Trauer an der Universität Rostock: Professor Walter Wild mit 86 Jahren verstorben
Die Universität Rostock und die gesamte Stadtgesellschaft befinden sich in tiefer Trauer. Professor Walter Wild, eine prägende Persönlichkeit der akademischen Landschaft, ist am 7. April 2026 im hohen Alter von 86 Jahren verstorben. Wie die Hochschule mitteilte, hinterlässt der Physiker eine immense Lücke, da er über viele Jahrzehnte hinweg Generationen von Rostocker Studenten maßgeblich beeinflusst hat.
Ein Leben für die Messtechnik und akademische Selbstverwaltung
Walter Wild begann sein Physikstudium bereits im Jahr 1959 an der traditionsreichen Alma Mater in Rostock. Seine akademische Laufbahn war von kontinuierlichem Aufstieg geprägt: 1970 promovierte er zum Doctor rerum naturalium, gefolgt von der Habilitation im Jahr 1977. Seine Habilitationsschrift mit dem Titel „Thermisch stimulierte Exoelektronenemission von isolierenden Schichten und ihre Anwendung auf Diffusions- und Implantationsprobleme“ unterstrich früh seine Schwerpunktsetzung in den Bereichen Festkörper- und Messtechnik.
Von 1992 bis 2005 lehrte er als Professor für Messtechnik am Fachbereich Maschinenbau und Schiffstechnik der Fakultät für Ingenieurwissenschaften. Für seine langjährige und fruchtbare Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Varna wurde ihm im Jahr 2004 der ehrenvolle Titel „Professor ehrenhalber“ verliehen. Wild war über viele Jahre am Institut für Mess- und Regelungstechnik aktiv und leitete den jährlich stattfindenden Workshop „Infrarot-Thermographie“, der sich zu einer bedeutenden Veranstaltung entwickelte.
In der akademischen Selbstverwaltung übernahm Walter Wild zahlreiche Schlüsselfunktionen:
- Von 1990 bis 1992 war er stellvertretender Fachbereichssprecher.
- Anschließend amtierte er bis 1994 als Fachbereichssprecher.
- Er gehörte von 1992 bis 1994 der Gründungskommission der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an.
- Von 1991 bis 2004 führte er als Präsident das Konzil der Universität Rostock, das er mehr als ein Jahrzehnt lang leitete.
Leidenschaften jenseits der Wissenschaft: Eishockey und Klosterbruderschaft
Neben seiner intensiven wissenschaftlichen Arbeit pflegte Walter Wild zwei besondere Leidenschaften, die sein Leben bereicherten. Bis vor wenigen Jahren war er noch aktiv als Eishockey-Spieler bei den Rostock Oldstars der Piranhas tätig und zeigte damit seine Verbundenheit zum Sport.
Seit dem Jahr 1963 gehörte er zudem der Gemeinschaft der Klosterbrüder an. Diese Freundschaft von Physikern, die im Klosterhof der Universität diplomiert und promoviert haben, traf sich jährlich zu Himmelfahrt an einem abgelegenen See in der Nossentiner Schwinzer Heide. Bei Feuer, Wasser, Wein und Gegrilltem wurden dort unzählige Geschichten erzählt und nachts am Feuer besungen. Klosterbruder Holger Matthäus bringt die Trauer der Gemeinschaft auf den Punkt: „Wir vermissen nun einen eifrigen Klosterbruder und guten Freund.“
Die Universität Rostock verliert mit Walter Wild nicht nur einen herausragenden Wissenschaftler und engagierten Hochschullehrer, sondern auch einen Menschen, der durch seine vielseitigen Interessen und sein soziales Engagement die Universitätsgemeinschaft und die Stadt Rostock nachhaltig geprägt hat. Sein Vermächtnis in der Messtechnik, sein Einsatz für die akademische Selbstverwaltung und seine menschliche Wärme werden in Erinnerung bleiben.



