Thüringen verteidigt Verbeamtung von Lehrkräften – Sachsen denkt über Abschaffung nach
Während das Nachbarbundesland Sachsen mittelfristig ein Ende der Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern in Erwägung zieht, hält Thüringen entschlossen an dieser Praxis fest. Bildungsminister Christian Tischner (CDU) bekräftigte in Erfurt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die Position des Freistaats: „Thüringen hält an der Verbeamtung seiner Lehrkräfte fest – aus guten Gründen“.
Wettbewerbsfähigkeit und Verlässlichkeit als Hauptargumente
Der Minister führte mehrere gewichtige Argumente für die Beibehaltung des Beamtenstatus an:
- Wettbewerbsfähigkeit: Thüringen stehe im harten Wettbewerb mit anderen Bundesländern und der freien Wirtschaft um qualifizierte Fachkräfte.
- Verlässlichkeit des öffentlichen Dienstes: Die Verbeamtung stärke die besondere Verantwortung der Lehrkräfte und ihr Treueverhältnis zum Staat.
- Kontinuierliche Unterrichtsversorgung: Das für Beamte geltende Streikverbot gewährleiste eine zuverlässige Bildungsversorgung der Schülerinnen und Schüler.
Tischner betonte: „Lehrkräfte stehen in einem klaren Treueverhältnis zum Staat, sichern verfassungsrechtliche Werte im Unterricht und gewährleisten durch das Streikverbot eine kontinuierliche Unterrichtsversorgung.“
Sachsen: Verbeamtung „aus der Zeit gefallen“
Diese Position steht im deutlichen Kontrast zur Haltung des sächsischen Kultusministers Conrad Clemens (CDU). Ein Sprecher seines Ministeriums hatte mitgeteilt, dass Clemens die Lehrerverbeamtung für „aus der Zeit gefallen“ halte und mittelfristig eine Abschaffung anstrebe. Der Minister verwies dabei insbesondere auf zwei Aspekte:
- Finanzielle Belastung: Die angespannte Haushaltslage und hohen Rückstellungen für Beamtenpensionen.
- Langfristige Tragfähigkeit: Clemens äußerte Zweifel, ob sich die Bundesländer auf Dauer eine breite Verbeamtung bei dem aktuellen Bedarf an Lehrkräften noch leisten können.
Der sächsische Minister strebt zudem eine gemeinsame Linie aller Bundesländer in dieser Frage an, während Thüringen seinen eigenen Weg konsequent weiterverfolgt.
Statistische Fakten zur Thüringer Lehrerschaft
Nach aktuellen Daten des Thüringer Bildungsministeriums zeigt sich folgendes Bild im laufenden Schuljahr:
- 11.518 verbeamtete Lehrkräfte an staatlichen Schulen
- 5.607 angestellte Lehrkräfte an staatlichen Schulen
- Damit beträgt der Anteil verbeamteter Pädagogen 67,3 Prozent
- Das Durchschnittsalter liegt bei verbeamteten Lehrkräften bei 46,5 Jahren
- Angestellte Lehrkräfte sind im Schnitt 47,8 Jahre alt
Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Beamtenstatus im Thüringer Bildungssystem und verdeutlichen, warum die Landesregierung an dieser Personalpolitik festhält – trotz der finanziellen Bedenken, die aus Sachsen und anderen Bundesländern laut werden.



