Sachsen verzeichnet besorgniserregenden Rekord bei Schulabbrechern
Die Zahl der Jugendlichen in Sachsen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, hat einen historischen Höchststand erreicht. Im Schuljahr 2024/2025 waren insgesamt 3.210 Schülerinnen und Schüler betroffen - darunter 1.924 Jungen und 1.286 Mädchen. Diese alarmierenden Zahlen gehen aus einer Kleinen Anfrage der Fraktion Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Sächsischen Landtag hervor und wurden zuerst von der Sächsischen Zeitung und der Leipziger Volkszeitung berichtet.
Besorgniserregende Entwicklung über zehn Jahre
Die Entwicklung zeigt eine deutliche Verschärfung der Situation: Innerhalb eines einzigen Schuljahres stieg der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss um etwa fünf Prozent. Im Zehn-Jahres-Vergleich hat sich die Zahl sogar um mehr als ein Viertel erhöht. Claudia Maaß, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), bezeichnet diese Entwicklung als "Tragödie" und fordert ein grundlegendes Umsteuern in der Bildungspolitik.
Experten fordern konkrete Maßnahmen
Die GEW-Vizechefin betont die Dringlichkeit von strukturellen Veränderungen: "Jedes Kind, das uns in der Schule verloren geht, ist eine Tragödie. Wir brauchen dringend mehr Unterstützungsangebote, intensivere Deutschförderung als Zweitsprache, faire Ausgleichsregelungen für Kinder und Jugendliche mit nicht deutscher Herkunftssprache und mehr Zeit für Lehrkräfte, um auf einzelne Schülerinnen und Schüler einzugehen."
Maaß warnt vor den Konsequenzen bei Untätigkeit: "Wer jetzt nicht handelt, wird alsbald zehn Prozent Abbrecherquote mit Krokodilstränen quittieren. Nur bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen, mehr hochqualifiziertes Fachpersonal wie Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache, kleinere Klassen und mehr anstatt weniger Schulsozialarbeit werden diese traurige Entwicklung stoppen können."
Bundesweiter Trend mit regionaler Ausprägung
Die Entwicklung in Sachsen spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Deutschlandweit blieben etwa 62.000 Schulabgänger ohne Abschluss - das entspricht knapp acht Prozent aller Schüler. Besonders alarmierend ist die Situation bei Schülerinnen und Schülern mit ausländischen Wurzeln, wo die Quote mittlerweile bei 25 Prozent liegt.
Handwerk fordert individuelle Förderung statt Systemausbau
Uwe Nostitz, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, kritisiert die aktuelle Diskussion um Schulnoten und fordert stattdessen konkrete Maßnahmen: "Anstatt darüber zu diskutieren, ob Schulnoten in Sachsen noch zeitgemäß sind, sollten wir uns darauf konzentrieren, die Zahl der Schulabbrecher signifikant zu senken."
Nostitz lehnt eine weitere Ausweitung von Übergangssystemen wie dem Berufsvorbereitungsjahr ab und plädiert für eine Stärkung der Schulen selbst: "Stattdessen müssen die Schulen gestärkt werden - mit qualifiziertem Lehrpersonal, bestmöglicher Ausstattung und mit individueller Förderung. Diese Maßnahmen sind eine lohnende Investition in die Bildung."
Dringender Handlungsbedarf in der Bildungspolitik
Die Experten sind sich einig, dass nur durch umfassende strukturelle Veränderungen die besorgniserregende Entwicklung gestoppt werden kann. Notwendig sind:
- Mehr qualifiziertes Lehrpersonal, insbesondere für Deutsch als Zweitsprache
- Kleinere Klassen für intensivere Betreuung
- Ausbau der Schulsozialarbeit
- Individuelle Förderkonzepte für benachteiligte Schülerinnen und Schüler
- Faire Ausgleichsregelungen in Prüfungssituationen
Die Rekordzahl von 3.210 Jugendlichen ohne Schulabschluss in Sachsen zeigt deutlich, dass das Bildungssystem an seine Grenzen stößt und dringend reformiert werden muss, um allen Schülerinnen und Schülern faire Bildungschancen zu ermöglichen.



