Martensteins scharfe Kritik an Geschichtsbildung in Deutschland
Harald Martenstein hat in seiner täglichen Kolumne für BILD die umstrittenen Äußerungen von Martha Wüthrich, der Bundessprecherin der Linksjugend, kommentiert. Die 72-jährige Politikerin und Tischler-Auszubildende hatte auf TikTok einen Film veröffentlicht, in dem sie sich zum Krieg in Gaza äußerte und dabei erklärte: „Das ist ein fucking Holocaust. Das ist der Holocaust!“
Parteidisziplinarverfahren mit mildem Ausgang
Obwohl es einen Antrag gab, Wüthrich wegen Holocaust-Verharmlosung und Antisemitismus aus der Linkspartei auszuschließen, wurde dieser nicht angenommen. Stattdessen ruhen ihre Mitgliedsrechte lediglich für zwei Jahre. Sie bleibt weiterhin Chefin der Linksjugend.
Martenstein äußert in seiner Kolumne überraschenderweise Verständnis für mildernde Umstände: „Vermutlich hatten Sie keine Ahnung, was der fucking Holocaust war. Immerhin haben Sie das Wort schon mal gehört. Es gab bei Ihnen so ein Bauchgefühl, dass der Holocaust irgendwie nicht okay gewesen ist.“
Fundamentale Kritik am deutschen Geschichtsunterricht
Der Kolumnist nutzt den Vorfall für eine grundlegende Kritik am Zustand der historischen Bildung in Deutschland. „In Deutschland wird der Geschichtsunterricht seit Jahren hinuntergefahren, man könnte fast denken: systematisch“, schreibt Martenstein.
Er verweist auf ein Berliner Vorhaben, das kürzlich gestoppt wurde: Schüler sollten dort das Abitur ablegen können, ohne jemals auch nur ein Wort über die DDR gehört zu haben. Erst Proteste hätten dieses Projekt verhindert.
Ironische Darstellung historischer Unkenntnis
Martenstein illustriert seine Kritik mit satirischen Beispielen möglicher historischer Verwirrungen:
- Die Kaiserzeit werde mit dem Versicherungswerbespot verwechselt
- Die Ottonen seien eine Erfindung von Otto Waalkes
- „DDR“ werde für eine Rundfunkanstalt gehalten
Abschließend wendet er sich direkt an Wüthrich: „Frau Wüthrich, keine Sorge, Sie werden ihren Weg schon machen. Venceremos!“ Mit diesem spanischen Kampfruf („Wir werden siegen!“) beendet Martenstein seine Kolumne, die eine scharfe Kritik sowohl an der politischen Äußerung als auch am Zustand der Geschichtsvermittlung in Deutschland darstellt.



