereitet sowie Werbung gemacht.
Kursleitende zu finden, ist generell sehr schwierig, besonders in den kleineren Orten. Dafür müssen die Kursleitenden mobil sein und zusätzlich Fahrtzeit investieren. Idealerweise kommen sie aus den Orten. Das klappt aber nur manchmal.
Für den Bereich Templin gibt es erste Überlegungen, gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Angebote zu unterbreiten. Die KVHS versucht immer auch in Netzwerken aktiv zu sein und Kooperationspartner vor Ort zu finden. Ein weiteres gutes Beispiel ist die geschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen dem Amt Brüssow und der KVHS über die kostenfreie Nutzung von Gemeinderäumen für Bildungsangebote.
Besonders gefragte Kurse in Dörfern
Welche Kurse sind bei Menschen, die in Dörfern zu Hause sind, besonders gefragt? Dazu ein ganz aktuelles Beispiel: Der Kurs „Letzte Hilfe“ wird in Kooperation mit dem Hospizverein reihum in Gemeinden vor Ort über die KVHS angeboten. Der Kurs war im Herbst in Lychen und jetzt im März in Boitzenburg ausgebucht.
Reaktion auf gezielte Interessen aus Gemeinden
Hat der Landkreis als Träger der Kreisvolkshochschule Möglichkeiten, auf gezielte Interessen an Kursen aus den Gemeinden zu reagieren? Die KVHS in Trägerschaft des Landkreises muss von Anfragen Kenntnis haben, um Bedingungen wie Raumfrage, Honorarmittel, Verfügbarkeit und Anfahrt der Kursleitungen zu klären. Dann versuchen wir, ein passendes Angebot zu planen, zu organisieren und durchzuführen.
Was uns dabei hilft, sind Kurswünsche und Bedarfe von Interessenten, Gemeindevertretern, Ortsbeiräten etc. Und natürlich auch Offerten von Kursleitern. Wir freuen uns über Wünsche und Angebote! Bitte einfach Kontakt mit der KVHS aufnehmen.



