Zoff um gestrichene Landprämie für angehende Grundschullehrkräfte in Sachsen
In Sachsen sorgt die Streichung einer finanziellen Zulage für angehende Grundschullehrkräfte im Referendariat für erheblichen Unmut. Das Kultusministerium hat die sogenannte Landprämie für fast alle Referendare gestrichen, was bei Betroffenen und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf scharfe Kritik stößt.
Finanzielle Einbußen für Referendare im ländlichen Raum
Bislang erhielten Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst in Sachsen einen Grundbetrag von 1.795,10 Euro brutto monatlich. Wer sein Referendariat außerhalb der Städte Dresden und Leipzig antrat, bekam zusätzlich einen Sonderzuschlag von 1.250 Euro brutto pro Monat. Diese Landprämie sollte den Aufwand für weite Pendelwege oder einen Umzug in ländliche Regionen abfedern.
Nun wurde die Zulage für das Grundschullehramt mit sofortiger Wirkung gestrichen. Lediglich in der Region Bautzen wird die Prämie weiterhin gezahlt. Für viele angehende Lehrkräfte bedeutet dies eine massive finanzielle Einbuße.
Gewerkschaft spricht von Betrug und Vertrauensmissbrauch
Die GEW wirft dem Kultusministerium vor, die Streichung mitten im laufenden Bewerbungsverfahren und ohne ausreichende Vorwarnung bekanntgegeben zu haben. „Die angehenden Grundschullehrkräfte erhalten 40 Prozent weniger Geld, als ihnen zum Zeitpunkt der Bewerbung versprochen wurde. Das grenzt an Betrug“, erklärte GEW-Vorsitzender Burkhard Naumann.
In einem offenen Brief an Kultusminister Conrad Clemens (CDU) und den Chef des Landesamtes für Schule und Bildung, Patrick Schreiber, beklagen die Betroffenen einen Vertrauensmissbrauch. Viele hätten ihre Entscheidungen über Schulorte, Wohnsitze und familiäre Arrangements im Vertrauen auf die zugesagte finanzielle Unterstützung getroffen.
Ministerium verweist auf Transparenz und erfolgreiche Steuerung
Das Kultusministerium verteidigt die Maßnahme und betont, die Entscheidung bereits Ende Oktober 2025 offen kommuniziert zu haben. „Jeder Anwärter, der daraufhin seine Stelle ändern wollte, konnte dies tun“, sagte Kultusminister Clemens. Die Streichung der Landprämie sei notwendig, um Lehrkräfte gezielt in Bedarfsregionen zu lenken.
„Die Absolventenzahlen im Grundschullehramt sind konstant hoch. Gleichzeitig werden immer weniger Grundschüler eingeschult. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Einstellungsbedarf an den Grundschulen in den kommenden Jahren erheblich sinken wird. Deshalb müssen wir Lehrkräfte dort hinsteuern, wo wir sie dringend brauchen: in den Bedarfsregionen Bautzen und Görlitz“, erläuterte Clemens.
Das Ministerium führt an, dass sich die Zahl der Referendare in den Bedarfsregionen durch die Maßnahme bereits verdoppelt habe und die Steuerung somit erfolgreich sei.
Kritik an mangelnder Wertschätzung für den Berufsnachwuchs
Die GEW kritisiert hingegen, dass das Ministerium dringend benötigte Junglehrkräfte mit der Streichung der Zulage vor den Kopf stoße, anstatt sie zu umwerben. „Anstatt dringend notwendige Junglehrkräfte zu umwerben, stoße das Ministerium sie noch vor Berufsbeginn vor den Kopf“, so Naumann. Die finanzielle Unterstützung sei essenziell, um die zusätzlichen Kosten in ländlichen Regionen zu tragen.
Der Konflikt um die Landprämie offenbart grundsätzliche Spannungen zwischen der Personalsteuerung des Ministeriums und den Erwartungen sowie Planungssicherheit der angehenden Lehrkräfte. Während die eine Seite auf effiziente Ressourcenverteilung setzt, fordert die andere faire und verlässliche Rahmenbedingungen für den Berufseinstieg.



