Parchimer Flughafen-Streit: Bundesmarine-Interesse kollidiert mit Logistik-Investitionen
Flughafen Parchim: Marine-Interesse vs. Logistik-Investitionen

Parchimer Flughafen-Streit: Bundesmarine-Interesse kollidiert mit Logistik-Investitionen

Die Entscheidung der Parchimer Stadtvertreter, eine mögliche Nutzung des stillgelegten Flughafens Schwerin-Parchim durch die Bundesmarine zu befürworten, sorgt für erhebliche Verwirrung und wirft zahlreiche Fragen auf. Die Stadt ist nicht einmal Eigentümerin des Geländes, und das Areal wird bereits seit mehreren Jahren von einem Transport- und Logistikunternehmen als Umschlagplatz für die Automobilindustrie genutzt – mit klaren Plänen für die Zukunft.

Logistikunternehmen fühlt sich übergangen

Der nordrhein-westfälische Fahrzeuglogistiker Fehrenkötter betreibt auf dem Flughafen ein großes Fahrzeugzentrum für Neu- und Gebrauchtwagen, die europaweit ausgeliefert werden. Nach Unternehmensangaben stehen derzeit rund 10.000 Fahrzeuge in Parchim. Bei Fehrenkötter hat die Meldung über die Resolution der Stadtvertreter für Verwunderung gesorgt.

Sebastian Kraemer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Fehrenkötter, erklärte: „Wir haben am Standort Parchim erhebliche Investitionen in ein neues Fahrzeugzentrum getätigt – einige hunderttausend Euro in den vergangenen Jahren – und wollen das Gelände langfristig nutzen.“ Weder die Stadt noch die Marine hätten bislang mit dem Unternehmen gesprochen. „Offiziell wissen wir von nichts“, so Kraemer weiter.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Allzu viel Bedeutung misst Kraemer dem Beschluss nicht bei. Bei der Resolution der Stadtvertreter handele es sich um ein rein politisches Statement. Entscheidungsbefugnis hätten sie in der Flughafen-Frage nicht. Das Logistikunternehmen verweist auf langfristige Verträge für die Nutzung der Fläche mit einer chinesischen Grundstücksgesellschaft.

Marine prüft Standortoptionen in Mecklenburg-Vorpommern

Die Bundesmarine prüft derzeit neue Standortoptionen in Mecklenburg-Vorpommern. Ende Januar fanden nach Angaben der Stadt Parchim Gespräche mit Vertretern der Marine statt. Axel Schott, Stadtsprecher von Parchim, erklärte: „Die Marine hat ein Auge auf uns geworfen.“ Mit der positiven Positionierung der Stadtvertretung sei eine Voraussetzung erfüllt, auf die die Deutsche Marine der Bundeswehr bestanden habe.

Die Stadt sehe großes Potenzial für die Entwicklung des Flughafens, wäre jedoch aufgrund der Eigentumsverhältnisse an den Plänen zur weiteren Nutzung nicht direkt beteiligt. „Da sind Bund und Bundeswehr im Boot“, so Schott. Die Stadtvertreter begrüßen zwar eine mögliche militärische Nutzung, doch die Realität vor Ort zeigt, dass das Gelände bereits aktiv und mit erheblichen Investitionen genutzt wird.

Dieser Konflikt zwischen politischen Ambitionen und wirtschaftlichen Realitäten unterstreicht die komplexen Herausforderungen bei der Nachnutzung stillgelegter Flughäfen in strukturschwachen Regionen. Während die Marine nach neuen Standorten sucht, müssen bestehende Nutzer und ihre Investitionen berücksichtigt werden, um Planungssicherheit zu gewährleisten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration