Sternwarten als Bildungsretter: Wie Sachsen astronomisches Wissen vermittelt
Erstmals seit über fünf Jahrzehnten befinden sich Menschen wieder auf dem Weg zum Mond. Doch während die Raumfahrt neue Meilensteine erreicht, stellt sich die Frage: Wie viel Wissen über das Weltall erhalten Schülerinnen und Schüler in Sachsen heute noch? Sternwarten und Planetarien spielen dabei eine immer wichtigere Rolle als außerschulische Lernorte.
Astronomie als Unterrichtsfach seit Jahren abgeschafft
Das Fach Astronomie wird in Sachsens Schulen seit dem Jahr 2007 nicht mehr als eigenständiges Unterrichtsfach gelehrt. Stattdessen ist das Wissen über Galaxien, Jahreszeiten und Himmelskörper auf verschiedene Klassenstufen und Fächer verteilt. Thomas Weisbach, langjähriger Leiter des Chemnitzer Schulplanetariums, erklärt: „Die wenigsten Leute wissen, wie weit es bis zum Horizont ist. Wir können nur rund fünf Kilometer weit schauen.“
Weisbach kann sein astronomisches Wissen seit kurzem wieder regelmäßig weitergeben, nachdem das Planetarium fast ein Jahr lang wegen Lehrermangels geschlossen bleiben musste. Das Kultusministerium betont zwar, dass Astronomie integrativer Bestandteil in Fächern wie Physik und Geografie sei, doch die Lehrkräftesituation im naturwissenschaftlichen Bereich bleibt angespannt.
Sternwarten als gefragte außerschulische Lernorte
Olaf Graf, Leiter der Schulsternwarte und des Planetariums „Sigmund Jähn“ in Rodewisch im Vogtland, vermittelt astronomische Grundbildung an Tausende Schüler. Im vergangenen Jahr nutzten rund 12.000 Schüler in 270 Veranstaltungen die kommunale Einrichtung, insgesamt kamen 20.000 Besucher. „Wir versuchen, die Bildung über das All für alle zugänglich zu machen“, sagt Graf. Dabei handelt es sich um ein Wissensangebot, das sich die Kommunen zusätzlich leisten.
Trotz guter Auslastung stoßen Sternwarten und Planetarien oft an personelle Grenzen. Für größere Schulbesuche benötigt Graf etwa die Betreuung durch sich selbst und zwei Honorarkräfte. Zudem werde jüngeren Lehrern in der Ausbildung wenig astronomisches Wissen vermittelt, weshalb diese oft dankbar für die Zusammenarbeit mit Sternwarten seien.
Grundwissen variiert stark
„Was ist ein Stern oder ein Planet? In welcher Himmelsrichtung geht die Sonne auf?“ Laut Graf steht und fällt das astronomische Grundwissen mit dem Elternhaus und dem jeweiligen Schulunterricht. „Einige kommen zu uns und wissen viel. Andere eher nicht.“ In Sachsen funktioniere das System jedoch recht gut: „Wir konnten einige Sternwarten über die Wende retten und sie sind in einem guten Zustand.“
Positive Bewertung der astronomischen Grundbildung
Carsten Drebenstedt, Professor für den Studiengang „Weltraumtechnologien“ an der TU Bergakademie Freiberg, bewertet die astronomische Grundbildung in Sachsen grundsätzlich positiv. „Die jungen Menschen, die zu uns zum Studium kommen, haben ein gutes Grundwissen über unser Sonnensystem und wissen schon viel darüber, wie wir im Weltraum Informationen gewinnen können.“
Ein Grund dafür könnte sein, dass es im Freistaat viele Anlaufstellen zu dem Thema gebe, die auch von Lehrern gern genutzt würden. Dazu gehören neben den Sternwarten auch die Deutsche Raumfahrtausstellung im Vogtland.
Berufsperspektiven in der Weltraumforschung
Drebenstedt geht davon aus, dass unser Wissen über das Universum und ferne Galaxien noch am Anfang steht. „Was wir heutzutage messen, ist nur ein Bruchteil von dem, was wirklich da ist.“ Daraus ergebe sich für junge Menschen eine enorme Berufsperspektive und die Möglichkeit, Spitzentechnologien zu erforschen.
In Freiberg hofft der Wissenschaftler auf ein Forschungszentrum, das sich mit dem Leben von Menschen auf fremden Himmelskörpern beschäftigen soll – inklusive Nutzung von Rohstoffen, Energie, Strom- und Wasserspeicherung zur autarken Lebenserhaltung unter extremen Umweltbedingungen. Die Erkenntnisse aus dieser Forschung könnten auch dem Leben auf der Erde zugutekommen.
Sachsens Ambitionen in der Weltraumforschung
Sachsen will stärker in der Weltraumforschung punkten. In der Lausitz entsteht das Deutsche Zentrum für Astrophysik, und die Region ist als Standort für das neue Einstein-Teleskop im Gespräch. Auch über einen sächsischen Satelliten namens Saxon-1 wird nachgedacht. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach der astronomischen Bildung an den Schulen zusätzliche Bedeutung.



